Antikapitalismus und Sozialneid in Frankreich am stärksten

Rainer Zitelmann25.01.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Weltweit ist das Misstrauen gegen die Superreichen besonders hoch.

Eine aktuelle Befragung von 34.000 Personen („Edelman Trust Barometer) in 28 Ländern zeigt das Misstrauen gegen den Kapitalismus und gegen Superreiche. Der Aussage, „Capitalism as it exists today does more harm than good in the world“ stimmen weltweit 56 Prozent der Befragten zu. Von den entwickelten Ländern ist das Misstrauen gegen den Kapitalismus mit Abstand am höchsten in Frankreich, wo 69 Prozent der Befragten die Aussage unterstützen, der Kapitalismus richte mehr Schaden als Nutzen in der Welt an. Am positivsten zum Kapitalismus stehen die Japaner – hier ist die Zustimmung zu dieser Aussage nur halb so hoch wie in Frankreich (35 Prozent).

Blickt man auf Europa, ist die Kapitalismuskritik in den Südländern ausgeprägter als in Großbritannien. Während in Italien und Spanien 61 bzw. 60 Prozent den Kapitalismus ablehnen, sind es in Großbritannien 53 Prozent. In Deutschland sehen 55 Prozent der Befragten den Kapitalismus kritisch, in den USA und Kanada sind es 47 Prozent.

Weniger Unterschiede als man vielleicht erwarten könnte, gibt es, wenn man auf die verschiedenen Einkommensgruppen schaut. Besserverdienende sehen den Kapitalismus nicht weniger kritisch als Geringverdiener. In der weltweiten Befragung zeigten sich 55 Prozent der Personen aus dem untersten Einkommensquartil kapitalismuskritisch, im obersten Einkommensquartil waren es sogar zwei Prozentpunkte mehr (57 Prozent).

Misstrauen gegen die Superreichen

Weltweit ist das Misstrauen gegen die Superreichen besonders hoch. Nur 36 Prozent der Befragten vertrauen laut der Edelman-Umfrage den Superreichen („the very wealthy“). Damit bilden Superreiche das Schlusslicht der Befragung. Das Vertrauen in sie liegt sogar noch sechs Prozentpunkte niedriger als das in politische Führer („Government leaders“) und ist nur halb so groß wie in „People in my local community“ (69 Prozent). Journalisten genießen mit 50 Prozent immerhin 14 Prozentpunkte mehr Vertrauen als die Superreichen.

Eine andere Befragung, die die Meinungsforschungsinstitute Ipsos MORI und Allensbach in den USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien für die Studie „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ durchgeführt haben http://die-gesellschaft-und-ihre-reichen.de/, zeigt, dass Sozialneid und eine negative Einstellung zu reichen Menschen in Frankreich am stärksten ausgeprägt sind. Der „Sozialneid-Koeffizient“, der das Verhältnis zwischen Menschen mit hoch und mit gering ausgeprägtem Sozialneid in den vier Ländern vergleicht, war in Frankreich mit 1,26 am höchsten. Das heißt, dass es in Frankreich mehr Menschen (34%) mit hoch ausgeprägtem Sozialneid als solche mit gering ausgeprägtem Sozialneid (27%) gibt. In Deutschland betrug der Koeffizient 0,97 – das Verhältnis von Neidern (33 Prozent) und Nichtneidern (34 Prozent) ist hier also ausgeglichen. In den USA und Großbritannien liegt der Koeffizient dagegen bei 0,42 bzw. 0,37, was heißt, dass es dort wesentlich weniger Menschen mit hoch ausgeprägtem Sozialneid gibt (20% USA, 18% Großbritannien) und deutlich mehr Menschen mit gering ausgeprägtem Sozialneid (USA 48%, Großbritannien 49%). http://die-gesellschaft-und-ihre-reichen.de/leseproben/s-262-265/

Kapitalismus und Reiche als Sündenböcke

Die Ergebnisse der zwei Befragungen zeigen, dass es Medien und politischen Eliten gelungen ist, den Kapitalismus und die Superreichen zu Sündenböcken für politische Fehlentwicklungen zu machen. Denn die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: Gerade in den vergangenen Jahrzehnten war der Kapitalismus weltweit besonders erfolgreich und hat das Leben von mehr als einer Milliarde Menschen verbessert. Noch vor 200 Jahren, als der Kapitalismus gerade erst in einigen Ländern entstand, lebten weltweit 90 Prozent der Menschen in extremer Armut. Heute sind es nur noch 10 Prozent. Bemerkenswert: Fast die Hälfte des Rückgangs erfolgte in den letzten 35 Jahren. Allein in China ging der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben Dank der Einführung von Privateigentum und Marktwirtschaft von 88 Prozent (1981) auf weniger als ein Prozent zurück.

 

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