Im Kern gespalten

Reinhard Schlieker13.06.2016Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Eon – der größte deutsche Stromkonzern – will kleiner werden. Indem er sich aufspaltet. Jahrelang war ja Kernspaltung eines der Geschäftsmodelle, das dem integrierten Strom-, Gas- und Versorgungsunternehmen sein auskömmliches Auskommen sicherte. Aus, vorbei und vergangen. Mit der Hauptversammlung in der abgelaufenen Woche ist der Konzern aus Essen Geschichte. Seine Abspaltung wird Uniper heißen.

Uniper also – als man das Namensmonster aus der Taufe hob, das war vor mehr als einem Jahr, gab es zugleich die Verlautbarung, dass dieser Name nicht etwa ein neues Waschmittel, sondern vielmehr die kluge Zusammenfassung der englischen (was auch sonst) Worte „unique“ und „performance“ beinhalten sollte. Fast schon so was wie „Leistung aus Leidenschaft“. Nun wird Uniper natürlich auf einzigartige Weise performen, weil Johannes Teyssen, Chef von Eon, dies so möchte.

Eon, die Konzernmutter, macht also künftig ganz in Öko. Uniper, das Schmuddelkind, bekommt das kriselnde Geschäft, hat aber gleichwohl international gute Aussichten. Einfach schon deshalb, weil man jenseits der deutschen Grenzen die hierzulande euphemistisch „Energiewende“ genannte Kamikaze-Politik nur staunens-, mitnichten jedoch nachahmenswert findet. Und damit erfindet sich Eon zwangsweise neu. Die Politik hat die Energiekonzerne jahrzehntelang gepäppelt, ein alter Reibepunkt für sozialistisch-grüne Attacken, wobei ironischerweise es in der Bundesrepublik kaum etwas Volkseigeneres gab als RWE und Konsorten. Schließlich sind zahlreiche Kommunen mit ihren Stadtwerken dort Eigner. Etwas fassungslos gaben sich denn auch deren Vertreter und die Aktionärsschützer auf der Eon-Hauptversammlung: Keine tolle Idee, das mit Uniper, aber etwas besseres wisse man auch nicht.

Die Ratlosigkeit Aller zeitigte ein Abstimmungsergebnis von 99,7 Prozent für Teyssen, ein Outcome (engl.), das Erich Honecker im Grabe neidisch rotieren lassen dürfte. Festzuhalten bleibt, dass ein Industriezweig Deutschlands nicht erst durch die Pläne zur Kernspaltung völlig zerhackt wurde, sondern durch die Absurditäten der Politik. Nachfolgende Generationen könnten, und dies ist natürlich Spekulation, unsere heutige Verfahrensweise einfach als das benennen, was sie ist: Komplett irre. So etwa wie wir auf den Dreißigjährigen Krieg blicken: Voller Mitleid, aber ohne jedes Verständnis.

Die Alternativlosigkeit der alternativen Energien erweist sich gerade in diesen Tagen als Wahnsinn im Untergang. Die x-te Novellierung des entsprechenden Gesetzes beweist wieder einmal nur eins: Es gibt keine Rechtssicherheit mehr, und mithin keine Handlungsgrundlage für Unternehmen. Wenn Wahnsinn je Methode hatte, dann im Deutschland der Großen Koalition. Die Börse zeigt es mit den Kursen von Eon oder RWE deutlich an: Selbstauflösung würde noch verborgene Werte heben. Der Steuerzahler ist doppelt und dreifach gekniffen: Als Anleger in Aktienfonds, als Kunde der Unternehmen und zuletzt als Mithaftender der kommunalen Stadtwerke. Darauf mal ein rheinisches Prosit – es lebe die Berliner Republik.

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