SAP-Gründer Hopp würde 80% Steuern zahlen

von Rainer Zitelmann10.03.2019Wirtschaft

Das Vermögen von Dietmar Hopp ist laut Forbes allein in den vergangenen zwölf Monaten um 3,2 Milliarden Dollar gestiegen. Jetzt erklärt er, dass er auch in Deutschland bleiben würde, wenn er 80 Prozent Steuern zahlen müsste. Warum dies scheinheilig ist:

Für SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, der mit einem geschätzten Vermögen von 13,4 Mrd. Dollar zu den zehn reichsten Deutschen gehört, wären höhere Steuern für Reiche kein Grund für einen Umzug ins Ausland. „Ich würde hierbleiben, auch wenn ich 80 Prozent Steuern zahlen müsste“, sagte Hopp in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Auf die Frage, ob der Grund dafür Heimatliebe ist, antwortete er: „Klar. Wer hat die nicht?“ Allerdings halte er nichts davon, wenn der Staat den Reichen mehr Geld abnimmt, um es umzuverteilen. „Erstens hätte ich dann weniger Geld für meine Stiftung. Und zweitens würden die anderen Reichen dann vermutlich alle abtauchen. Da hat doch keiner Hemmungen, nach Monaco zu ziehen.“

1972 hatte Hopp mit vier IBM-Kollegen das Softwareunternehmen SAP gegründet. Einen Großteil seiner SAP-Aktien brachte Hopp 1995 in die nach ihm benannte Stiftung ein. Sie fördert Projekte in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung. Rund 700 Millionen Euro seien seitdem in gemeinnützige Projekte geflossen, sagte Hopp. „Ich habe so viel Geld, das mir die Gesellschaft ermöglicht hat. Ich will etwas zurückgeben“, so Hopp. „Und ich weiß nicht, warum nicht mehr Leute so denken wie ich.“

Milliardäre, die gerne mehr Steuern zahlen…

Es gibt immer mal wieder einen Milliardär, der öffentlichkeitswirksam verkündet, er wäre bereit, deutlich höhere Steuern zu zahlen. Manche, so etwa George Soros, fordern – anders als Hopp – sogar, dass alle Reichen deutlich stärker zur Kasse gebeten sollten. Medien berichten gerne darüber. Warum? Es gibt eine alte Journalistenregel, die jeder Journalist auf der Journalistenschule lernt: „Hund beißt Briefträger ist keine Nachricht, Briefträger beißt Hund ist eine Nachricht.“ Klar: Medien berichten eher über das Außergewöhnliche als über das Normale. Sie berichten auf der Titelseite über ein abgestürztes Flugzeug, aber die zehntausenden Flugzeuge, die heil landen, sind keine Meldung wert.

Für Politiker wie Sahra Wagenknecht und andere Umverteiler sind Milliardäre, die mehr Steuern zahlen wollen, stets gern zitierte Kronzeugen. Sie argumentieren: Wenn Leute wie Hopp trotz 80% Steuersatz in Deutschland bleiben würden, wenn andere Milliardäre sogar dafür eintreten, die Steuern massiv zu erhöhen – warum sollte man es dann nicht einfach tun?

Milliardäre wie Soros fordern öffentlich, dass sie stärker zur Kasse gebeten werden sollten, aber sie wissen, dass dies bestimmt nicht nur deshalb geschieht, weil sie es fordern. Sie fordern dies also, ohne negative Konsequenzen für ihr Vermögen befürchten zu müssen, sammeln damit aber Pluspunkte bei Medien und linken Antikapitalisten. Immerhin ist Hopp klüger als Leute wie Soros, denn obwohl er behauptet, auch bei einem Steuersatz von 80% würde er aus Heimatliebe in Deutschland bleiben, weiß er, dass dies natürlich kaum ein Milliardär tun würde und spricht sich daher gegen solch exorbitante Steuern aus.

Scheinheilige Milliardäre

Hopp hat selbst in den 90er-Jahren massiv in steuersparende Kapitalanlagen investiert, und zwar in Immobilien in Berlin und den neuen Bundesländern, für die es nach dem Fördergebietsgesetz Ost eine Sonderabschreibung von bis zu 50 Prozent gab. So war er einer der wichtigsten Geldgeber seines Geschäftsfreundes Egon Banghard, “der allerdings später wegen Kapitalanlagebetruges ins Gefängnis musste”:https://www.welt.de/print-welt/article357872/Auf-den-Namen-Banghard-gibt-niemand-mehr-Kapital.html.

