Flix bei der Sache: Post ist abgefahren

Reinhard Schlieker6.08.2016Wirtschaft

Der gute alte Postbus, er ist nicht mehr. Der neue nun genausowenig. Flixbus, ein Startup von 2011, betätigt sich als Krake und schluckt der Fahrdienstleiter der deutschen Überlandstrecken mit seinen bisher rund 70 Prozent Marktanteil die gelbe Konkurrenz. Große Wettbewerber sind nicht mehr in Sicht, und zahlen wird am Ende der Fahrgast.

Flixbus, ein Startup von 2011, betätigt sich als Krake: Nach diversen Übernahmen, darunter auch durchaus mal ein größerer Happen wie etwa Deinbus.de, und das im Gegensatz zu seinem Namen in Deutschland doch eher minimale Unternehmen Megabus, schluckt der Fahrdienstleiter der deutschen Überlandstrecken mit seinen bisher rund 70 Prozent Marktanteil nun die abgegangene Post. Damit können ganz neue Fahrscheine schon antik sein. Kein Gewinn, keine Freude fand der Briefdienstleister an seinem Mobilitätsprodukt, wo er doch besonderen Komfort und Service zu bieten sich anheischig gemacht hatte. Jetzt reisen nur noch DHL-Pakete im Feldversuch, und das mit Flixbus.

Vielleicht passte das Post-Produkt einfach nicht zur Kundschaft: Die setzt auf billig, was Fernreisenpreise von so etwa fünf bis fünfzehn Euro erlaubt. Pro gefahrenem Kundenkilometer sollen derzeit nur an die neun Cent beim busfahrenden Unternehmer hängenbleiben, aber Flixbus wäre nicht Flixbus, wenn man nicht trotzdem auf den Zeiteffekt setzen würde: Nicht den bei den Busrouten, aber den, wenn dann mal alle Konkurrenten aufgegeben haben werden. Man hat eigentlich alles geschluckt, was mehrtonnige Personenbeförderung angeboten hat, nur eines, eine Art kleines gallische Dorf bleibt noch im Preiskampf, schwächelt aber erheblich: Die Deutsche Bahn outet sich als mürrischer Betreiber geräderter Fahrzeuge auf dem Asphalt, indem sie jetzt schon ankündigt, ihre Aktivitäten diesbezüglich „auf den Prüfstand zu stellen“.

Die Sache läuft nicht rund

Die Bahn-Marken IC Bus und Berlin Linienbus erreichen zusammen noch rund 14 Prozent Marktanteil, und, was noch schlimmer ist, werden von der bahneigenen Konkurrenz namens Eisenbahn seit kurzem auch noch torpediert. So kann es kommen, wenn man durch ein Gesetz von 1934 geschützt wird: Monopole wissen recht oft nicht, was sie tun. Aber auch für die Bahn wäre ein Orientierungsrahmen von fünf Jahren eigentlich verkraftbar, aber lassen wir das. Allein billige Zugtickets auf Fernstrecken zielen genau auf die Gummi-Konkurrenz der Landstraße: Für 19 Euro kann man, wenn man Glück hat, bahnfahren zwischen den Metropolen der Republik. Wenn man Glück hat. Sonderwünsche betreffend Zeit und Buchung werden höchstpreisig bestraft – aber das macht die Konkurrenz von Flixbus irgendwie auch.

Vorteile der Bahn sind natürlich die Einladung an Leute mit dem Bedürfnis, zwischendrin auch mal ein paar Schritte zu gehen, wenn auch öfter mal in vollen Gängen und in Kurven leicht schwankend. Vereinzelt gibt es auch noch Speisewagen, und man kann ruhen beim Rollen, was im Bus trotz aller Werbesprüche nicht so recht der Standard ist. Auf jeden Fall aber hat die Gesetzesnovelle zum 1. Januar 2013 eines gebracht: Der Bahn Dampf zu machen im Elektro-Zeitalter. Und sei es nur bei den Internetanbindungen im Zug. Kehrseite auch dieser Medaille vorhanden: Das Interesse, Zuganbindungen bestimmter Kleinstädte zu erhalten, wenn dort auch ein Flixbus auf der Pirsch ist, sinkt rapide. Und die billigen Tickets zahlen wir als Steuerbürger auf jeden Fall mit – auch wenn wir nur zu Hause bleiben und unsere Ruhe haben wollen. So ist halt das (Wirtschafts-)Leben.

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