Schöne Bescherung

von Reinhard Schlieker3.12.2017Wirtschaft

Wer hat, dem wird gegeben: Das ist nicht ungerecht, sondern im Falle des Aktienbesitzes zwangsläufig. Wenn man die Richtige gefunden hat. Die Rede ist weder von Weihnachten, noch von geglückter Brautsuche. sondern, ganz und gar unfestlich und wenig romantisch, von Wertpapieren, die etwas abwerfen. Auch wenn es darüber meist Frühling werden wird.

Die zu erwartenden Dividenden nach dem Börsenboom erreichen auch bei höchst soliden Unternehmen 2018 wohl stattliche Renditewerte. Daimler etwa könnte sich bei fünf Prozent einfinden, dortselbst auch die Münchener Rück landen wird, und die Telekom bringt noch 4,7 Prozent vor Steuern – dies jedenfalls aktuell geschätzt von den Analysten der Commerzbank. Wobei man die Vorfreude wohl gerade im Falle Telekom relativ gelassen genießen kann: Die Beteiligung des Staates dürfte sicherstellen, dass böse Überraschungen ausbleiben. Es nun mag wirklich unfair sein, aber das einnehmende Wesen des Finanzministers, wer immer das im April oder Mai 2018 sein mag, ist wohl Einstellungsvoraussetzung oder entwickelt sich spätestens mit Amtsübernahme.

A propos Commerzbank – da war ja noch was mit Staatsengagement, aber lassen wir dies fürs erste. Jedenfalls weisen die Experten nicht unzutreffend darauf hin, dass der DAX-Index als performance-geprägtes Barometer die Dividenden ja jeweils integriert, wodurch sich die Gesamtrendite eines Engagements in DAX-Werten schön jeweils zum Jahresende bestaunen lässt. Allerdings – Kursverluste werden so nur verbrämt sichtbar, denn die im Frühjahr gezahlten Dividenden kaschieren auch manche Herbstschwäche, die es schon hin und wieder gegeben hat.

Für dieses Jahr sollte die Sache aber wohl gelaufen sein. Im November betrug der Beitrag der Ausschüttungen zum DAX-Stand knapp vierhundert Punkte, das ist nicht von Pappe. Die Kurszuwächse 2017 lassen die anteilige Rendite der Dividenden prozentual schrumpfen, dennoch erwarten die Experten für 2017 eine Marktrendite von etwa drei Prozent. Da kann keine Anleihe, die seriös auftreten will, noch mithalten. Noch nicht einmal die meisten unseriösen. Wenn sich, was spätestens die nächste Statistik des Deutschen Aktien-Instituts (DAI) erweisen dürfte, die Zahl der Deutschen mit Aktien- oder Fondsbesitz nicht nennenswert gesteigert haben wird, so kann man da nur noch sagen: Selbst schuld.

Gut 35 Milliarden Euro werden die DAX-Unternehmen also für das Geschäftsjahr 2017 ausschütten. Fast schon bedenklich: Wissen die Firmen nichts Besseres mit dem Geld anzufangen, als es den Aktionären anzudienen? Zieht diesmal nicht, das Argument gegen das Bare, denn Geld haben sie alle trotzdem noch reichlich. Na ja, fast alle. Die Deutsche Bank muss ihres schon sehr zusammenhalten, es wird ja für die fortdauernde Sanierung gebraucht, die man aber bloß nicht so nennen darf. Aber das ist ein anderes Thema.

Wer es bis heute immer noch nicht gemerkt hat, dem sei jede entgangene Chance gegönnt. Was die geradezu paralysierende Angst der Bürger im erfolgreichsten Industrieland der Welt vor Kursschwankungen und Pleiten angeht, so gerät es spätestens seit der auf lange Sicht bleibenden Nullzinspolitik der EZB ins Pathologische. Die Aktienanleger der neunziger Jahre haben trotz mehrfacher Crashs und Krisen immer noch ein Plus auf dem Konto, was man von keinem einzigen Sparbuchinhaber sagen kann. Die gerade wieder anziehende Inflation in Deutschland lässt jede Geldanlage risikolos und dauerhaft Miese produzieren, bis auf eine.

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