Friedrich Merz hat eine hervorragende Vita

von Rainer Zitelmann4.11.2018Medien

Neulich bei Maybrit Illner. Es geht um die StĂ€rken und SchwĂ€chen der Kandidaten fĂŒr den CDU-Vorsitz. Zu Friedrich Merz heißt es in einem mit dramatischer „Star Wars“-Musik untermalten Einspielfilm, sein grĂ¶ĂŸter Nachteil sei seine TĂ€tigkeit bei Blackrock. Denn: „Der Vermögensverwalter Blackrock ist fĂŒr viele eine Art Todesstern der Globalisierung. Und Merz ist der deutsche Aufsichtratschef”.

Man kann schon jetzt voraussagen, dass die TĂ€tigkeit von Merz als Aufsichtsrat vieler Unternehmen im Mittelpunkt der Kampagne seiner politischen Gegner stehen wird – von den LinksgrĂŒnen innerhalb und außerhalb der Union. WĂ€hrend sich rechte Verschwörungstheoretiker an seiner TĂ€tigkeit als Vorstand der „Atlantik-BrĂŒcke“ stoßen, machen ihm linke Politiker und Medien zum Vorwurf, dass er fĂŒr die „Hochfinanz“ arbeite. Schon „Finanz“ klingt ja fĂŒr diese Leute (die selbst meist keine Finanzen haben) so bedrohlich wie „Neoliberalismus“ oder „Turbokapitalismus“, aber „Hochfinanz“ klingt so Ă€hnlich wie „hochkriminell“.

Zur Vita von Friedrich Merz: Er studierte Rechtswissenschaften, schloss das erste und zweite Staatsexamen ab, arbeitete danach als Richter und in international renommierten Anwaltskanzleien. Heute ist er im Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen, u.a. der deutschen Ableger des weltweit fĂŒhrenden Vermögensverwalters Blackrock und der HSBC, einer der zehn grĂ¶ĂŸten Banken der Welt. Schon die GrĂ¶ĂŸe der Unternehmen gilt den Merz-Kritikern als Argument gegen ihn. HĂ€tte er es nur bis zum Abteilungsleiter einer Kreissparkasse gebracht, wĂŒrde das noch als halbwegs ehrbarer Beruf gelten. Ein abgeschlossenes Studium, die TĂ€tigkeit in einem ehrbaren Beruf, wirtschaftlicher Erfolg und Spitzenpositionen in der Wirtschaft gelten dem linksgrĂŒnen Zeitgeist als „No-Go“ fĂŒr ein hohes politisches Amt. Wie sieht es aber mit den Helden der LinksgrĂŒnen und deren Vita aus? Ein Vergleich mit Merz ist interessant:

SPD: Die Vita von Nahles, Schulz, KĂŒhnert

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles studierte 20 Semester Germanistik und Politik, bevor sie dann endlich doch noch ihren Magister mit einer Arbeit ĂŒber „Serien-Liebesromane“ machte. Eine Doktorarbeit in Literaturwissenschaften hat sie zwar begonnen, aber nie beendet. Ihr VorgĂ€nger im Parteiamt, Martin Schulz, hatte die Schule vor dem Abitur abgebrochen, dann aber immerhin eine Ausbildung als BuchhĂ€ndler absolviert.

Oder nehmen wir Kevin KĂŒhnert, den Shootingstar der Sozialdemokraten. Manche Genossen fordern sogar schon öffentlich, ihn zum neuen Parteivorsitzenden zu machen. KĂŒhnert schrieb sich an der FU Berlin in Publizistik und Kommunikationswissenschaft ein, verließ die Uni allerdings ohne Abschluss. SpĂ€ter versuchte er es noch einmal und nahm ein Studium an einer FernuniversitĂ€t auf, diesmal in Soziologe und Politik, aber brachte es wiederum nicht zu einem Abschluss. Die linke taz erregte sich darĂŒber, wenn das ĂŒberhaupt thematisiert wurde: „Das BildungsbĂŒrgertum urteilt also, ein abgeschlossenes Studium sei Voraussetzung fĂŒr die Politik. Die Elite soll unter sich bleiben, Privilegien will schließlich keiner teilen.“

In der Tat: Dass jemand sein Studium abbricht, muss kein Fehler sein. Es gibt unter den MilliardĂ€ren nicht wenige berĂŒhmte Studienabbrecher wie Steve Jobs oder Bill Gates, die allerdings ihr Studium abbrachen, um dann eine erfolgreiche Unternehmerkarriere zu starten. Bei linken Politikern folgt auf den Studienabbruch jedoch niemals eine Karriere in der Wirtschaft.

