Linke Demo gegen Reiche mit der Guillotine

Rainer Zitelmann1.05.2019Innenpolitik

Heute findet eine Demo in Berlin-Friedrichshain unter dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen!“ statt. Das Plakat, das zur Teilnahme aufruft, zeigt eine Guillotine.

Zu Recht war die Empörung groß, als rechtsextreme Pegida-Demonstranten einen für Angela Merkel oder Sigmar Gabriel bestimmten Galgen bei ihrer Demonstration mitführten. Damals wurde das in den tagesthemen und allen Medien breit und kritisch kommentiert.

Und heute? Heute wird für die Revolutionäre 1.Mai-Demo in Berlin „Gegen die Stadt der Reichen“ mit der Guillotine geworben. Mit der Guillotine wurden in der Französischen Revolution zahlreiche Menschen hingerichtet, beispielsweise auch der französische König Ludwig XVI. Vor genau einem Jahr wurde auf der linken Demonstration am Vorabend des 1. Mai ein Plakat mit der Aufforderung „Kill your landlord“ mitgeführt, also ein Mordaufruf gegen Vermieter. Gegen Immobilieneigentümer richtet sich auch diesmal der Hass.

Im Gegensatz zum Galgen bei der Pegida-Demo habe ich aber noch kein einziges Statement eines Politikers gehört, das die Werbung für eine Ant-Reichen-Demo mit der Guillotine verurteilt hätte. Wenn Linksextreme das Gleiche tun wie Rechtsextreme dann ist es eben etwas anderes.

Nachspiel zum menschenfeindlichen „Stern-Witz“

Wieder einmal wird mit zweierlei Maß gemessen. Ich hatte erst gestern darauf aufmerksam gemacht, dass sich in der aktuellen Ausgabe des „Stern“ dieser „Witz“ findet: Man sieht zwei Damen in einem Café. Die eine sagt stolz zur anderen: „Mein Sohn ist im Vorstand eines Berliner Wohnkonzerns.“ Erwidert die andere: „Schade, dass es damals noch keine Fruchtwasseruntersuchungen gab.“ Der Immobilienverband Deutschlands hat inzwischen gegen den STERN Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt:

„Vorstände von Wohnkonzernen werden mit dieser Karikatur pauschal stigmatisiert. Der Hinweis auf die Fruchtwasseruntersuchung impliziert die Entscheidung zwischen lebenswürdigem und lebensunwürdigem Leben und dass die Vorstände zu letzterem gehören. In Konsequenz – diese Interpretation erlaubt der Autor – wäre Abtreibung diese bessere Lösung. Gegen diese Darstellung legen wir Beschwerde ein. Aus unserer Sicht ist dies kein seriöser und kritischer Journalismus. Es ist geschmacklos und nicht witzig. Auch wenn Vorstände keine Minderheit im Sinne des §1 AGG ist, heißt es nicht, dass sie keine Rechte haben. Vorstände sind hier Adressat einer Kollektivbeleidung. Schon jetzt erhalten diese Vorstände Morddrohungen, umgeben sich mit privatem Personenschutz und deren Autos werden in Brand gesteckt. Mit dieser Karikatur fühlen sich die Täter bestätigt.“

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