Dutschke, Robin Hood, Camus | The European

Robert Habecks Vorbilder

Rainer Zitelmann27.04.2019Innenpolitik

Beim Brigitte-Talk zählt Robert Habeck seine Vorbilder auf. Bezeichnend ist, dass darunter weder ein Demokrat noch ein Marktwirtschaftler ist. Und alle drei hatten, vorsichtig ausgedrückt, zumindest ein problematisches Verhältnis zum Rechtsstaat.

c619eb1360.jpeg

Foto: © Nadine Stegemann

“Ansgar Graw berichtet in der „Welt“ von einer Veranstaltung der Zeitschrift „Brigitte“ mit dem Grünen-Chef Robert Habeck”:https://www.welt.de/politik/deutschland/article192482835/Robert-Habeck-im-Brigitte-Talk-Ist-das-Land-bereit-fuer-einen-maennlichen-Kanzler.html.

In dem Bericht heißt es:

“Die Fragen sind freundlich, sehr freundlich. Habeck bekommt Raum, um sich sympathisch zu präsentieren, nachgebohrt wird nicht. Etwa als er anbietet, drei Vorbilder zu benennen, und dann zählt er auf: Erstens Robin Hood (auf der Basis eines Disney-Films, den Habeck mit sechs Jahren sah). Zweitens: Albert Camus, dessen ‚Mythos des Sisyphos’ (den wir uns bekanntlich ‚als einen glücklichen Menschen vorstellen’ müssen) er mit ungefähr 16 Jahren las und der ihn dazu brachte, Philosophie zu studieren: ‚Aber als Philosophen würde ich mich deshalb nicht betrachten.’ Und drittens mit Blick auf die 68er: ‚Den Mut von Rudi Dutschke, der war prägend für mich in einer Zeit, in der ich Mut gesucht habe – aber ohne diesen ganzen Mao-Quatsch!’ Und dann erschrickt Habeck vor seinem Mut und bittet: ‚Aber jetzt nicht daraus machen, Dutschke wäre mein Vorbild!’ Nanu, hatte er das nicht gerade gesagt? Nachgefasst wird leider nicht.“

Offenbar kam niemand auf der Veranstaltung auf die Idee zu fragen, warum ihm keine Vorbilder eingefallen seien, die für Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft sind. Kritisiert wurde lediglich, dass keine Frau unter seinen Vorbildern sei. Vermutlich wären alle zufrieden gewesen, wenn er beispielsweise Rosa Luxemburg angeführt hätte.

Auffallend ist:

– Keiner der drei Genannten war Anhänger der Marktwirtschaft.

– Keiner der drei Genannten steht für die parlamentarische Demokratie

– Alle hatten zumindest, um es vorsichtig zu sagen, ein schwieriges Verhältnis zum Rechtsstaat.

Albert Camus war zunächst Mitglied der Kommunistischen Partei, wurde aber später ein Kritiker des Stalinismus und Anarchosyndikalist. Er war gegen die parlamentarische Demokratie. Wirtschaftlich gesehen trat er für ein System ein, in dem die Produktionsmittel in den Händen der Gewerkschaften liegen. Er wünschte sich eine „internationalistische Ökonomie, in der die Rohstoffe verstaatlicht werden, der Handel kooperativ organisiert und die kolonialen Absatzmärkte allen zugänglich gemacht werden und das Geld selbst Kollektivstatus erhält.“

Rudi Dutschke, Anführer der Studentenbewegung, war Marxist und als Anhänger einer revolutionären Rätedemokratie Gegner der parlamentarischen Demokratie. Die soziale Marktwirtschaft bekämpfte er und trat für den Sozialismus ein, der sich allerdings von dem russischen Modell unterscheiden sollte. Mit Gaston Salvatore übersetzte er Che Guevaras Schrift Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnams ins Deutsche und schrieb ein Vorwort dazu. Der Revolutionär Che Guevara, der nach einer Reise nach Nordkorea das dort herrschende kommunistische System als Vorbild für Lateinamerika bezeichnete, ist für die Ermordung von Hunderten politischen Gegnern und die Einrichtung von Arbeitslagern verantwortlich.