GrĂŒne: Die Vita von Özdemir, Roth und Habeck

Cem Özdemir, der zehn Jahre lang Bundesvorsitzender der GrĂŒnen war, machte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Erzieher. Anschließend erwarb er die Fachhochschulreife an einer Fachoberschule und studierte danach an der Fachhochschule SozialpĂ€dagogik. Heute fĂŒhlt sich der gelernte Erzieher berufen, die deutsche Automobilindustrie ĂŒber angebliche strategische Fehler zu belehren und möchte den VorstĂ€nden dieser weltweit erfolgreichen Unternehmen gerne vorschreiben, was sie produzieren sollten.

Özdemirs VorgĂ€ngerin im Amt der GrĂŒnen-Vorsitzenden, Claudia Roth, begann ein Studium in Theaterwissenschaft, Germanistik und Geschichte, das sie nach zwei Semestern abbrach. Danach arbeitete sie kurze Zeit als Dramaturgie-Assistentin an einem Theater und spĂ€ter als Managerin der linksextremen Band Ton Steine Scherben (bekannte Songtexte: „Macht kaputt, was euch kaputt macht“; „Und hau den ersten Bullen, die da auftauchen ihre Köppe ein“).

Dagegen nimmt sich die Vita des heutigen GrĂŒnen-Vorsitzenden Robert Habeck achtbar aus, immerhin wurde er mit einer Arbeit ĂŒber „literarische ÄsthetizitĂ€t“ zum Doktor der Philosophie promoviert, wĂ€hrend seine Co-Vorsitzende, Annalena Baerbock ihre vor einem Jahrzehnt begonnene Doktorarbeit immer noch nicht vollendet hat. Habeck hat seinen Doktor ordentlich gemacht, was man nicht von allen Politikern behaupten kann.

CDU/CSU: Minister mit gefÀlschten Doktortiteln

Die ehemalige Bundesministerin fĂŒr Bildung und Forschung (!) im Kabinett von Angela Merkel, Annette Schavan (CDU), musste ihren Doktortitel zurĂŒckgeben. In einem Gutachten hieß es: „Eine leitende TĂ€uschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.“
Auch der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Kabinett Merkels musste seinen Doktortitel zurĂŒckgeben, weil er sich den Titel mit einem Plagiat erschlichen hatte. Seine Nachfolgerin Ursula von der Leyen (CDU), die zwar als Verteidigungsministerin komplett versagte, von Merkel jedoch fĂŒr ihre bedingungslose Untergebenheit sogar ein zweites Mal mit einem Ministerposten belohnt wurde, entkam dem nur knapp. 2015 wurden VorwĂŒrfe dokumentiert, wonach 43,5 Prozent der untersuchten Seiten ihrer Dissertation Plagiate seien. Schließlich leitete nach einer VorprĂŒfung die Medizinische Hochschule Hannover eine förmliche Untersuchung ein. Der Senat entschied im MĂ€rz 2016, dass von der Leyen ihren Doktorgrad behalten darf, da es sich um einen minderschweren Fall handele. Die Hochschuluntersuchungskommission stellte fest, dass „nur“ 20 Prozent der Arbeit fehlerhaft seien.

Ich finde: Im Vergleich zu fast allen fĂŒhrenden Politikern von SPD und GrĂŒnen und im Vergleich zu vielen Politikern der CDU hat Friedrich Merz eine hervorragende Vita, auf die er stolz sein kann. Man mag bei ihm vieles gut finden und manches auch zu Recht kritisieren – aber die Kritik, dass er ein finsterer AnfĂŒhrer auf dem „Todesstern der Globalisierung“ sei, ist absurd.

Dennoch ist zu befĂŒrchten, dass diese Kritik verfĂ€ngt, auch in weiten Teilen der von vergrĂŒnten und sozialdemokratisierten Merkel-CDU. Selbst diejenigen, die die Kritik nicht teilen, werden sich die Frage stellen, ob man angesichts der zu erwartenden antikapitalistischen Kampagne gegen Merz mit ihm Wahlen gewinnen kann. Das sagt allerdings mehr ĂŒber den geistigen Zustand unserer Republik als ĂŒber den Politiker Friedrich Merz.

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