Vergesst die Alten nicht

von Reimer Gronemeyer6.06.2011Gesellschaft & Kultur

Demenz wird zu einer der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten. Umso wichtiger, dass wir jetzt in den Dialog treten und darüber beraten, was zu tun ist. Ein erster wichtiger Schritt muss sein, die Stigmatisierung des Krankheitsbilds aufzuheben.

Demenz entwickelt sich vor unseren Augen zu der bedeutenden sozialen, politischen, ökonomischen und humanitären Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Das ist von den Bürgerinnen und Bürgern, ist in den Kommunen, ist in Deutschland und in Europa häufig noch nicht begriffen worden. Es genügt nicht, dass Kommunen ein paar „Maßnahmen“ ergreifen, um die “Versorgung von Menschen mit Demenz(Link)”:http://www.theeuropean.de/stefan-gaertner/6656-der-gute-tod-von-gunter-sachs zu verbessern. Die Demenz fragt uns dringlich nach einem Neuanfang in den sozialen Beziehungen der modernen Bürger untereinander. Wollen wir Menschen mit Demenz abschieben, versorgen lassen oder sogar „entsorgen“? Oder wollen wir sie als Aufforderung begreifen, nach neuen Wegen, nach einer neuen Sozialität, nach einer neuen Kultur des Helfens zu suchen?

Hilfe durch Dialog

Angeregt von diesen Entwicklungen will unsere von der Robert Bosch Stiftung geförderte bürgerschaftliche Initiative die Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz vor allem durch zivilgesellschaftlichen Dialog verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufhebung der Stigmatisierung des Themas. Es sollen Bürger gewonnen werden, die auf das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen hinwirken wollen und für mehr gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen eintreten. Das Ziel ist, einen Bewusstseinswandel anzustoßen. Die Medikalisierung der Demenz muss durch ein Stück „Resozialisierung“ des Phänomens aufgefangen und korrigiert werden. Angesichts spürbar zunehmender Belastungen muss außerdem zur Kenntnis genommen werden, dass schon heute von Angehörigen, Nachbarn, Freunden und Freiwilligen eine bedeutende kulturelle und soziale Leistung erbracht wird. Ohne die Politik aus ihrer diesbezüglichen Verantwortung zu entlassen, ist festzustellen, dass eine wirkliche Verbesserung der Situation nur dann gelingen kann, wenn in den “Städten und Gemeinden(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/4346-herausforderung-megacities Formen einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme entwickelt und gelebt werden. Dies hat uns zur Forderung nach „Demenzfreundlichen Kommunen“ veranlasst: Gemeint sind damit Gemeinwesen, in denen es sich mit und für Menschen mit Demenz und ihren Familien gut leben lässt und in denen Teilhabe gelebte Wirklichkeit ist. Der Begriff Kommune dient hier als Sammelbegriff für Städte, Dörfer, Nachbarschaften und Gemeinschaften. Die Kommune ist der Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger, politische Entscheidungsträger sowie andere vor Ort befindliche gesellschaftliche Akteure ihr Gemeinwesen ein Stück weit neu erfinden müssen. Durch Aufklärungsarbeit, gezielte Aktionen und Veranstaltungen, Austausch zwischen den Generationen und Professionen, nachbarschaftliche Hilfe und bürgerschaftliches Engagement soll es gelingen, in Deutschland und anderswo „Demenzfreundliche Kommunen“ zu schaffen.

Sich der Herausforderung stellen

Mit dem Aufruf dazu ist es gelungen, an einer Reihe von Orten regionale Initiativen anzuregen oder bereits vorhandenes Engagement zu identifizieren. Es ist dabei nicht unsere Absicht, eine allgemeingültige Antwort zu geben, wie eine demenzfreundliche Kommune aussieht und wie sie zu erreichen ist. Es geht darum, zu eigenen kreativen und passgenauen Ideen anzuregen und zu verdeutlichen, dass Kommunen, die sich der Herausforderung Demenz stellen, an einer lebenswerteren Zukunft für alle Bürgerinnen und Bürger arbeiten. _Unterstützen auch Sie den Esslinger Aufruf! In unserer Kommune – gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz. (Online unter “www.aktion-demenz.de(Link)”:http://www.aktion-demenz.de)._

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