Kinderbetreuung, Umstandskleider, Diversity-Management

von Rainer Zitelmann30.07.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Alles diskutiert über die Bundeswehr. Doch ein Blick auf den Ist-Zustand verheisst nichts Gutes. Die Bundeswehr ist in einem katastrophalen Zustand und nicht einsatzbereit, weil ein Großteil der Waffen nicht richtig funktioniert. Gut, dass wir eine Verteidigungsministerin haben, die die Prioritäten richtig setzt – und dies seit Beginn ihrer Amtsübernahme.

Modenschau im Verteidigungsministerium

Kürzlich gab es eine richtige Modenschau im Verteidigungsministerium. Die anwesenden Generale staunten nicht schlecht und waren wieder einmal verblüfft, wie gut ihre oberste Chefin die Probleme der Truppe versteht und wie sicher sie die richtigen Prioritäten setzt. Nach dem Abschluss eines “Trageversuchs” steht die Truppe nunmehr endlich vor der Serieneinführung von Umstandsuniformen für Schwangere. Die flächendeckende Beschaffung soll noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Derzeit werte man die Rückmeldungen der Soldatinnen aus und arbeite an Verbesserungen der Spezialuniformen.

Insgesamt seien 500 Uniformsätze in verschiedenen Größen und Zusammensetzungen getestet worden – von der Feldbekleidung über Dienstanzüge bis hin zur Strumpfhose. Rund 80 Teilnehmerinnen hatten die Kleidungsstücke getestet und bewertet – etwa nach Optik, Tragekomfort und Atmungsaktivität. Es handelt sich laut Ministerium um elastische Uniformen. Insgesamt sei die Dienstbekleidung von den Soldatinnen positiv und die Feldbekleidung eher negativ bewertet worden, heißt es aus dem Ministerium. Bei der Feldhose etwa hätten Soldatinnen einen Strickeinsatz abgelehnt und einen leichteren Stoff Bisher greifen Soldatinnen der Bundeswehr zu Zivilkleidung, wenn die Uniform nicht mehr über den Babybauch passt. Rund zwei Prozent der insgesamt 20.000 deutschen Soldatinnen sind nach Angaben der Bundeswehr im Durchschnitt schwanger. Die Kosten für den Versuch belaufen sich laut Ministerium auf rund 650.000 Euro.

Kinderbetreuung, Tagesmütter, schönere Zimmer

Eine ihrer ersten Initiativen, nachdem von der Leyen das Amt übernommen hatte, war, die Kinderbetreuung zu verbessern, Tagesmütter zu engagieren und die Zimmer schöner zu machen. Dafür sollten 100 Mio. Euro ausgegeben werden. Besonders wichtig sei der Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen: „Wir brauchen ein flexibles System der Kinderbetreuung rund um die Bundeswehr“, so die Ministerin. „Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten. Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt.“

Auf der Website der Bundeswehr heißt es fröhlich: „Bereits zum 4. Mal ermöglicht das Phantasialand den Bundeswehrtag im Phantasialand. Der große Spaß für die ganze Familie! Freuen Sie sich auf spannende Attraktionen, fesselnde Shows und jede Menge Überraschungen!“

Bundeswehr soll sozialer werden

Da die Bundeswehr bekanntlich unter einer Personalschwemme leidet, hat von der Leyen mit der Soldatenarbeitszeitverordnung dafür gesorgt, dass es garantiert sozial zugeht und niemand zu großem Stress ausgesetzt wird. Mit der Verordnung wurde die wöchentliche Arbeitszeit im Grundbetrieb auf 41 Stunden begrenzt, Mehrarbeit muss in der Regel mit Freizeit ausgeglichen werden.

