In Maßen, nicht Massen

Reinhard Lahme1.09.2010Gesellschaft & Kultur

1,3 Millionen Alkoholiker in Deutschland können nicht irren: Alkohol sollte stärker besteuert werden. Denn wer seinen Konsum auf 12 bis 24 Gramm Alkohol reduziert, lebt länger und gesünder. Wer wissen will, wie’s geht, muss in die Schweiz blicken.

Trinken Sie ruhig weiter, wenn Sie als erwachsene Frau täglich nicht mehr als 12 g und als erwachsener Mann nicht mehr als 24 g reinen Alkohol konsumieren. Denn dann sind Sie, laut BMG-Forschungsauftrag, nur an der obersten Grenze der Gruppe mit einer risikoarmen Konsummenge (Jahrbuch Sucht 2010, DHS). Wenn sich ab jetzt alle erwachsenen Deutschen danach richten würden, wäre die Suchthilfe wie auch die Suchtselbsthilfe trotzdem noch Jahre damit beschäftigt, die 1,3 Millionen Alkoholkranken in Deutschland “abzuarbeiten”, die ein abstinentes Dasein lernen müssen, wenn sie gut durchs Leben kommen wollen. So gesehen würden durch ein genussvolles Trinken in den genannten Mengen die Arbeitsplätze in der Suchthilfe verträglich abgebaut. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Suchtselbsthilfe wären lernfähig, auch mit den noch verbleibenden anders Süchtigen, die dann wahrscheinlich vermehrt in der Gesellschaft auftreten würden, umzugehen. Keine Langeweile käme auf. Nun ist es aber so, dass etwa 9,5 Millionen der deutschen erwachsenen Bevölkerung missbräuchlich alkoholische Getränke zu sich nehmen. Die dadurch entstehenden und entstandenen gesundheitlichen Schäden sind enorm und ihre Behandlung (8,4 Mrd. Euro –JBS2010, DHS) wird von den Krankenkassen bezahlt, sprich: auch von denen, die alkoholabstinent leben oder den obigen Maßstab einhalten.

Zahlen wir doch drauf

Um die Zahl von 9,5 Millionen zu reduzieren, könnte eine Kostensteigerung (deutsche Alkoholsteuern liegen unter dem EU-Durchschnitt) von Alkoholika helfen, ähnlich wie bei der Verteuerung der Alkopops. Denn aus früheren Jahrhunderten wissen wir, dass alkoholische Getränke für Otto Normalverbraucher unerschwinglich waren und nur bei Ritualen und besonderen Festen getrunken wurden, sodass dadurch bedingt nur ein geringes Suchtrisiko bestand. Dass Alkoholverteuerung auch heute nützlich sein kann, diese Erfahrung hat bereits die Schweiz gemacht. Auch hierin kann die Schweiz uns Vorbild sein, die von der Alkoholsteuer seit Jahrzehnten Gelder für die Suchtprävention und Suchtbehandlung bereitstellt. Gerade in der Suchtprävention erfahren wir als Blaues Kreuz in unseren Jugend- und Streetwork-Einrichtungen, dass Mittel der Jugendhilfe gekürzt, dafür aber an nicht so “überlebenswichtigen” Positionen wie Kultur erhöht werden. Suchtprävention soll helfen, die Lebensprobleme ohne Alkohol oder andere Suchtmittel bewältigen zu können, soll lebensstark machen und zu einem genussvollen Leben verhelfen, von uns aus auch mit alkoholischen Getränken in den oben genannten Mengen.

Gönnen wir uns etwas Gutes

Sollte die Alkoholsteuer drastisch erhöht und damit Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe besser finanziert werden, dann wird dies einen Dominoeffekt auslösen: Die neuen Erwachsenen würden lebensstark und weniger suchtkrank; die Suchtkranken würden weniger, weil ihnen eher und mehr geholfen werden könnte – mindestens die jetzigen Zuzahlungen an die Krankenkassen könnten sofort wieder wegfallen und sie würden trotzdem schwarze Zahlen schreiben, weil die Folgekosten des missbräuchlichen und süchtigen Trinkens sich reduzieren würden; der Arbeitgeber könnte sich montags freuen, dass alle Arbeitnehmer pünktlich da wären und er keine Ausfälle hätte wegen Suchtmittelmissbrauchs am Wochenende – wir Deutschen würden gesünder, lebensfroher und damit zufriedener. Wer wünscht sich das nicht?

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