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Joschka Fischer: AfD sind die Nazi-Opas

Joschka Fischer sieht die AfD in der Tradition der NSDAP. Seine Diagnose: Die „Nazi-Opas“ sind wieder da.

Einer meiner letzten Jamaika-Artikel trug die Überschrift: „Wer nichts mehr zu melden hat, meldet sich zu Wort.“ Joschka Fischer, einst Kader beim „Revolutionären Kampf“ in Frankfurt und Straßenkämpfer, später Außenminister für die Grünen, meldet sich nun auch zu Wort. Im SPIEGEL-Interview protestiert er gegen die Formulierung des Interviewers, der die AfD als „Rechtspopulisten“ bezeichnet. Die AfD, so Fischer, sei eine Nazi-Partei in der Tradition der NSDAP.

Bilder vom zerstörten Köln

Wenn er die Reden von AfD-Funktionären höre, habe er „immer das Bild des zerstörten Köln vor Augen, aus dem der Dom herausragt. Man kann heute nicht einfach sagen: Ich wusste das nicht, ich war frustriert. Wir wissen doch, wie dieser Film endet.“ Bei der AfD handelt es sich laut Fischer schlicht um „Nazi-Opas“, wie er sie bereits in den 50er-Jahren kennengelernt habe, als er mit „Nazi Opas“ konfrontiert wurde, die stolz waren, bei der SS dabei gewesen zu sein. Diese Nazi-Opas seien „ja offensichtlich wieder da“.

DER SPIEGEL wirft ein, ob Angela Merkel die AfD nicht ermöglicht habe, indem sie die CDU zu weit nach links gerückt habe. „Nein, nein, nein“ meint Fischer. Er selbst, so Fischer, habe keine Erklärung für den Aufstieg der AfD: „Es gibt Überzeugungen, die sich nicht erklären lassen.“ Eines weiß er jedoch sicher: „Spätestens seit 2015 und dem Ankommen der Flüchtlinge ist klar, dass die Zeit des sich immer mehrenden Sonnenscheins über unserem lieben Vaterland zu Ende geht.“ Bei Fischer klingt das so, als freue ihn das, zumal das „liebe Vaterland“ bei ihm ein negativer Begriff ist.

Der 68er-Opa

Ich selbst sehe die AfD kritisch, was mir regelmäßig den Unmut rechter Leserbriefschreiber einbringt, für die jeder, der nicht AfD wählt, entweder völlig verblendet oder Teil einer gigantischen Verschwörung ist. Aber ich bin auch Historiker und habe über Adolf Hitler promoviert. Daher halte ich nichts von primitiven Nazi-Analogien. Beim Lesen des Interviews hatte ich eher den Eindruck, dass Joschka Fischer der Opa ist, der 68er-Opa, der es sich sehr einfach macht und die Nazi-Keule schwingt.

In diesen Tagen habe ich das neue Buch „Wer sind die Neuen Rechten?“ von Thomas Wagner gelesen. Er schreibt hier, dass „bewährte Kampfmittel ‚gegen rechts’ zunehmend ins Leere laufen. Leute, die sich als Nazi-Gegner darzustellen wissen und nach mehr Bürgerbeteiligung rufen, lassen sich schwerlich als Anhänger einer faschistischen Diktatur stigmatisieren. Wer das versucht, beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit.“ Der das schreibt, ist kein Rechter, im Gegenteil. Er steht weit links, war Literaturredakteur der linken „jungen welt“ und bekam einen Preis der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die der Partei „Die Linke“ nahesteht. Aber im Unterschied zu Fischer weiß Wagner, wovon er spricht, denn er hat für sein Buch mit führenden Vertretern der Neuen Rechten gesprochen. Fischer sollte sich mal Gedanken machen, ob er und seine Freunde mit der naiven Multikulti-Utopie nicht mit die Grundlage dafür gelegt haben, dass das Pendel jetzt in die andere Richtung ausschlägt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Den Bullen die Köppe einhauen oder die Fingerlein?

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