Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Rainer Zitelmann2.12.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Das Marktforschungsinstitut GfK hat 2.000 Frauen und Männer zwischen 18 und 74 Jahren repräsentativ befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Sexleben sind – qualitativ und quantitativ. Das Ergebnis: Was die Qualität betrifft (“Ich habe schönen/guten Sex”) geben die Deutschen ihrem Sexleben im Durchschnitt eine 2,9. 38 Prozent, haben eine 1 oder 2 vergeben. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen waren vergleichsweise gering.

Interessant ist: Größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind die Unterschiede, wenn man die Ergebnisse auf Einkommensgruppen herunter bricht. Während Befragte mit unter 1.000 Euro im Monat nur zu 26 Prozent von sich sagen können, dass sie guten oder sehr guten Sex haben, sind es in der Einkommensgruppe ab 2.500 Euro 44 Prozent. Ein Unterschied von immerhin 18 Prozentpunkten zugunsten der Besserverdiener, die zufriedener mit ihrem Sexleben sind.

Personen mit höherem Sozialstatus haben häufiger attraktivere Partner

Für Wissenschaftler wäre es interessant herauszufinden, was die Ursachen für diese großen Unterschiede sind. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass besser Verdienende auch bessere Chancen bei der Partnerwahl haben und eher die Möglichkeit haben, einen gut aussehenden und damit sexuell attraktiveren Partner zu finden. Der Zusammenhang zwischen höherem Sozialstatus und der Chance, einen attraktiveren Partner zu finden, wird durch eine Studie belegt:

Der Sozialwissenschaftler Reinhard Schunck ging 2017 in einer wissenschaftlichen Untersuchung der Frage nach, ob sich bei Partnerschaften in Deutschland Belege für einen Austausch von sozio-ökonomischem Status gegen physische Attraktivität finden lassen. Ausgehend von theoretischen Überlegungen wurden drei teilweise konkurrierende Hypothesen aufgestellt: Erstens, in Partnerschaften wird sozio-ökonomischer Status gegen physische Attraktivität getauscht und zwar sowohl von Männern als auch von Frauen. Zweitens, in Partnerschaften zeigen sich geschlechtsspezifische Austauschmuster. Es wird vor allem männlicher sozio-ökonomischer Status gegen weibliche Attraktivität getauscht. Drittens, es findet kein Austausch von sozio-ökonomischem Status und physischer Attraktivität statt. Stattdessen führt Statushomogamie zu einer (Schein‑)Korrelation zwischen dem Status des einen Partners und der physischen Attraktivität des anderen Partners, weil statushohe Personen physisch attraktiver sind.

Diese Hypothesen wurden mit repräsentativen Daten des ALLBUS (2008, 2010, 2012, N = 6732) und einer direkten Messung physischer Attraktivität geprüft. Die multivariaten Analysen (lineare Regressionsmodelle mit Interviewer-Fixed-Effects) sprechen dafür, dass in statusheterogamen Partnerschaften ein Austausch von Attraktivität gegen Status stattfindet. Je mehr Status der Partner im Vergleich zur befragten Person hat, desto attraktiver ist diese. Wird Bildung als Dimension des sozio-ökonomischen Status betrachtet, zeigen sich geschlechtsspezifische Muster. Bei weiblichen Befragten ist der Zusammenhang zwischen ihrer Attraktivität und der Bildung ihres Partners stärker als bei männlichen Befragten. Wird der International Socio-Economic Index (ISEI) als Dimension des sozio-ökonomischen Status betrachtet, weisen die Ergebnisse für Männer und Frauen gleichermaßen auf einen Austausch von Status gegen Attraktivität hin.

Eine neue „soziale Ungerechtigkeit“?

Heute werden in der politischen Diskussion ja Ungleichheiten aller Art sehr schnell als Erscheinungsformen „sozialer Ungerechtigkeit“ gewertet. Daraus werden dann regelmäßig Forderungen abgeleitet, wie diese Ungleichheiten beseitigt werden könnten. Wer weiß, wann die ersten Grünen oder Linken fordern, dass der Staat eingreifen müsse, damit die „Ungerechtigkeit“, dass Besserverdiener besseren Sex haben, durch staatliche Maßnahmen zur Förderung der Chancen von Geringverdienern oder zur Begrenzung der Chancen von Besserverdienern beseitigt wird.

Aus meiner Sicht bestätigt die Befragung nur, dass der Spruch „Geld allein macht nicht glücklich“ zu oberflächlich ist. Natürlich macht Geld allein nicht glücklich, aber mehr Einkommen führt nachgewieserweise beispielsweise zu besserer Gesundheit und einer deutlich höheren Lebenserwartung. Unterteilt man das Einkommen in seiner Spannbreite in fünf Gruppen von arm bis reich, dann liegt der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe bei Männern bei 10,8 Jahren, bei Frauen bei 8,4 Jahren.

Und wer besser verdient hat eben auch, wie die beiden oben zitierten Studien belegen, bessere Möglichkeiten einen attraktiveren Partner zu finden und ist zufriedener mit seinem Sexleben.

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