Vertrauen in deutsche Autos verloren?

Rainer Zitelmann20.09.2017Wirtschaft

Kein Interview mit Cem Özdemir, in dem er nicht warnt, die deutsche Autoindustrie habe das Vertrauen der Kunden verspielt. Hat er Recht? Allensbach hat dazu eine Befragung gemacht.

Den Befragten wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach folgende Frage vorgelegt: „Neulich sagte jemand: ‚Diese ganzen Skandale um manipulierte Abgaswerte sind wirklich ärgerlich. Aber trotzdem hat sich an meinem Vertrauen in die Qualität deutscher Autos nichts geändert.’ Geht Ihnen das auch so, also dass Sie trotz der Skandale grundsätzlich Vertrauen in die Qualität deutscher Autos haben, oder haben Sie das Vertrauen in die Qualität deutscher Autos verloren.“ 61 Prozent der Autofahrer erklärten, an ihrem Vertrauen habe sich nichts geändert, 27 Prozent verneinten dies (der Rest war unentschieden).

0,7% ändern Kaufverhalten wegen Skandal

Von den Befragten, die bisher schon ein deutsches Auto fahren, erklärten 73 Prozent, sie würden wieder ein deutsches Auto kaufen. Nur 0,7 Prozent der Befragten sagten, sie würden das wegen des Abgasskandals nicht tun. Der Rest der Befragten war unentschieden oder würde aus anderen Gründen, die nichts mit dem Abgasskandal zu tun haben, ein ausländisches Fabrikat kaufen.

Auch in der Gesamtbevölkerung – also bei Autofahrern und Nicht-Autofahrern – überwiegt das Vertrauen mit 56 Prozent gegenüber 28 Prozent, die Vertrauen verloren haben. Große Unterschiede gibt es je nach Haushaltseinkommen: Während bei den Besserverdienenden mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3000 Euro 64 Prozent in deutsche Autos vertrauen, sind es bei Personen mit einem Haushaltseinkommen unter 1750 Euro nur 46 Prozent.

Self-fulfilling prophecy?

Das alles sind gute Nachrichten für die Automobilindustrie. Noch haben die Käufer das Vertrauen – entgegen anderen Behauptungen – mehrheitlich nicht verloren. Doch ich fürchte, Grüne und andere Politiker reden das herbei, was sie (angeblich) befürchten. Die Fragestellung hat Auswirkungen auf die Antwor-ten, wie wir generell aus der Meinungsforschung wissen. Allensbach legte den Befragten daher noch folgendes Statement vor: „Nach diesen ganzen Skandalen um manipulierte Abgaswerte bin ich nicht mehr sicher, ob man der Qualität deutscher Autos noch vertrauen kann.“ Fragt man so, dann antworten 44 Prozent, am Vertrauen in die Qualität deutscher Autos habe sich im Großen und Ganzen nichts geändert, aber 44 Prozent sagen auch, es habe sich etwas geändert (der Rest ist unentschieden).

Natürlich haben Autohersteller wie VW selbst Schuld daran, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es den Grünen Freude macht, das Auto, das sie schon immer abgelehnt haben, schlecht zu reden und aktiv dazu beizutragen, das Vertrauen weiter zu untergraben. Wenn Grüne Krokodilstränen über verlorenes Vertrauen in deutsche Autokonzerne vergießen, dann erin-nert mich das an den Dieb, der ruft: „Haltet den Dieb!“ Die Grünen kritisieren ja nicht nur den Abgasskandal, sondern behaupten, ganz generell verfolgten die Hersteller eine verfehlte Produktpolitik, seien unfähig und hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Daher müsse der Staat jetzt massiv eingreifen, um nach der Energiewende nun auch die „Mobilitätswende“ einzuleiten.

Auto-Planwirtschaft?

SPD, Grüne und Linke fordern deshalb Quoten für Elektroautos bzw. ein festes Enddatum, nachdem keine Fahrzeuge mehr mit Verbrennungsmotoren verkauft werden dürfen. Kretschmann steht allein gegen seine Parteifreude, deren Forderung er schwachsinnig findet.

Eine Quote für Elektroautos oder andere politische Vorgaben an die Autoindust-rie wird laut der oben zitierten Umfrage von der Hälfte der Befragten abgelehnt, 39 Prozent befürworten solche Vorgaben. 50 Prozent stimmten der Aussage zu: „Es ist nicht die Aufgabe der Politik, Quoten für bestimmte Autos festzulegen. Am Ende sollten allein die Autokäufer entscheiden, welche Antriebsart sie kaufen und dadurch, welche Antriebsarten sich durchsetzen.“

Interessanterweise findet diese Aussage bei ostdeutschen Befragten deutlich größere Zustimmung (56,9 Prozent) als bei Bürgern der alten Bundesländer (48,4 Prozent). Vielleicht erinnern sich manche noch an die Zeiten der Planwirtschaft, als man in der DDR 12 bis 15 Jahre auf seinen Trabi warten muss…

Die Befragung habe ich zusammen mit dem Unternehmer Theo Müller bei Allensbach in Auftrag gegeben, weil mich die Frage beschäftigt, wie sich das Image der Automobilindustrie geändert hat. Und da ich und Theo Müller keinerlei wirtschaftliche oder persönliche Beziehungen zur Autoindustrie haben, kann uns niemand eigene Interessen unterstellen.

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