Reiche Gutmenschen, die höhere Steuern fordern

von Rainer Zitelmann18.11.2017Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Immer mal wieder melden sich Reiche zu Wort, die lautstark höhere Steuern für Reiche fordern. Was ist der Hintergrund?

Es gibt einen alten Grundsatz für Journalisten: „Hund beißt Briefträger ist keine Nachricht, Briefträger beißt Hund, ist eine.“ Und so darf man sich nicht wundern, dass Medien geradezu darauf fliegen, wenn sich mal wieder ein Reicher zu Wort meldet, der über andere Reiche herzieht und sich für Steuererhöhungen einsetzt. Mit einem dieser Vertreter hatte ich eine Diskussion bei Maischberger. Der Immobilienunternehmer Josef Rick fordert schon seit Jahren immer wieder höhere Steuern für Reiche und hatte im Bundestagswahlkampf 2013 öffentlich das Steuer-Wahlprogramm der Grünen unterstützt, die allerdings gerade wegen diesem radikalen Steuererhöhungsprogramm eine herbe Niederlage erlitten.

Was bewegt Reiche, gegen Kapitalismus und Reiche und für höhere Steuern zu fechten? Vielleicht kann man das am Fall des Milliardärs George Soros erläutern, der sicherlich der bekannteste reiche Antikapitalist ist.

Der Fall Soros

Soros wurde berühmt als der Mann, der die Bank von England durch gigantische Währungsspekulationen gegen das Pfund in die Knie zwang und damit Milliarden verdiente. Er gehört zu den reichsten Männern der Welt. Sein Leben lang, so zeigt sein Biograf Robert Slater in einer lesenswerten Biografie, wollte Soros eigentlich lieber Philosoph sein und lechzte geradezu nach Anerkennung als intellektueller Denker. Diese Anerkennung blieb ihm jedoch stets versagt, trotz zahlreicher – aus meiner Sicht eher wirrer – Bücher, in denen er sich als Philosoph gerierte. Ich bezweifle, dass auch nur eines dieser Bücher gedruckt worden wäre, wenn er sich nicht einen Namen als Finanzspekulant gemacht hätte.

Soros wurde in Ungarn geboren, verließ das Land im Alter von 17 Jahren und schrieb sich an der London School of Ecnomics ein, wo er unter anderem Karl Popper hörte. Er wollte damals Gesellschaftsphilosoph oder Journalist werden und der Welt wichtige Erkenntnisse vermitteln – „so wie Freud oder Einstein“. Doch er war in dieser Hinsicht nie erfolgreich. Er selbst bezeichnet sich als „gescheiterter Philosoph“.

Soros fördert seit Jahrzehnten linke Initiativen in Amerika und vielen anderen Ländern und macht immer wieder Schlagzeilen mit Kapitalismuskritik und der Forderung, Reiche höher zu besteuern. Dass er Antikapitalismus predigt, obwohl er selbst Milliardär ist, hängt damit zusammen, dass ihm die Anerkennung der Intellektuellen so ungeheuer wichtig ist. Durch seine Theorien und Bücher konnte er diese Anerkennung nicht finden, denn die sind belanglos. Als Reicher hat man es sowieso verdammt schwer, von den Intellektuellen gemocht zu werden, die meistens links sind. Aber derjenige, der weit links steht, Antikapitalismus predigt, auf die Reichen schimpft und höhere Steuern fordert, kann trotz seines Reichtums auf ein wenig Anerkennung oder wenigstens Beachtung durch die überwiegend antikapitalistisch gesinnten Intellektuellen hoffen. Die richtige (also linke) Gesinnung kann manches andere ausgleichen, so auch fehlende intellektuelle Brillanz oder den „Makel“ eines Milliardenvermögens.

Gutmensch zu sein, kostet nichts

Der Vorteil: Wenn ein Reicher hohe Steuern für Reiche fordert, dann bekommt er damit viel Aufmerksamkeit, so wie Soros oder mein Diskussionspartner bei Maischberger. Man kann weiter in Seelenruhe alle Steuervorteile nutzen und im kapitalistischen Spiel mitspielen, dabei gleichzeitig für andere Reiche fordern, die sollten höhere Steuern zahlen. Das ist zwar irgendwie schizophren, aber von linken Medien wird man gerne als Beispiel dafür zitiert, dass „die Reichen“ angeblich selbst eingesehen hätten, sie würden zu wenig Steuern zahlen. Reicher Gutmensch zu sein kostet also nichts, bringt aber eine Menge Publizität. Aus Sicht eines Investors ein gutes Geschäft: Es kostet mich nichts, antikapitalistische Sprüche zu klopfen, aber ich bekomme dafür wenigstens ein bisschen Sympathie und Aufmerksamkeit von Intellektuellen und den Medien. Ich kann zudem klammheimlich hoffen, dass meine Forderungen nicht erfüllt werden. Bezeichnenderweise sind diese „Wasser-predigen-und-Wein-trinken“-Reichen oft entweder Erben (so wie der linke Zigarettenerbe Jan Philipp Reemtsma oder Jakob Augstein) oder Menschen, die bereits reich geworden sind. Auf dem Weg zum selbst erarbeiteten Reichtum kommen die wenigstens auf die Idee, höhere Steuern zu fordern. Ernüchternd muss es für diese Anti-Reichen-Reichen sein, wenn – wie bei der Maischberger-Sendung – die Doppelmoral aufgedeckt wird und sie gleichermaßen zum Gespött der Linken und der anderen Reichen werden.

Mehr dazu auch “hier”:http://www.focus.de/finanzen/videos/im-ard-talk-bei-maischberger-millionaer-gibt-zu-er-bringt-den-staat-ganz-legal-um-hohe-steuereinnahmen_id_7854622.html

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Frau Weidel: Was hat es zu bedeuten, dass ich per Google nur Schweigen der AfD zu dieser Frage vorfinde?

Nach dem Attentat in Halle hat Boris Palmer (Die Grünen) an Alice Weidel (AfD) einen Offenen Brief geschrieben und fragt: "Wäre es nicht notwendig, dass Sie zu dieser Tatsache eine politische Bewertung abgeben? Wie stehen Sie dazu, dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wieder zu Morden

Erdogan will die Tore bis Wien öffnen

Trumps wilder Rückzug aus Syrien macht Erdogan den Weg frei für seinen historischen Masterplan: Ein Eroberungsfeldzug zur Wiederherstellung des Osmanischen Reiches. Nicht nur die Kurden sind in Gefahr. Auch Europa droht gewaltiges Ungemach.

„Das Volk gegen seine Vertreter“ lautet Johnsons Devise

Der Mann hat keine Skrupel. Er agiert in einem bemerkenswert polemischen Wahlkampfmodus. Da wird das Florett der Rhetorik beiseitegelegt und zum rostigen Beil gegriffen. Boris Ziel sind Neuwahlen, weil er hofft, dass ihm die Wähler Recht geben und sich gegen ihre Vertreter im Unterhaus wenden werde

Fünf Gründe warum die Linkspartei an Geltungskraft verliert

Einst regierte die LINKE den Osten unisono und war als Kümmererpartei allgegenwärtig. Der deutsche Osten der Puls und die Partei seine Herzkammer. Doch die Windrichtung hat sich geändert, die Herzen auch: Die LINKE ist im Abschwung und verliert an Atem, ihr droht der Infarkt, wenn nicht gleich de

"Sag' mir, wo du stehst!"

Kann man den Klimawandel als ernstes Problem betrachten und trotzdem genervt sein von der allgegenwärtigen Klimapropaganda?

Der Islam und das linke Weltbild sollen mit allen Mitteln geschützt werden

Montag am frühen Abend im hessischen Limburg: Ein großer LKW steht vor der roten Ampel. Plötzlich reißt ein Mann (ca. 30 Jahre, Vollbart) die Fahrertür auf, starrt den LKW-Führer mit weit geöffneten Augen an. Dann zerrt er ihn mit Gewalt aus seinem Fahrzeug, setzt sich selbst rein und fährt

Mobile Sliding Menu