„Diversity Management“

In dem von ihr vorgestellten Weißbuch erklärte von der Leyen, welche Aufgaben aus ihrer Sicht besonders wichtig seien: In der Bundeswehr sollten Vielfalt und Chancengerechtigkeit mit „Diversity Management“ und „interkultureller Kompetenz und Mehrsprachigkeit“ wichtig werden, um Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und solche mit anderer sexueller Orientierung, aber auch ältere Menschen, solche mit unterschiedlichen Religionen oder mit Behinderungen mit einzubeziehen. Diesem Thema wurde hohe Priorität eingeräumt, von der Leyen initiierte eigens Seminare in der Truppe zum „Umgang mit sexueller Identität und Orientierung in der Bundeswehr“.

Der Workshop war von Parteifreunden, dem SPD-Koalitionspartner und der Boulevardpresse als “Sex-Seminar” verspottet worden. Ob es denn nichts Wichtigeres gebe, als Sensibilität für Menschen mit Transgender-Identität in den Streitkräften zu schaffen, fragte manch einer, der die zentrale Bedeutung des Themas nicht richtig verstand. Die ARD-„tagesthemen“ widersprachen dieser Kritik empört und stellten klar: „Tatsächlich ist ein tolerantes Klima für die Bundeswehr keineswegs ein Spartenthema oder nur eine Art Hobby, das der früheren Familien- und Arbeitsministerin von der Leyen besonders am Herzen läge. Es geht um die Zukunft der Armee und ihre Stellung als attraktiver oder eben weniger attraktiver Arbeitgeber.“

Helmut Schmidts Bild ist jetzt richtig „eingerahmt“

Richtig engagiert war von der Leyen, als es um die „Säuberung“ der Bundeswehr von allem ging, was irgendwie verdächtig erschien. Und verdächtig war vieles – so etwa ein Foto in einer Kaserne des ehemaligen Bundeskanzlers und Verteidigungsministers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, das auf Weisung von der Leyens abgehängt werden musste. Das Bild wurde jedoch einen Monat danach wieder von den Studenten im selben Flur des Wohnheims der Universität angebracht, jedoch an einer Wand gegenüber vom ursprünglichen Ort. Das Foto ist nun mit der Erläuterung versehen, dass Schmidt bereits als junger Reserveoffizier durch kritische Bemerkungen zur NS-Führung auffiel. Daneben hängen nun Auszüge aus einer Rede Schmidts beim Feierlichen Gelöbnis 2008 vor dem Reichstag, in der er sich zu seiner Erfahrung als Soldat in der NS-Zeit äußert. Als drittes wurde nach Angaben des Sprechers ein Foto angebracht, das Schmidt in seinem Arbeitszimmer zeigt. So wurde das alte Foto neu „eingerahmt“, damit keiner auf die Idee kommt, Schmidt für einen Nazi zu halten. Man sieht also, dass in der Bundeswehr dank der Führung durch von der Leyen sehr intensiv über die wichtigsten Fragen diskutiert und nachgedacht wird.

Merkel sei Dank

Gut, dass wir eine Kanzlerin haben, die von der Leyen so stark unterstützt. Deshalb war sie auch eine der wenigen Minister(innen), die nicht ersetzt wurde und im neuen Kabinett ihre wichtige Arbeit fortführen darf. Führung zeigt sich eben vor allem darin, dass die Prioritäten richtig gesetzt werden und der Blick für das Wesentliche nicht durch Randthemen und Nebensächlichkeiten – wie etwa die Funktionsuntüchtigkeit der meisten Waffensysteme – abgelenkt wird.

Möglicherweise steckt hinter all den wichtigen Reformen der Bundeswehr auch ein anderer Gedanke, den die meisten Beobachter nur noch nicht erkannt haben: Vielleicht kommen Merkel und von der Leyen demnächst auf die Idee, Donald Trumps Ermahnung an die Selbstverpflichtung, 2% des BIP für die Verteidigung auszugeben, mit dem Hinweis zu kontern, Deutschland habe mit Leyens bahnbrechenden Reformen ja auf eine andere und viel wirksamere Weise dafür gesorgt, dass die Bundeswehr schlagkräftiger wird.

Der Text erschien zuerst 5. April 2018

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