Klug waren diese Investments von Hopp ganz bestimmt nicht, aber sie waren legal. Reiche wie Hopp taten genau das, was die Politik mit dem Fördergebietsgesetz erreichen wollte: Sie investierten in Ostimmobilien, was wiederum dringend notwendig war, da der Sozialismus in der DDR eine große Wohnungsnot erzeugt hatte. Insgesamt wurden in den 90er-Jahren mithilfe dieser steuerlichen Förderungen 838.638 Wohnungen in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin fertig gestellt. Die Kosten beliefen sich auf 84 Milliarden Euro.

Ich nenne es aber scheinheilig, erst ein Milliardenvermögen aufzubauen, auch unter Nutzung aller Abschreibungsvergünstigungen und steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten – und dann, nachdem man zu den zehn reichsten Deutschen gehört, zu erklären, dass man auch bei einer Steuerbelastung von 80 Prozent in Deutschland bleiben würde.

Sogar Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt, fordert immer mal wieder höhere Steuern für Reiche, nutzt aber selbst steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. In der Talkshow Maischberger hatte ich eine Diskussion mit einem anderen Scheinheiligen, einem Multimillionär, der exzessiv steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzte, aber gleichzeitig forderte, der Staat solle Reiche stärker besteuern. Ich sagte ihm in der Diskussion, das komme mir vor, wie wenn der Papst die monogame Ehe fordert, aber jede Woche eine neue Freundin hätte: https://www.youtube.com/watch?v=2RZ-5G_GHHo

Was hat Hopp der Gesellschaft gestohlen?

Ich finde es toll, dass Hopp so viel gespendet hat. Aber die Begründung dafür ist ebenso abwegig wie seine Kritik an Reichen, die nicht so handeln. „Ich habe so viel Geld, das mir die Gesellschaft ermöglicht hat. Ich will etwas zurückgeben“, so Hopp. „Und ich weiß nicht, warum nicht mehr Leute so denken wie ich.“ Was heißt, „der Gesellschaft etwas zurückgeben“? Eine beliebte, aber gedankenlose, ja, letztlich ziemlich dumme Formulierung. Das klingt so, als habe er etwas gestohlen bzw. der Gesellschaft weggenommen. Hopp hätte jedoch auch ganz ohne Spenden Großes für die Gesellschaft geleistet: Er hat den größten europäischen Softwarekonzern SAP aufgebaut, der heute fast 100.000 Mitarbeiter hat. Kein anderer Deutscher hat so etwas zustande gebracht – die anderen großen IT-Unternehmen sind fast alle in den USA oder China. Das ist eine großartige Leistung. Hopp hat der Gesellschaft damit sehr viel gegeben. Es gibt nicht die geringste Veranlassung, zu meinen, er müsse durch Spenden „etwas zurückgeben“.

Zur Verteidigung führen Reiche, die diese gedankenlose Formulierung verwenden, an, sie meinten damit, die Gesellschaft habe es ihnen mit der Infrastruktur und Ausbildung ja erst ermöglicht, solche Leistungen zu erbringen. Aber das ist ein sehr schwaches Argument, denn das haben sie doch längst durch Unternehmenssteuern und Einkommensteuern vieltausendfach wieder „zurückgegeben“. Das oberste eine Prozent zahlt in Deutschland allein über 20 Prozent der Einkommensteuer.

Gedankenexperiment: Was würde Hopp denn tun, wenn er das Geld nicht spenden würde? Jemand, der ein Milliardenvermögen besitzt, konsumiert in der Regel nicht einmal ein Prozent von dem, was jedes Jahr neu hinzukommt. Und was macht er mit dem Rest? Er investiert wieder, beispielsweise in Aktien. Damit kommt das Geld wieder der Gesellschaft zugute – auch ganz ohne Spenden. Milliardäre leisten also auch dann einen großen Nutzen für die Gesellschaft, wenn sie keinen einzigen Euro spenden.

Also: Wenn Hopp spendet bzw. sein Geld in Stiftungen einbringt, ist das eine gute Sache. Aber wenn er sich verwundert gibt, warum nicht alle Milliardäre so denken wie er, dann ist das anmaßend. Manche Reiche haben einen Komplex, wollen beliebt sein und fordern daher höhere Steuern oder meinen, sie könnten mit Spenden ihr Image verbessern. Das ist allerdings eine sehr naive Hoffnung, wie ich in meinem Buch “Die Gesellschaft und ihre Reichen”:http://die-gesellschaft-und-ihre-reichen.de/ nachgewiesen habe: Auf die Frage, ob man glaubt, dass Reiche eher spenden, um für sich selbst etwas Gutes zu tun (Steuern sparen oder ihr Image verbessern) oder eher deshalb, um anderen etwas Gutes zu tun, antworteten bei einer repräsentativen Umfrage 51% der Deutschen „sich selbst etwas Gutes zu tun“ und nur 14%, „um anderen etwas Gutes zu tun“.

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