Wirtschaftliches Denken ist eine Metapher, die wir gerne überdehnen. John Lanchester

Der Dschungel wächst

Ach, es gibt so viele Fragen zur Elektomobilität im Straßenverkehr, die uns ja seit neuestem die Lösung aller diesbezüglichen Fragen bringen soll. Wie kommt es, dass ein kauziger amerikanischer Milliardär Elektroautos baut, von denen die Kundschaft viel mehr haben will, als er liefern kann? Und warum hinken die übrigen Autobauer derart hinterher? Und wie reagiert der bundesdeutsche Vorsorgestaat?

Der bundesdeutsche SPD-Wirtschaftsminister möchte Prämien – Geld des Steuerzahlers! – an künftige E-Autofahrer verteilen, damit diese Vehikel überhaupt gekauft werden. Vielleicht gekauft werden muss, besser gesagt. Denn auch mit 2.000 Euro Zuschuss vom Staat (danke, Staat!) und 2.000 vom Händler (angeblich) bleiben deutsche Produkte, die mehr als hundert Jahre Zeit zur Reife hatten, teuer, teuer und nochmals teuer. Und dann meist hässlich. Und schwer. Und umweltfreundlich nur, wenn man die Chose schönrechnet oder einfach zugibt, was jeder eigentlich wei?: Dass für die Produktion und Stromversorgung der seltsamen Vehikel eigentlich wieder die gute alte Kernkraft gebraucht würde, damit die Ökobilanz halbwegs stimmt.

Derweil zieht die Familie, so sie es sich leisten kann, wie einst mit dem Käfer über die Alpen in den Urlaub und legt Rast ein in einem Ausmaß, dass es den ADAC erstaunen dürfte. Stunde um Stunde an der Ladestation wie in den schönsten Zeiten von Muße und Kontemplation. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Elektromobilität verloren gegen Benzin und Diesel – nur Seine Majestät der Kaiser hätte das Blatt noch wenden können, wenn er klug gewesen wäre wie Minister Gabriel und vorausschauend wie Ministerin Hendricks. Stattdessen verdarb er jede CO2-Bilanz mit seinen Panzern und Giftgas und rauchenden Kanonen in Ost und West.

Und die Entwicklung von Stromspeichern blieb bis heute im wesentlichen stecken, man fährt nach wie vor monsterschwere Akkus durch die Botanik mit allerlei fiesen Stoffen darin, und wenn der Wind auffrischt, kommt schlechte Luft aus der Ukraine zu uns und verdirbt das ganze schöne gerettete Klima. Es ist zum Heulen, dass die Politik in Deutschland nicht mal ihr eigenes verqueres Denken auf die Straße bringen kann, mit Erziehung zur Nicht-Plastiktüte und zum Nicht-Auto bleibt sie stecken im Morast des Subventionsdschungels, der wächst und gedeiht, wie man es nur dem Regenwald wünschen würde, den wir bald bekommen, wenn das Wetter so bleibt. Aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens scheint es kaum glaubhaft, dass die Lobby der überaus erfolgreichen Autoindustrie in Berlin vorstellig wurde, um Prämien zu ergattern – es wäre logischer, man hätte seitens der Hersteller der Regierung eine Prämie dafür angeboten, wenn sie auf den ganzen Elektroschrottgedanken verzichtet. Denn nun wird ja irgendwie erwartet, dass man die E-Autos ernsthaft entwickelt, und da braucht man genormte Ladestationen, Elektriker, die umrüsten zu Hause, und rauchende Schlote zur Batterieproduktion, vorzugsweise in China. Und viele Kunden, die das nötige Kleingeld für ein teures Hobby mitbringen wollen.

Ach, so richtig genial wäre eigentlich nur die Verbindung der Kauf- mit der Abwrackprämie gewesen, denn die Entsorgung der giftigen Batterien wird auch mal ein Thema. So wie die deutsche Plastiktüte ja offenbar eigenständig ihren Weg in ferne Meere findet, wenn die Bundesregierung nicht eingreift, werden Elektroautos dereinst wohl zu Sondermüll. Gibt es die E-Auto-Prämie eigentlich auch für Golfcaddys? Man könnte ins Grübeln kommen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Reinhard Schlieker: Uber-Eifer schadet nur

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