OPEC und EZB – oder: wie alles zusammenhängt

von Reinhard Schlieker4.06.2016Wirtschaft

Das Ministertreffen des Ölkartells endete in der vergangenen Woche so, wie man es kennt. Keine Einigung auf Förderquoten, stattdessen gewichtige Worte und zutrauliche Statements: Marktstabilität werde man weiterhin schaffen. Wenn das, was man derzeit sieht, Markstabilität ist, dann will man Instabiles nun wirklich nicht sehen.

In Wirklichkeit produzieren die OPEC-Staaten und die anderen Produzenten des schwarzen Goldes weit mehr Öl, als in ihrer Verabredung von vor einem halben Jahr steht. Gut 2,5 Millionen Fass sind es täglich. Darin kommt auch zum Ausdruck, dass Iran und Saudi-Arabien ihren Konflikt über die Vorherrschaft in der Region auch über die Ölwaffe austragen. Nach dem Ende des Treffens in Wien bemühten sich die erlauchten Minister zwar um Schadensbegrenzung – aber zumindest die Börsen nehmen ihnen das nicht so ohne weiteres ab. Deren Blickwinkel hat sich nämlich gegenüber früheren Zeit radikal gewandelt: Fallende Ölpreise werden heute als negatives Omen gewertet – das war vor Jahren noch ganz anders. Da drohten hohe Preise des „schwarzen Goldes“ die Industriegesellschaften abzuwürgen.

Das Opec-Kartell verfügt zwar nur noch über ein gutes Drittel der weltweiten Ölförderung – vor allem die USA sind da vorgeprescht und reden bei der Preisbildung nun deutlich mit –, aber eine gewichtige Stimme hat die Opec dennoch. Was sie nicht leisten kann: Ihre Mitgliedsländer Nigeria und Venezuela vor sich selbst zu retten.

Venezuela kann kaum mehr Devisen gegen Öl einführen, die Förderkosten sind angesciths des Weltarktpreises für Rohöl zu hoch – es lohnt sich nicht. Da man sonst nichts hat, weil niemand in den vergangenen Jahren weitere Standbeine aufgebaut hat, war die Kalamität von plötzlicher Armut und gar Hunger eigentlich absehbar. Der sozialistische (Alp-)Träumer Maduro ist aber offenbar bereit, sich notfalls ein neues Volk zu wählen, wenn die Proteste auf den Straßen weitergehen.

Und nun die EZB: Sie verfährt mit ihrem selbst geschaffenen Geld ähnlich wie die Opec mit Öl. Die Förderquote geht rauf statt runter. Ab nächster Woche können sich nun also auch Unternehmen im Euroraum günstig über die EZB finanzieren. Ob sie mit dem Geld dann Altschulden tilgen, sich etwas auf die hohe Kante legen oder, wie die EZB es sich erträumt, nachhaltig Investitionen schaffen, wird man nicht vorherbestimmen können.

Derweil hat die Deutsche Bundesbank ihre Inflationprognose auf Jahre hinaus gesenkt: Wegen des billigen Öls natürlich. Das drückt die Geldentwertung, und es gibt nichts, was die EZB mit ihrem Chef Mario Draghi dagegen tun kann. Als nächstes und letztes Mittel käme eigentlich nur die Mitgliedschaft der EZB in der Opec in Frage, wo man dann während der halbjährlichen Treffen der Verteuerung des Rohstoffs das Wort reden könnte. Die einen exportieren Öl, die anderen importieren Inflation – und alle sind glücklich.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die AfD ist der Aufstand der Straße gegen die Zumutung des kategorischen Imperativs

Die mangelnde Problemlösungsfähigkeit, die den regierenden Parteien in Umfragen unterstellt wird, scheint mir das eigentliche Problem. Keiner behauptet, die AfD könne die Probleme lösen oder habe die Konzepte dafür; sie ist reine Protestpartei, inhaltlich nichts sagend.

Die DDR kommt wieder!

Zwei Drittel der Berliner befürworten einen Mietendeckel, wenn die Mieten zu stark ansteigen. Das Bundesverfassungsgericht sagt, dass „preisrechtliche Vorschriften, die durch sozialpolitische Ziele legitimiert werden, verfassungsrechtlich nicht ausgeschlossen sind“. Die Mietpreisexplosion in Be

Die AfD verändert die politische Geographie

Am 1. September wird in Brandenburg und Sachsen gewählt. Die ermatteten Volksparteien bekommen ihre Quittung für eine Politik politischer Lethargie. Die AfD pflügt seit Wochen die politische Landschaft um, aber warum hat sie so eine Macht in Ostdeutschland?

Das völkische Denken der AfD ist antibürgerlich

Frank-Walter Steinmeier hat große Zweifel an der bürgerlichen Selbstdarstellung der AfD geäußert. Damit reagierteder Bundespräsident auf Äußerungen des Parteivorsitzenden Alexander Gauland, der seine Partei nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen als "Vertreter des Bürgertums" bezeichnet

Der Klassenkampf hat gerade erst begonnen

Es ist hohe Zeit zu begreifen, dass der linke Zeitgeist brandgefährlich ist. Jene, die das, was sie für das Gute halten, wie eine Monstranz vor sich her tragen und unermüdlich die Welt verbessern wollen, lassen alle Hemmungen fallen, wenn sie feststellen müssen, dass es Andersdenkende gibt.

Die GroKo versagt in der Migrationspolitik

Die Bilder aus Lesbos sind ein Menetekel: Der „Türkei-Deal“ ist gescheitert. Die Balkanroute ist wieder offen, aber die Regierung verschließt die Augen. Die GroKo versagt auf ganzer Linie, nicht nur in der Migrationspolitik.

Mobile Sliding Menu