Patriotisches Bier! Patriotischer Stahl!

von Reinhard Schlieker11.03.2018Außenpolitik, Wirtschaft

Lediglich 1,5 US-Cent wird ein Sechserpack Bier in den Vereinigten Staaten teurer, nachdem Präsident Trump die angekündigten Einfuhrzölle auf Aluminium und Stahl auf den Weg gebracht hat. Da freut sich die Nation. Doch um was geht es hier eigentlich?

Zölle hin, Dosen her. Womöglich aber gelingt es den amerikanischen Metallunternehmen ja nun, durch kühne Modernisierung der leicht angejahrten Produktionsanlagen im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten den Preis bei der Dosenerzeugung noch zu drücken – ein Traum des Weißen Hauses würde wahr. Der Präsident unterzeichnete sein Vorhaben in Anwesenheit von Stahlarbeitern – nicht ganz so sichtbar waren die Lobbyisten der Industrie, welche den beratungsresistenten Präsidenten in dieser Hinsicht nicht erst groß schubsen mussten. Trump stärkt das Nationalgefühl. Aber auch nur das.

Neue Gegner im eigenen Land allerdings wohl jene 107 Abgeordneten der eigenen Partei, die dringlich vor dem Schritt mit den Zöllen gewarnt hatten, sowie der direkt ausgeschiedene Präsidentenberater Gary Cohn, der als langjähriger Vizechef von Goldman Sachs ziemlich genau weiß, was international läuft und sich das Ganze nicht mehr antun wollte. Einer der wenigen, die aus völlig freien Stücken den Präsidenten verlassen hat, und nicht auf Druck von Ermittlungsbehörden, nur um das mal anzumerken. Jedenfalls hat Trumps Maßnahme unmittelbar 500 neue Stahlarbeitsplätze geschaffen, was die erwartungsfrohen Erzeuger von US Steel gleich mal verkündeten – schließlich werde man in Zukunft höhere Preise verlangen können. In dieser eher peinlichen Reaktion aber spiegelt sich gleich einmal der ganze kolossale Irrtum der Chose. Denn höhere Metallpreise lassen Ersatzstoffe interessanter werden – Kohlefaser und Kunststoffe etwa bei Boeing, PET bei Bierdosen (ja, da muss der Präsident jetzt mal ganz tapfer sein) und dergleichen mehr.

Auf dem Weg zurück ins Zeitalter der Schwerindustrie wird Mr. President straucheln. Denn was war, kommt nicht wieder, und die energieintensive Aluminiumerzeugung etwa wird trotz allem die amerikanischen Kohlereviere nicht wiederbeleben. Wie schwer man die neuen Zölle in Europa nimmt, konnte man an den Börsen ablesen: Nämlich gar nicht. Kaum ein Wunder, sind doch in den deutschen Indizes etwa kaum Stahlerzeuger präsent; die wenigen, die es hierzulande noch gibt, satteln längst um – wie Thyssenkrupp – auf Hightech und versuchen ihre Stahlsparten durch Fusionen auszugliedern oder wettbewerbsfähiger zu machen. Denn die chinesischen Importe drücken hier ebenso wie in Amerika, nur die Schlussfolgerungen waren eben andere.

Wenn aus Brüssel nun zu hören ist, solche obskuren Güter wie Whiskey aus Kentucky oder Orangensaft aus Florida mit Strafzöllen zu belegen, dann zumindest nehmen die Börsen und Unternehmen es noch nicht als Beginn eines Handelskrieges. Trotz aller martialischen Gebärden nämlich trifft es Europa weit weniger als Asien. Die chinesische Wirtschaft wird höflich lächelnd reagieren, wie es so Brauch im Reich der Mitte ist. Denn der Staat kann jederzeit weiter heruntersubventionieren – wem da wohl zuerst die Puste ausgeht? Schade eigentlich nur für die Anhänger Trumps im sogenannten Rust Belt: Sie machen sich womöglich Hoffnungen. Und die werden sich schnell zerschlagen. Sehr schnell.

Schließlich bleibt noch der Ausweg für die Europäer, höhere Verteidigungsbeiträge zu leisten, denn Trump verknüpfte merkwürdigerweise seine Stahlzölle mit diesem anderen Streitpunkt. Die inländischen Ausrüster der Bundeswehr könnten am Ende die dauerhaften Nutznießer der verwickelten Streitigkeiten werden, denn dass die Armee so allmählich mal Bedarf hat, ist hinlänglich bekannt. Wenn man damit auch noch den US-Präsidenten glücklich machen kann… Ein wenig Mitgefühl mit den Amerikanern wäre allerdings wegen des eingeschlagenen Irrweges nur angebracht, hätten sie selbst nicht durch unfaire Auftragsvergabe etwa bei Flugzeugbestellungen nicht sich bereits seit Jahren ins Unrecht gesetzt: Als Airbus zum Zuge kommen sollte, wurden die Bedingungen nachträglich so geändert, dass eben doch Lockheed und Boeing die Aufträge bekamen. Das mag Trump nicht mehr präsent sein, aber auch in Europa wird nicht alles leichthin vergessen.

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