Der Dschungel wächst

Reinhard Schlieker1.05.2016Innenpolitik, Wirtschaft

Ach, es gibt so viele Fragen zur Elektomobilität im Straßenverkehr, die uns ja seit neuestem die Lösung aller diesbezüglichen Fragen bringen soll. Wie kommt es, dass ein kauziger amerikanischer Milliardär Elektroautos baut, von denen die Kundschaft viel mehr haben will, als er liefern kann? Und warum hinken die übrigen Autobauer derart hinterher? Und wie reagiert der bundesdeutsche Vorsorgestaat?

Der bundesdeutsche SPD-Wirtschaftsminister möchte Prämien – Geld des Steuerzahlers! – an künftige E-Autofahrer verteilen, damit diese Vehikel überhaupt gekauft werden. Vielleicht gekauft werden muss, besser gesagt. Denn auch mit 2.000 Euro Zuschuss vom Staat (danke, Staat!) und 2.000 vom Händler (angeblich) bleiben deutsche Produkte, die mehr als hundert Jahre Zeit zur Reife hatten, teuer, teuer und nochmals teuer. Und dann meist hässlich. Und schwer. Und umweltfreundlich nur, wenn man die Chose schönrechnet oder einfach zugibt, was jeder eigentlich wei?: Dass für die Produktion und Stromversorgung der seltsamen Vehikel eigentlich wieder die gute alte Kernkraft gebraucht würde, damit die Ökobilanz halbwegs stimmt.

Derweil zieht die Familie, so sie es sich leisten kann, wie einst mit dem Käfer über die Alpen in den Urlaub und legt Rast ein in einem Ausmaß, dass es den ADAC erstaunen dürfte. Stunde um Stunde an der Ladestation wie in den schönsten Zeiten von Muße und Kontemplation. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Elektromobilität verloren gegen Benzin und Diesel – nur Seine Majestät der Kaiser hätte das Blatt noch wenden können, wenn er klug gewesen wäre wie Minister Gabriel und vorausschauend wie Ministerin Hendricks. Stattdessen verdarb er jede CO2-Bilanz mit seinen Panzern und Giftgas und rauchenden Kanonen in Ost und West.

Und die Entwicklung von Stromspeichern blieb bis heute im wesentlichen stecken, man fährt nach wie vor monsterschwere Akkus durch die Botanik mit allerlei fiesen Stoffen darin, und wenn der Wind auffrischt, kommt schlechte Luft aus der Ukraine zu uns und verdirbt das ganze schöne gerettete Klima. Es ist zum Heulen, dass die Politik in Deutschland nicht mal ihr eigenes verqueres Denken auf die Straße bringen kann, mit Erziehung zur Nicht-Plastiktüte und zum Nicht-Auto bleibt sie stecken im Morast des Subventionsdschungels, der wächst und gedeiht, wie man es nur dem Regenwald wünschen würde, den wir bald bekommen, wenn das Wetter so bleibt. Aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens scheint es kaum glaubhaft, dass die Lobby der überaus erfolgreichen Autoindustrie in Berlin vorstellig wurde, um Prämien zu ergattern – es wäre logischer, man hätte seitens der Hersteller der Regierung eine Prämie dafür angeboten, wenn sie auf den ganzen Elektroschrottgedanken verzichtet. Denn nun wird ja irgendwie erwartet, dass man die E-Autos ernsthaft entwickelt, und da braucht man genormte Ladestationen, Elektriker, die umrüsten zu Hause, und rauchende Schlote zur Batterieproduktion, vorzugsweise in China. Und viele Kunden, die das nötige Kleingeld für ein teures Hobby mitbringen wollen.

Ach, so richtig genial wäre eigentlich nur die Verbindung der Kauf- mit der Abwrackprämie gewesen, denn die Entsorgung der giftigen Batterien wird auch mal ein Thema. So wie die deutsche Plastiktüte ja offenbar eigenständig ihren Weg in ferne Meere findet, wenn die Bundesregierung nicht eingreift, werden Elektroautos dereinst wohl zu Sondermüll. Gibt es die E-Auto-Prämie eigentlich auch für Golfcaddys? Man könnte ins Grübeln kommen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Regierungsbildung in Thüringen: Dies ist ein bitterer Tag für die Demokratie

Dieses Ergebnis ist ein Dammbruch. Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten hat gezeigt, dass CDU und FDP den Wählerauftrag nicht verstanden haben. Gemeinsam mit Stimmen der AfD haben sie die Wiederwahl Bodo Ramelows verhindert. FDP und CDU werden damit zum Steigbügelhalter der rechtsextremen

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu