Mehr als 10 Mio. „schwer vermittelbar“

Rainer Zitelmann5.03.2018Innenpolitik, Wirtschaft

Die „Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz“ fordert eine Deckelung von Managergehältern. Mehr als 10 Mio. seien „schwer vermittelbar“.

„Die Systeme sind immer komplizierter geworden. Hier müsste deutlich abgerüstet werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. „Eine Deckelung des Gehalts ist heutzutage unumgänglich. Wer das nicht hat, hat ein Problem“.

Tüngler fügte hinzu: „Ab 10 Millionen Euro ist eine Vergütung für Vorstandsvorsitzende gesellschaftlich nur noch äußerst schwer vermittelbar. Das sollte vermieden werden.“ Für eine Bezahlung darüber hinaus brauche es viele gute Gründe. „Der Aufsichtsrat muss dafür sorgen, dass die Vergütung des Vorstands angemessen ist, das ist ein Riesenthema.“ Im Moment versperre die Komplexität der Vergütungssysteme dem Kontrollgremium oft den Blick auf das Wesentliche.

Hohe Zustimmung gewiss

Alle, die eine Begrenzung von Managergehältern fordern, können sich größter Zustimmung gewiss sein. Die SPD ist dafür, die Grünen, die Linke sowieso und auch in anderen Parteien und in der breiten Bevölkerung gibt es viele Sympathien für diese Forderung. Ich bin sicher, auch die große Mehrheit der Leser dieses Beitrages ist für eine Deckelung und empfindet „zu hohe Managergehälter“ als Skandal. Die Medienberichterstattung über „raffgierige Manager“ und zu hohe Abfindungen hat für eine Stimmung gesorgt, in der sich kein Politiker traut, auf einige Tatsachen hinzuweisen:
Der überwiegende Teil von Millionengehältern besteht aus variablen Gehaltsbestandteilen, die sich z.B. an der Entwicklung des Aktienkurses orientieren. Die manchmal vorgetragene Rechtfertigung, Managergehälter müssten deshalb so hoch sein, weil die Manager besonders viel „Verantwortung“ tragen, ist natürlich abwegig. Jeder Krankenpfleger trägt mindestens so viel Verantwortung wie der Vorstand eines Großunternehmens. Der Grund für die hohen Gehälter ist ein ganz anderer: Die Gehälter unterliegen dem Spiel von Angebot und Nachfrage: Wer weniger zahlt als der Wettbewerber, der wird den Manager, den er für den besten hält, im Zweifel nicht bekommen.

Und was ist mit den hohen Abfindungen für Versager?

Und was ist mit den hohen Abfindungen für Manager, die dann versagen? Die beim Abschluss eines Vertrages vereinbarte Vergütung beruht auf einer Prognose, also auf der Erwartung, wie der Manager künftig performen wird. Diese Prognose basiert naturgemäß auf seinen in der Vergangenheit erbrachten Leistungen, worauf denn auch sonst? Sie kann – so wie jede Prognose – richtig oder falsch sein. Das heißt: Die Leistung des Managers kann später besser oder schlechter sein, als es die Eigentümer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses erwartet haben. Wenn die Leistung extrem schlecht war, muss der Manager gehen. Dann erhält er oft eine Abfindung. Doch diese Abfindung wurde ja bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vereinbart, sie war Teil des bei seiner Einstellung ausgehandelten Vertrages.

Es ist wie bei den Fußballspielern, die sehr hohe Summen erhalten: Sie verdienen deshalb so viel, weil nur wenige ihre Leistung erbringen können. Wiederum geht es um Angebot und Nachfrage. Und wiederum handelt es sich um Prognosen, die zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses getroffen werden – und die richtig oder falsch sein können. Der Fußballer kann besser oder schlechter spielen als der Verein es zum Zeitpunkt seines Engagements erwartet hat.
War die Prognose falsch, dann tragen die Eigentümer des Vereins oder des Unternehmens den Schaden (und nicht die Steuerzahler). Das sind die Aktionäre, die in diesem Fall zu viel bezahlt haben. Wenn jetzt ein Verein, der für sich beansprucht, Interessen von Aktionären zu vertreten, eine staatliche Begrenzung der Managergehälter fordert, dann ist das eigenartig: Denn es liegt ja im Ermessen der Eigentümer des Unternehmens, also der Aktionäre (vertreten durch den Aufsichtsrat) die Höhe des Gehaltes festlegen. Das ist weder Aufgabe eines Vereins noch der Politik.

Sind 10 Millionen „genug“?

Es gibt nur sehr wenige Manager in Deutschland, die mehr als zehn Millionen Euro verdienen. Glaubt die DSW, die die Deckelung bei zehn Millionen damit begründet, mehr sei „gesellschaftlich nur noch äußerst schwer vermittelbar“, damit seien die Neidgefühle befriedigt? Diese Annahme ist vollkommen weltfremd.

– Wenn die Deckelung zehn Millionen beträgt, wird es heißen, es sei ein Skandal, dass jemand so viel verdient, dies sei „gesellschaftlich nur noch äußerst schwer vermittelbar“.

– Wenn die Deckelung dann auf fünf Millionen gesenkt wird, wird es heißen, es sei ein Skandal, dass jemand so viel verdient, dies sei „gesellschaftlich nur noch äußerst schwer vermittelbar“.

– Wenn die Deckelung dann abermals auf eine Million gesenkt wird, wird es heißen, es sei ein Skandal, dass jemand so viel verdient, dies sei „gesellschaftlich nur noch äußerst schwer vermittelbar“.

– Usw.usw.

Es ist eine sehr naive Illusion, Neidgefühle und Ressentiments durch eine egalitäre Politik reduzieren zu können. Das Gegenteil ist richtig: Der Soziologe Hans-Peter Müller hat einmal in Anlehnung an Simmel formuliert: „Soziale Ungleichheit und Versuche zu ihrer Egalisierung sind ein unaufhörlicher Prozess ohne Höhe- oder Endpunkt. Nicht allein die absoluten, sondern auch die relativen Ungleichheiten provozieren Gefühle des Neids, der Missgunst und des Ressentiments. Je weiter die äußere soziale Angleichung vorangetrieben wird, desto unterschiedsensitiver wird die gleichgestellte Bevölkerung für die residualen Differenzen. Mehr Gleichheit schärft das Ungleichheitsbewusstsein.“ Übersetzt heißt das: Mindestlöhne können nach dieser Logik nie hoch genug sein und müssen immer steigen, die Managergehälter umgekehrt werden aus Sicht der Apostel von „sozialer Gerechtigkeit“ immer zu hoch sein, egal wo sie gedeckelt sind.

Aktuelles Interview mit Rainer Zitelmann zu seinem diese Woche erschienenen Buch “Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung”:https://www.wallstreet-online.de/video/10331484-dr-dr-rainer-zitelmann-ich-vergleiche-dinge-vergleichen-kann

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