Irgendwie verfolgt mich der Hitler. Michael Kessler

Gründe des Wohnungsmangels, über die niemand redet

Die Koalitionsvereinbarung enthält eine Verschärfung der Mietpreisbremse, durch die keine einzige Wohnung neu geschaffen wird. Und sie enthält Subventionen wie ein Baukindergeld, durch die ebenfalls keine einzige Mietwohnung geschaffen wird. Die Probleme liegen an anderer Stelle.

Dieses Buch könnte ein Bestseller werden – doch ich fürchte, es wird nie geschrieben: Das Schwarzbuch Wohnungsbauverhinderung. Regelmäßig publiziert der Bund der Steuerzahler ein Schwarzbuch über Steuerverschwendung, aber mindestens ebenso viel zu berichten gäbe es über die täglichen Be- und Verhinderungen des Neubaus von Wohnungen.

Ich kenne Hunderte skandalöser Begebenheiten, weil ich seit über 20 Jahren täglich mit Projektentwicklern spreche und in den Metropolen Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Köln Veranstaltungen mit den führenden Projektentwicklern durchführe. Jeder in der Branche kennt die Probleme, aber sie werden so gut wie nie öffentlich gemacht. Die meisten Bürger wären erstaunt, wenn man ihnen sagte, dass die reine Bauzeit in der Regel die kürzeste Phase ist, die zwischen dem Ankauf eines Grundstückes und der baulichen Fertigstellung liegt.

Dazwischen liegen Jahre des Kleinkrieges mit den Behörden und der Politik. Die Gründe, warum dies so lange dauert, sind vielfältig:

- Die Behörden sind meist unterbesetzt. Die Krankheit eines Mitarbeiters, der eine wichtige Bescheinigung ausstellt, kann ein Projekt durchaus ein halbes Jahr oder sogar ein Jahr verzögern.

- Viele Beamte begreifen sich nicht als Dienstleister für den Bürger, sondern sehen Investoren – aus ideologischen Gründen – als ihre Feinde, denen sie Steine in den Weg legen.

- In Städten wie Berlin stehen die Bezirkspolitiker unter dem Druck von selbsternannten „Initiativen“, deren oberstes Ziel es ist, kapitalistische Investoren zu bekämpfen.

- Verzögerungen gibt es in vielen Fällen, weil beispielsweise ein Baum nicht gefällt werden darf oder weil irgendeine Insektenart oder Kleintiere entdeckt wurden, für die die Bebauung des Grundstückes ein Problem sein könnte. Gutachten zur Zahl der vermuteten Tiere können lange dauern, und manchmal werden sogar deren Ergebnisse von den Behörden bezweifelt, so dass Zweitgutachten angefertigt werden müssen. Im Anschluss daran müssen Verfahren entwickelt und umgesetzt werden, wie etwa das Anlegen von künstlichen Pfützen, die Insekten anziehen sollen oder der Bau von Klettervorrichtungen, damit die Tiere das Grundstück verlassen. Auch das dauert lange. Durch solche Themen verzögern sich die Genehmigungsverfahren im besten Fall um Monate, nicht selten jedoch um Jahre.

Jeder Projektentwickler bzw. Bauträger kann Stunden über solche Fälle berichten. Aber er würde dies – verständlicherweise – nie öffentlich tun. Journalisten erfahren darüber nichts. Zu groß ist die Angst, dass man es sich „endgültig“ mit der Politik oder den Beamten in den Behörden verderben könnte, auf die der Projektentwickler angewiesen ist. Daher wird das „Schwarzbuch Wohnungsbauverhinderung“ wohl leider nie geschrieben werden. Und die Gründe, warum vom Kauf eines Grundstücks bis zur Fertigstellung manchmal zehn Jahre oder sogar mehr vergehen, selten jedoch weniger als fünf Jahre, bleiben der breiten Öffentlichkeit verborgen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Warum Reichtum die Menschenwürde verletzt

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