Was das aktuelle Misery-Ranking zeigt

von Rainer Zitelmann26.02.2018Außenpolitik, Medien, Wirtschaft

Regelmäßig veröffentlicht Bloomberg den sogenannten Misery-Index – viele Medien berichten heute. Der Index ergibt sich, wenn man die Inflations- und Arbeitslosenrate eines Landes addiert. Was hat es damit auf sich?

Das Misery-Ranking sollte man an sich nicht besonders ernst nehmen, es ist kein wissenschaftlicher Index. Der Name des Index (Elends-Index) ist irreführend, denn vielen Ländern auf der Welt (z.B. in Afrika) geht es weitaus schlechter als denen, die das Ranking anführen.

Ganz unnütz ist das Ranking aber nicht. Das Barometer basiert auf der Erkenntnis, dass die Lebenszufriedenheit der Menschen in einem Umfeld mit niedriger Inflation und Arbeitslosigkeit höher ist. Immerhin hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass sich Regierungen, deren Länder in dem Ranking hoch angesiedelt waren, oft nicht lange halten konnten und eher abgewählt wurden als Regierungen von Ländern, in denen Arbeitslosigkeit und Inflation niedriger waren. Freilich ist das mit dem „abwählen“ nicht immer so einfach, denn manche dieser Länder sind Diktaturen oder verwandeln sich gerade in welche – so wie Venezuela oder die Türkei.

Venezuela mit großem Abstand vorne

Nach dem aktuellen Ranking liegt Venezuela beim Misery-Ranking mit großem Abstand weit vorne, gefolgt von Südafrika, Argentinien, Ägypten, der Türkei, Griechenland, der Ukraine, Spanien, Brasilien und Saudi-Arabien. Interessant ist es, wenn man dieses Ranking mit einem anderen, sehr ernst zu nehmenden Index bzw. Ranking vergleicht, nämlich dem jährlich von der Heritage-Foundation veröffentlichten Index of Economic Freedom, auch „Kapitalismus-Skala“ genannt.

Index of Economic Freedom

Das Ranking der ökonomischen Freiheit basiert auf umfassenden Analysen von insgesamt zwölf Kriterien, die das Maß der wirtschaftlichen Freiheit angeben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt: Je mehr wirtschaftliche Freiheit es gibt, desto wohlhabender sind die Volkswirtschaften, desto wahrscheinlicher erreichen sie ein hohes Wirtschaftswachstum, desto höher ist sogar das Einkommen der ärmsten zehn Prozent des Bevölkerung. Eines der wichtigsten Argumente für den Kapitalismus ist, dass die wirtschaftlich freien Länder geringere Armutsraten haben und eine schnellere Armutsreduktion erreichen. Die Weltbank veröffentlicht regelmäßig Daten zur weltweiten Armutsentwicklung. Diese werden nur für Entwicklungsländer berechnet, nicht jedoch für die industrialisierten Länder mit hohem Einkommen. Eine Untersuchung belegt, dass die Rate extremer Armut in den am wenigsten freien Ländern bei 41,5 Prozent lag, jedoch nur bei 2,7 Prozent unter den freiesten Volkswirtschaften. Die Rate der „moderaten Armut“ lag bei dem Quartil der wirtschaftlich unfreiesten Länder bei 57,4 Prozent, im Quartil der wirtschaftlich freiesten Länder dagegen bei 3,6 Prozent. Damit zusammen hängt, dass die Lebenserwartung in Ländern mit größerer wirtschaftlicher Freiheit deutlich höher ist als in Ländern mit geringer wirtschaftlicher Freiheit. In dem Quartil der Länder mit der geringsten wirtschaftlichen Freiheit lag die Lebenserwartung bei 60,7 Jahren, im Quartil der wirtschaftlich freiesten Länder dagegen bei 79,4 Jahren. Die Lebenserwartung ist also in wirtschaftlich freieren Ländern fast 20 Jahre höher als in wirtschaftlich unfreien Ländern.

Misery- und Freedom-Ranking

Und nun eine interessante Tatsache: Vergleicht man das aktuelle Misery-Ranking von Bloomberg mit dem aktuellen Ranking der wirtschaftlichen Freiheit der Heritage-Foundation dann fällt auf:

– Das Schlusslicht beim Ranking der ökonomischen Freiheit (Venezuela, Platz 180) ist nicht zufällig zugleich auch der Spitzenreiter beim Misery-Ranking. Inflation und Arbeitslosenquote zusammengerechnet ergeben nämlich für das bis vor kurzem noch von allen Linken der Welt bewunderte sozialistische Musterland Venezuela einen sensationellen Wert von 1872. Inzwischen haben schon Millionen Menschen das Land, in dem der „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ ausprobiert wurde, wegen der elenden Lebensbedingungen verlassen.

– Unter den 34 kapitalistischsten, also wirtschaftlich freiesten Ländern, findet sich kein einziges unter den Top-Ten des Misery-Index.

– Unter den 61 nach den Kriterien der Heritage-Foundation überwiegend wirtschaftlich freien Ländern sind nur drei unter den Top-Ten des Misery-Index, nämlich die Türkei, Spanien und Südafrika, (Platz 58, 60 und 77 im Ranking der ökonomischen Freiheit).

– Sieben der Top-Ten im Misery-Ranking sind Länder, die überwiegend oder ganz wirtschaftlich unfrei sind, wie etwa Brasilien (Platz 153 im Ranking der ökonomischen Freiheit), Argentinien (Platz 144 im Ranking der ökonomischen Freiheit) oder die Ukraine (Platz 150). Natürlich gehört auch Griechenland mit seiner sozialistischen Regierung zu den wirtschaftlich unfreien Ländern (Platz 115).
Die Linke, die sich Helden wie den Sozialisten Alexis Tsipras (Griechenland) oder Musterländer wie Venezuela als Vorbilder ausgesucht hat, wird nicht um Erklärungen verlegen sein. Vermutlich sind aus ihrer Sicht an der wirtschaftlichen Misere Griechenlands die Deutschen schuld und an der wirtschaftlichen Misere Venezuelas die USA. Nach dem Motto, „und also schließt er messerscharf, dass nicht sein kein, was nicht sein darf“, müssen am Elend dieser Welt immer die Kapitalisten schuld sein.

Mehr zum „Index of Economic Freedom“ in Zitelmanns neuem Buch, das Montag erscheint: “Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung”:http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/.

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