Deutsche Bank: Wo bleibt die Größe?

Reinhard Schlieker9.12.2017Wirtschaft

Schon mehrere Vorstandgenerationen haben sich an der Neuausrichtung der Deutschen Bank versucht – teure Irrtümer waren dabei, Ausflüge ins Unbekannte und vor allem ins Unerquickliche. Charakteristikum jeweils nach dem Abtritt eines Reformers, Change-Managers oder Sanierers: Nichts blieb, wie es war, und kaum etwas blieb, wie es nur kurz zuvor geworden war.

Am Wirbel um die Postbank haben es auch die Normalverdiener gemerkt: Die Irrungen der Deutschbänker legendär, und sie haben in diesem Fall natürlich auch nicht dazu geführt, dass das querliegende Institut nun zum Zugpferd für eine ganz neue Klasse von Bankkunden geworden wäre. In all den Jahren ist die Deutsche Bank, und gar nicht einmal immer selbstverschuldet, vom Aushängeschild deutschen Finanzierungswesens auf internationale Bühne doch deutlich abgesackt. Die äußere Größe also ging verloren, was zumindest ein Signal dafür hätte sein können, nun innere Größe zu beweisen.

Es muss ja nicht das Flair alt-ehrwürdiger Bankenpaläste mit einschüchterndem Marmor großer Empfangshallen sein – auch wenn man sich beim Betrachten alter Bilder, oder auch nur der Kulisse jener Bank in Disneys „Mary Poppins“ so manches zurückwünscht. Die Digitalisierung darf ja ruhig bleiben, das widerspricht sich ja nicht. Nun hat sich die Bank aber entschieden, nur eine ganz kleine alte Tradition wiederzubeleben: Die Deutsche Asset Management soll wieder DWS heißen, ganz wie einst, als man schön im Geiste der Sechziger die Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen kannte. Anlass ist freilich nicht die hohe Wertschätzung der eigenen Tochter, sondern der Auftakt zum Börsengang jener Investment- und Vermögenssparte, oder zumindest eines Viertels davon, unter der Rechtsform der GmbH & Co.KG auf Aktien.

Damit behält die Deutsche die Zügel in der Hand – warum aber der Gewinn der DWS nicht zu hundert Prozent weiter an die Mutter fließen soll, sondern dann nur noch zu 75 Prozent, dürften sich die potentiellen Anleger bei den laufenden Roadshows wohl fragen. Die Fondsmanager der DWS dürften es nicht ungern sehen, international „gestreut“ zu werden und den hundertprozentigen Durchgriff der Muttergesellschaft eben nicht mehr zu genießen. Das Ganze soll allerdings in recht kurzer Zeit Wirklichkeit werden. Folgt der Börsengang tatsächlich, wie es heißt, schon im Frühjahr, gibt es bis dahin noch reichlich Arbeit für die Hausjuristen und externe Berater. Das geneigte Publikum, soweit nicht börsenorientiert oder einfach nur Kundschaft der Bank, nimmt zuvörderst erneut einen Umbau wahr – und weiß aus den Medien, dass es ein Umbau im Umbau ist.

Das in Deutsche-Bank-Aktien engagierte Publikum, nicht immer geneigt jenem Unternehmen gegenüber, hat langfristig gesehen dem Aktienkurs hinterhergeblickt auf dem Abstieg, darf sich im kommenden Frühjahr im Gegensatz zu anderen boomenden Dax-Werten auch nicht auf eine Dividende in tatsächlich tröstender Höhe freuen, und fragt sich wohl, ob das nun eine dringliche Operation war. Aber vielleicht ist die Deutsche Bank ja in der Lage, inzwischen vielerlei gleichzeitig und das auch noch richtig zu machen. Überraschungen gibt es ja täglich, und das wäre mal eine.

_Diese Kolumne erschien zuerst in Ihrer_ “*BÖRSE am Sonntag*”:http://www.boerse-am-sonntag.de/aktien/schliekers-woche/artikel/deutsche-bank-wo-bleibt-die-groesse-8992.html.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Nächstenliebe geht anders!

Nächstenliebe geht anders! Alle EU-Abgeordneten von CDU/CSU haben gegen eine Resolution zur Beendigung des Sterbens im Mittelmeer gestimmt. Mit Rechtspopulisten und -extremen haben sie diesen Aufruf zur Menschenrettung mit einer neuen europäischen Seenotrettung und für die Entkriminalisierung der

Der Seelendoktor und ambivalente politische Revoluzzer

Theodor Fontane (* 30. Dezember 1819 in Neuruppin; † 20. September 1898 in Berlin) war einer der großen deutschen Landschaftspoeten. Er ist aber auch der Anwalt der Frauen gewesen, die Emanzipation verdankt dem Neuruppiner Apotheker viel. Aber wie dachte er politisch und was ist von seiner Ambiva

Die Energiewende ist ein politischer GAU

Die Energiewende ist ein politischer GAU, der Größte Anzunehmende Unsinn der Nachkriegsgeschichte. Und jetzt gießt die deutsche Regierung diesen GAU in Gesetzesform, genannt „Klimapaket“. Der Verstoß gegen die Gesetze der Physik und Ökonomie wird in Deutschland Gesetz.

Die schleichende Rückkehr des Unrechtsstaats

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat eine Hotline zum anonymen Melden rechtsextremer Umtriebe eingerichtet. Unterdessen suggeriert der Stadtrat von Dresden in einer Erklärung unter der Überschrift „Nazinotstand?“, die sächsische Landeshauptstadt versinke im rechtsextremen Chaos. Die obses

Triumph für Matteo Salvini

Eben noch ging ein Seufzer der Erleichterung durch Europa: Der italienische Patient war endlich auf dem Weg der Besserung. Lega-Chef und Innenminister Salvini manövrierte sich mit seinem gescheiterten Neuwahl-Coup ins Aus. Und das Regierungsbündnis aus 5-Sterne-Bewegung und linker Demokratischer P

Auf welchen Politikertypus stehen die Deutschen?

Auf welchen Politikertypus stehen die Deutschen? Kuschelbär (Robert Habeck) oder John Wayne (Friedrich Merz)? Ich vermute Kuschelbär.

Mobile Sliding Menu