Robin Hood war im 13. Jahrhundert ein in England gebräuchlicher Spitz- oder Beiname, der synonym für „Gesetzesbrecher“ benutzt wurde. Teilweise wird Robin Hood in der Überlieferung als Wegelagerer dargestellt, der vorzugsweise Geistliche und Adlige ausraubt. Später steht er für den Sozialrevolutionär. In dem Film, auf den sich Habeck bezieht, ist Robin Hood ein Räuber, der das geraubte Geld an die Armen verteilt.

Zu Habecks Einschränkung: Klar, bei Vorbildern muss man nicht alles teilen. Aber auch der mutige Revolutionär Dutschke („ohne Mao“) bleibt ein Marxist, ein Gegner von Marktwirtschaft, parlamentarischer Demokratie und Rechtsstaat.

Ich denke, am ehesten kann Habeck sich mit der Figur aus dem Kinderfilm identifizieren, den er mit sechs Jahren gesehen hat. Habeck würde sich wohl auch in dieser Rollen gefallen: Die Kapitalisten enteignen und das Geld im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ an die Arbeiter, an die Armen und vor allem natürlich an die eigene Klientel verteilen. Viele Deutsche können sich Habeck laut Umfragen als Bundeskanzler vorstellen. Und das muss nicht so weit entfernt sein. Grüne, SPD und Linke kämen derzeit laut Umfragen auf 45 bis 46 Prozent. Noch zwei oder drei Prozent mehr – und dann würde es für eine Rot-rot-grüne Regierung reichen. Und ich denke, Habeck wäre lieber Bundeskanzler mit einer Vizekanzlerin Andrea Nahles als selbst Vizekanzler unter AKK.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland verspielt außenpolitisches Vertrauen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verändert die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas. Der russische Angriffskrieg zwingt die NATO und die EU dazu, die Bewahrung von Frieden und Freiheit in dem Teil Europas, in dem wir das große Glück haben zu leben, wieder zur vorrangigen politischen Priorit

Stirb, weil Du den Islam kritisierst

Nach dem Attentat auf den Salman Rushdie ist die westliche Intellektuellenszene schockiert. Viele Schriftsteller und Karikaturisten haben schiere Angst, dass auch sie von den Schergen Irans verfolgt werden, sollten sie etwas Islamkritisches veröffentlichen. Ein Klima der Furcht und Selbstzensur bre

Woke sein ist ok – wenn man es denn wirklich ist!

Der rechtskonservative Kongress in Texas, bei welchem unter anderen auch der ungarische Ministerpräsident Orbán eine Rede gehalten hat – hat deutlich gezeigt, dass die Rechtspopulisten etwas geschafft haben, wozu die gesellschaftspolitische Linke nicht im Geringsten in der Lage ist: eine globale

Mehrheit will keine Maskenpflicht mehr

In den vergangen beiden Jahren 2020 und 2021 war der Kampf gegen die Corona-Pandemie das maßgebliche Thema. Die Mehrheit der Bürger sprach sich für strenge Maßnahmen aus. Im laufenden Jahr hat aber nicht nur die Angst um den Frieden in Europa, sondern auch um die Versorgung mit Energie - beides

Der CumEx-Kanzler bald Ex-Kanzler?

Olaf Scholz wird mit voller Wucht von einem alten Skandal eingeholt. Die Details der Hamburger Finanzaffäre werden immer brisanter. Dabei sind die Umfragen für den Kanzler wie für die SPD ohnedies miserabel. Die Linkspartei sieht Scholz schon stürzen. Tatsächlich ist die Ampelregierung alles an

Merkel vor Kohl: So werden die Kanzler seit der Wiedervereinigung bewertet

Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition. Wenn man heute fragt, welcher Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung die Interessen Deutschlands am besten vertritt oder dies getan hat, belegt Alt-Kanzlerin Angela Merkel (38 Proz

Mobile Sliding Menu