Alles Tofu – nur nicht Milch

von Reinhard Schlieker17.06.2017Europa, Innenpolitik

Da hatten die Richter am EU-Gerichtshof aber mal wirklich eine Nuss zu knacken, oder vielmehr die Bohne zu analysieren: Kann es „Tofubutter“ geben? Oder „Veggie-Cheese“? Die höchsten Gericht der Europäischen Union haben gesprochen: Rein pflanzliche Produkte dürfen nicht unter Bezeichnungen wie Milch oder Käse angeboten werden. Veganer aller Länder, vereinigt Euch weiter! Der EuGH weist den Weg!

Die an sich schon abstoßenden Kauderwelsch-Bezeichnungen wie „Tofubutter“ und „Veggie-Cheese“ verwendete eine Firma, die mit dem Namen „Tofutown“ eigentlich schon gestraft genug ist und gar keine Richter vom EuGH mehr gebraucht hätte. Die fiese Konkurrenz allerdings gönnte den perfekt englisch radebrechenden Pflanzenverarbeitern aus der Eifel ihren Triumph nicht, denn zweifelsohne waren Tofumilch, Pflanzenkäse und andere Leckereien grandiose Erfolge auf dem Markt der verwirrten Konsumenten.

So ging nämlich die Argumentation: Was geschieht wohl mit der labilen Psyche eines überzeugten Milchtrinkers, der nur das Signalwort zur Kenntnis nimmt und hocherfreut zu seinem Lieblingsprodukt greift – nur, um später festzustellen, dass er ein Gebräu aus Sojabohnen erwischt hat, die man so lange malträtiert hat, dass sie ganz weiß und milchig geworden sind? Wer nun meint, dass ist doch alles Quark mit Soße, der irrt gar fürchterlich. Denn der richterliche Erfahrungsschatz schlug sich in einem Urteil nieder, dass dem regulären Milchtrinker und Käsemümmler glatt den Appetit verderben könnte: Es handele sich nämlich um „ein durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenes Erzeugnis der normalen Eutersekretion“, so die Luxemburger Rechtskundigen. Und nur das sei Milch.

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