Papiertiger im Reich der Mitte

von Reinhard Bütikofer7.06.2011Außenpolitik, Wirtschaft

Noch hat China ein de-facto Monopol auf viele seltene Metalle, doch das könnte sich ändern. Nicht nur ist ein Klage der WTO anhängig, auch neue Rohstoffquellen außerhalb Chinas werden erschlossen. Bis dahin wird das Thema Recycling immer wichtiger.

Bis vor etwa einem Jahr hatte das Thema Seltene Erden (SE) nur in Fachkreisen für Aufregung sorgen können. Berichte über eine Verknappung derselben haben die Öffentlichkeit seither aber alarmiert, gelten diese 17 Elemente doch als unverzichtbar für die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen, hochtechnologisierten grünen Wirtschaft. Viele der heutigen kohlenstoffarmen Technologien sind von der Verwendung von Seltenen Erden abhängig. Terbium etwa senkt den Bedarf an Elektrizität von Beleuchtungskörpern um 80%, während Dysprosium das Gewicht von Magneten in Elektromotoren reduziert.

Hohe Nervosität

China produziert derzeit mehr als 95% der SE und verfügt damit über ein de facto Monopol. Beijing beschränkt jedoch den Export von SE ins Ausland in zunehmendem Maße, da die chinesische Wirtschaft inzwischen den Löwenanteil der heimischen Produktion beansprucht. Der steigende Bedarf lässt sich auf den Versuch chinesischer Hersteller zurückführen, die Wertschöpfungskette weiter nach oben zu klettern. Ein ökologisches Umdenken in der chinesischen Bergbauindustrie wird ebenfalls angeführt, und in der Tat birgt der Abbau große Risiken für die Umwelt. So dringen radioaktive Stoffe an die Erdoberfläche; unfruchtbare Landstriche bleiben zurück und das Leben der lokalen Bevölkerung wird massiv beeinflusst. Der sinkende Export hat in den industrialisierten Staaten eine hohe Nervosität ausgelöst. Auch auf politischer Ebene ist das Problem angekommen. Die EU, USA und Mexiko haben bereits bei der WTO Klage gegen China und dessen Exportbeschränkungen bei 9 Rohstoffen eingereicht – mit Erfolg. Rechtliche Schritte gegen Chinas Exportbeschränkungen bei SE werden erwogen. Andererseits werden mehr und mehr Vorkommen außerhalb Chinas erschlossen. Mehrere Länder verfügen über SE. Aber es ist fraglich, ob das Angebot die weltweite Nachfrage langfristig decken kann. Diese steigt mit der Entwicklung von Öko-High-Tech sehr schnell. Selbst China könnte bereits in wenigen Jahren ein Nettoimporteur von SE sein.

Recycling wird wichtiger

Somit wird das Thema Recycling immer wichtiger. Japan ist Vorreiter auf diesem Gebiet. Industriegiganten wie Hitachi haben erfolgreich neue Technologien zur Extraktion von SE aus alten Computerfestplatten erforscht. Eine regierungsnahe Forschungseinrichtung fand heraus, dass alte benutzte Elektronikgegenstände in Japan insgesamt um die 272.000 Tonnen SE beinhalten. Bei einem gegenwärtigen Importvolumen von 30.000 Tonnen pro Jahr könnte Japan somit fast 10 Jahre seines Eigenbedarfs decken. In Punkto Recycling läuft die EU der Entwicklung momentan noch hinterher. In der letzten Mitteilung der Kommission wurde der Recyclingaspekt bei SE gar nicht erst erwähnt. Im Auftrag der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament fand das Öko-Institut heraus, dass aber eine Strategie zum Recycling SE sehr wohl möglich ist. Mehr F&E-Projekte und wirtschaftliche Anreize zur Steigerung der Attraktivität von Recycling müssen entwickelt werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die Einrichtung eines Kompetenznetzwerkes zu SE, welches die beteiligten Akteure zusammen an einen Tisch bringt, um über die Mittel und Wege zu diskutieren, Recycling von SE zu steigern. Mit einer Recyclingstrategie für diese kritischen Rohstoffe kann die EU aus der Herausforderung eine wirtschaftliche Chance machen. Allons enfants!

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