Wir leben in der Ära der Selfmade-Milliardäre

von Rainer Zitelmann5.12.2017Wirtschaft

Die Legende, Superreiche seien überwiegend Erben, die von passiven Kapitalanlagen lebten, wird durch die aktuelle Liste der reichsten Männer der Welt widerlegt.

Bloomberg hat jetzt die Liste mit den reichsten Männern der Welt veröffentlicht. Die Top Ten sind (in Klammern geschätztes Vermögen in Milliarden US-Dollar):

1. Jeff Bezos, 101,1
2. Bill Gates 89,2
3. Warren Buffett 79,2
4. Amancio Ortega 75,9
5. Mark Zuckerberg 75,4
6. Carlos Slim Helu 63,0
7. Bernard Arnault 61,6
8. Larry Ellison 54,2
9. Larry Page 52,8
10. Sergey Brin 51,5

Jeder Leser kennt die Produkte, durch die diese Unternehmer reich geworden sind. Und mit Sicherheit nutzen Sie einige davon, z.B. Amazon, das Jeff Bezos erfand, MS Word, das Bill Gates erfand oder Google, das Larry Page und Sergey Brin erfanden, Facebook von Mark Zuckerberg oder vielleicht auch Oracle-Software von Larry Ellison.

Die Legende vom passiven Einkommen

Diese Männer sind keine Erben, sondern Selfmade-Unternehmer, die gute Ideen hatten. Amancio Ortega beispielsweise ist der Sohn eines Bahnangestellten. Seine Laufbahn begann mit 14 Jahren als Handlanger in einem Bekleidungsgeschäft in A Coruña, einer Stadt im Nordwesten Spaniens. Wenn Sie Ortegas Produkte nicht kennen – Ihre Töchter oder Frau kennen sie bestimmt, denn Zara ist eine seiner Marken. Larry Ellison kam ebenfalls aus bescheidenen Verhältnissen. Er kam als uneheliches Kind zur Welt, brach später das Hochschulstudium ab, gründete dann die Firma Oracle (die ähnliche Produkte wie SAP herstellt) und wurde damit zu einem der reichsten Männer der Welt.

Diese Superreichen sind keine Ausnahme: Laut einer 2015 veröffentlichten Studie von PWC und UBS hat sich der Anteil der Selfmade-Milliardäre an den Milliardären weltweit in den vergangenen 19 Jahren von 43 auf 66 Prozent erhöht. Wir leben in der Ära der Selfmade-Milliardäre. Linke Autoren wie Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“) wollen uns einreden, die Superreichen lebten überwiegend von passiven Einkünften, also von Renten aus ererbtem Geld. Mit der Realität hat diese Vorstellung nichts zu tun. Ja, Familienunternehmer vererben irgendwann ihr Unternehmen an ihre Kinder, gerade in Deutschland. Und wenn die Kinder klug und tüchtig sind, führen sie das Unternehmen gut weiter. Aber oft sind sie es nicht. Auch sehr reiche Erben verlieren das Vermögen meist innerhalb von zwei oder drei Generationen. Die Wissenschaftler Arnott, Bernstein und Wu haben 2015 nachgewiesen, dass die meisten Vermögen der “Superreichen bald wieder dezimiert werden”:https://www.researchaffiliates.com/en_us/publications/journal-papers/359_the_myth_of_dynastic_wealth_the_rich_get_poorer.html

Sie fragen: „Where are the current hyper-wealthy descendants of past entrepreneurial dynasties – the Astors, Vanderbilts, Carnegies, Rockefellers, Mellons, and Gettys? .. The originators of great wealth are one-in-a-million geniuses… In contrast, the descendants of the hyper-wealthy rarely have that same one-in-a-million genius… Typically, we find that descendants halve their inherited wealth – relative to the growth of per capita GDP – every 20 years or less… Today, the massive fortunes of the 19th century are largely depleted and almost all of the fortunes generated just a half-century ago are also gone.“

Wie die Superreichen reich wurden

Linke Umverteiler verstehen überhaupt nicht, wie Reichtum entsteht. Sie meinen, Reichtum sei ein Ergebnis falscher „Umverteilung“. Klassisch hat Berthold Brecht dieses Denken in seinem Gedicht
„Alfabet“ formuliert:

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah’n sich an,
und der Arme sagt bleich:
Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

So stellen sich Linke und Grüne das Wirtschaftsleben vor. Die reichen Länder müssen demnach den armen Ländern etwas von ihrem Wohlstand abgeben und die reichen Menschen den Armen. Aus ihrer Sicht liegt es nur am Egoismus und am mangelnden guten Willen der Reichen, wenn es immer noch so viele Arme gibt. In der Tat basierte in früheren Gesellschaften Reichtum oft auf Raub – die einen bereicherten sich auf Kosten der anderen. Das Marktsystem funktioniert dagegen vollkommen anders. Es beruht darauf, dass derjenige reich wird, der die Bedürfnisse von möglichst vielen Konsumenten befriedigt. Das ist die Logik des Marktes.

Wenn Sie sich die Liste der reichsten Menschen der Welt anschauen, dann sehen Sie, dass diese Menschen nicht dadurch reich geworden sind, dass sie anderen etwas weggenommen haben, sondern weil sie als Unternehmer einen großen Nutzen für die gesamte Gesellschaft gestiftet haben.

Den Lebensweg von Bill Gates, Warren Buffett, Mark Zuckerberg, Larry Ellison, Larry Page und Sergey Brin stelle ich in meinem Buch “Setze dir größere Ziele”:https://www.amazon.de/Setze-gr%C3%B6%C3%9Fere-Ziele-erfolgreicher-Pers%C3%B6nlichkeiten/dp/3868815600/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1512295547&sr=1-2&refinements=p_27%3ARainer+Zitelmann dar.

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