Die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ist ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie. Philipp Mißfelder

So „ausgewogen“ ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Kein Politiker war 2018 in den reichweitenstarken Fernseh-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen so häufig zu Gast wie der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck. Laut Auswertung durch das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) war Habeck 13 Mal bei den Talkshows “Maischberger”, “Anne Will”, “Hart aber fair” oder “Maybrit Illner” zu sehen.

Den zweiten Platz unter den Politikern teilen sich demnach Habecks Co-Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, FDP-Chef Christian Lindner und Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU. Sie alle wurden laut den Aufzeichnungen des RND zehn Mal in eine Runde eingeladen.

Auf den Rängen drei und vier platzierten sich Bundesjustizministerin Katarina Barley von der SPD mit neun und CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen mit acht Teilnahmen. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, Finanzminister Olaf Scholz von der SPD und Sahra Wagenknecht, Linke, brachten es demzufolge auf jeweils sieben Einladungen. Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU war sechs Mal zu sehen, AfD-Chef Alexander Gauland drei Mal.

Wenn man jedoch zur ersten Annäherung an diese Frage einfach einmal die in der Auswertung genannten Politiker, die am häufigsten vertreten waren, nach Parteizugehörigkeit sortiert, ergibt sich ein aufschlussreiches Bild zur “Ausgewogenheit” im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Erste Annäherung: Anzahl und Häufigkeit der hier genannten Auftritte nach Parteizugehörigkeit der Talkshowgäste
(in Klammern das Bundestagswahlergebnis 2017):

CDU 31 Auftritt = 34% (26,8% Bundestagswahl)

Grüne 23 Auftritte = 26% (8,9% Bundestagswahl)

SPD 16 Auftritte = 18% (20,5% Bundestagswahl)

FDP 10 Auftritte = 11% (10,7% Bundestagswahl)

Linke 7 Auftritte = 8% (9,2% Bundestagswahl)

AfD 3 Auftritte = 3% (12,6% bei Bundestagswahl)

CSU 0 Auftritte = 0% (6,2% Bundestagswahl)

Jetzt versteht man auch, warum Sahra Wagenknecht neulich auf einmal gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen gewettert hat: Noch 2017 war sie mit 11 Auftritten auf Platz 1, wurde jetzt von den Grünen verdrängt. In den Jahren, bevor Wagenknecht auf Platz 1 kam, war häufig Gregor Gysi auf Platz 1.

Die These, dass in öffentlich-rechtlichen Talkshows extreme Linke und Grüne überproportional vertreten sind, ist also gut belegt, auch wenn man es über mehrere Jahre verfolgt.
Die Hannoversche Allgemeine hat eine umfassendere Auswertung veröffentlicht, die Tendenz bestätigt. Auch hier sind die Grünen stark überproportional vertreten, aber nicht so stark wie in der Auswertung oben. Es bestätigt sich, dass die CDU leicht überproportional vertreten ist, die SPD ist es nach dieser Auflistung auch. Unterproportional vertreten sind Linke, AfD und FDP.

Nach dem Rundfunkstaatsvertrag ist die „Ausgewogenheit“ des Programms beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach § 11 Abs. 2 RStV zu berücksichtigen. Das heißt natürlich nicht, dass Parteien genau gemäß ihrem Wahlergebnis in Talkshows präsent sein müssen. Aber es fällt schon auf, dass grüne Politiker sehr viel häufiger vertreten waren als es ihrem Wahlergebnis entspricht, während Linke und FDP, aber vor allem die AfD unterproportional vertreten sind.

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