SPD und CDU wollen gegen „Vereinsamung“ vorgehen

Rainer Zitelmann14.02.2018Innenpolitik

Union und SPD wollen bei einer Neuauflage der Großen Koalition “Vereinsamung” in der Gesellschaft bekämpfen. „Familie, Gesundheit, Wohnen – es ist die Aufgabe vieler Ministerien, dem Trend zur Vereinsamung entgegenzuwirken“, sagte die CDU-Politikerin und Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”.

„Wir wollen nicht in die Lebensführung der Menschen eingreifen“, so beruhigt sie schon einmal vorbeugend Bürger wie mich, die sich sofort besorgt fragen, wie der Staat ihnen Geselligkeit verschaffen will. Mir jedenfalls fiel spontan Ronald Reagans Ausspruch ein: „Die zehn furchterregendsten Wörter der englischen Sprache sind: ‘Hi, ich komme von der Regierung, um Ihnen zu helfen!'”

„Aber wir spüren das Bedürfnis nach mehr sozialem Kontakt”, fügt Widmann-Mauz hinzu, die seit 2009 parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium ist und derzeit sogar für einen Ministerposten gehandelt wird. Das Netz familiärer Bindungen sei nicht mehr so engmaschig wie früher, man lebe in weiter Entfernung zueinander und verbringe immer mehr Zeit im Internet, so der beunruhigende Befund von Widmann-Mauz. „Politiker müssen die Bedingungen dafür schaffen, dass das, was Gemeinschaft und Zusammenhalt in einer Gesellschaft ausmacht, nicht verloren geht.“ Ein Ansatz könne in der Stärkung von Mehrgenerationenhäusern liegen.

Habt ihr keine anderen Sorgen?

Zugegeben: Einsamkeit ist schlimm, für den, der davon betroffen ist. Aber ist es die Aufgabe der Politiker, Einsamkeit zu bekämpfen? Da wird von der „Stärkung von Mehrgenerationenhäusern“ geredet, wenn viele Menschen froh wären, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Da wird beklagt, dass die Leute zu viel Zeit im Internet verbringen und dadurch einsam würden. Dabei verhilft das Internet Menschen, die an ihr Haus gebunden sind, zu wichtigen sozialen Kontakten und sie wären ohne das Internet viel einsamer. Und wenn sie in einsamen Landstrichen Deutschlands leben, würden sie es wohl eher begrüßen, wenn die Politik ihr schon vor Jahren gegebenes Versprechen endlich wahrmachen würde, dass man deutschlandweit eine gute und schnelle Internetverbindung hat.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Peter Altmaier bald auf die Idee kommt, die Merkelsche Politik der Grenzöffnung mit dem ihm eigenen Enthusiasmus als Wundermittel gegen die Vereinsamung vieler Deutscher zu lobpreisen. Und die SPD sollte sich vielleicht eher Gedanken machen, wie sie ihrem eben noch frenetisch gefeierten 100%-Schulz hilft, das Problem der Einsamkeit zu bewältigen, nachdem er gleich drei Ziele verfehlt hat: Er wollte Bundeskanzler werden – das hat nicht geklappt. Er wollte Außenminister werden – auch das hat nicht geklappt. Und er wollte SPD-Chef werden – das hat auch nur für ein Jahr geklappt. Vielleicht verhilft ihm die Große Koalition nun wenigstens zu einem Platz in einem „Mehrgenerationenhaus“, damit er nicht völlig vereinsamt.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Regierungsbildung in Thüringen: Dies ist ein bitterer Tag für die Demokratie

Dieses Ergebnis ist ein Dammbruch. Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten hat gezeigt, dass CDU und FDP den Wählerauftrag nicht verstanden haben. Gemeinsam mit Stimmen der AfD haben sie die Wiederwahl Bodo Ramelows verhindert. FDP und CDU werden damit zum Steigbügelhalter der rechtsextremen

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu