Mein Verhältnis zur französischen Sprache ähnelt dem zu meiner Frau. Ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht. Hans-Dietrich Genscher

Politisch unkorrekt ans Knie gefasst

Der Verteidigungsminister einer Atommacht tritt zurück, weil er vor 15 Jahren beim Dinner einer Frau ans Knie gefasst hat. Und die Grünen sorgen sich in Deutschland vor allem ums Insektensterben.

Leben wir in Absurdistan? Was werden nachfolgende Generationen denken, wenn sie später zufällig die Nachrichten dieser Woche lesen? Der britische Verteidigungsminister musste zurücktreten, weil er vor 15 Jahren einer Frau bei einem Dinner ans Knie gefasst hat. Die Frau hatte den Vorfall gelassen hingenommen und twitterte: “Meine Knie blieben intakt.” Doch die Hysterie der politisch Korrekten ist so irrational, dass das nicht zur Kenntnis genommen wird.

Und Großbritannien, das durch den Brexit wahrlich genug Probleme hat, befasst sich nun mit wirklichen oder vermeintlichen sexuellen Übergriffen seiner Politiker.

Zur gleichen Zeit in Deutschland: Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin erklärt Anton Hofreiter für die Grünen, wie entscheidend wichtig der Kampf gegen das Insektensterben sei. Dabei beruhen die Berichte über die sogenannte Studie zum Insektensterben auf wissenschaftlich überhaupt nicht tragfähigen Laien-Untersuchungen.

Wirkliche Probleme werden verdrängt

Was haben die Nachrichten über den Rücktritt des britischen Ministers und über das Insektensterben gemein? Wir befassen uns mit Scheinproblemen und verdrängen damit die wirklich wichtigen Fragen. Ich denke, die Mehrheit der Menschen sorgt sich weder darüber, wem der britische Verteidigungsminister vor 17 Jahren ans Knie gefasst hat noch über angeblich zu wenige Insekten in Deutschland. Haben wir keine anderen Probleme? In diesen Tagen wurde bekannt: In mehr als 320.000 Fällen haben Asylbewerber gegen ihre Asylbescheide geklagt, die allermeisten sind aussichtslos. Juristen nennen die Zunahme der Verfahren dramatisch, die Verwaltungsgerichte brechen zusammen, Bürger haben mit anderen Anliegen nur geringe Chancen, in einem vertretbaren Zeitraum zu ihrem Recht zu kommen. Eine andere Nachricht, die viel zu wenig diskutiert wurde: Die Verfolgung schwerer Kriminalität in unserer Hauptstadt ist nicht mehr gewährleistet. Richter und Staatsanwälte in Berlin schlugen kürzlich Alarm und warnten, dass Straftäter freigelassen werden müssten, weil die Justiz nicht mehr nachkommt und Prozesse innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Fristen nicht mehr möglich sind. Haben Sie gehört, dass sich die Grünen darüber aufgeregt oder gar Vorschläge gemacht hätten, wie diese Probleme gelöst werden können?

Die grünen Ideologen sind hervorragend darin, Scheinprobleme zu erfinden, die so groß aufgeblasen werden, dass die wirklich brennenden Probleme nicht mehr angemessen diskutiert und erst recht nicht gelöst werden. Die Grünen und ihre Ideologie sind keinerlei Bereicherung für Deutschland, wie es jetzt in vielen pro Jamaika-Kommentaren heißt, sondern eines unserer größten Probleme.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Verdienen Manager zu viel?

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