Grüne träumen von Planwirtschaft für die Autoindustrie

von Rainer Zitelmann7.08.2017Innenpolitik, Wirtschaft

Cem Özdemir im Sommerinterview im ZDF: Die Grünen seien die Einzigen, die noch dafür kämpften, dass in Zukunft Autos in Deutschland gebaut würden. Da die Automanager versagt hätten, solle künftig eine bei der Regierung angesiedelte „Zukunftskommission“ entscheiden, welche Autos produziert werden.

Cem Özdemir, von Beruf Erzieher mit der Zusatzqualifikation eines Sozialpädagogik-Studiums an einer Fachhochschule, weiß alles besser als die Vorstände der deutschen Automobilkonzerne. Den anderen Parteien warf er am Sonntag im ZDF-Sommerinterview vor, sie verstünden sich als „Dienstleister“ der Automobilbranche, er selbst sehe sich bzw. die Grünen als „Antreiber“ der Autobranche.

Besserwisser

Besserwisserisch verteilt er im Sommerinterview Noten. Gnädig konzediert der grüne Spitzenkandidat den deutschen Autobauern, er habe den Eindruck, „die wachen langsam auf“. Aber trotzdem weiß er natürlich besser Bescheid: Daimler habe sich an Tesla beteiligt: „Große Fehlentscheidung, da auszusteigen“, meint Deutschlands führender Autoexperte und Unternehmensberater Cem Özdemir. Die Grünen, so fügt er hinzu, seien „die Einzigen, die gegenwärtig wirklich dafür kämpfen, dass wir auch in Zukunft in Deutschland Autos bauen werden“. Kein Wunder, dass bei Umfragen die Menschen angeben, ihnen gehe vor allem die grüne Besserwisserei und Bevormundung auf die Nerven.

Die Zukunftskommission

Aber wie die Autos gebaut werden, das soll eben künftig nicht mehr in den Unternehmen bzw. von den Verbrauchern entschieden werden, sondern in einer „Zukunftskommission“, die direkt bei der Bundesregierung angesiedelt sein solle: „Lasst uns ne Zukunftskommission einsetzen mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wissenschaft, Verbraucherverbänden. Und da diskutieren wir über das Auto von morgen. Unter Leitung im Kanzleramt. Und da legen wir fest, was wir brauchen für die Verkehrswende.“ Als Vorbild nannte er die Energiewirtschaft – die ja bekanntlich in Deutschland inzwischen ebenfalls planwirtschaftlich dirigiert wird.
Wir hatten in Deutschland schon einmal eine staatliche Planungskommission, die besser wusste als der Markt (d.h. die Verbraucher), welche Autos zukunftsfähig seien. Herausgekommen ist dabei der „Trabant“, auf den man allerdings in der DDR 12 – 17 Jahre warten musste, während der Verbraucher in der Bundesrepublik jeden Tag ins Autohaus gehen konnte und kann und selbst entscheidet, welches Auto er für zukunftsfähig hält. Mit ihm entscheiden das Millionen andere Verbraucher, beispielsweise in China. Die alle wissen natürlich nicht so gut Bescheid wie der Sozialpädagoge Cem Özdemir, der die verschlafene deutsche Automobilindustrie aufwecken muss und in einer staatlichen Zukunftskommission festlegen will, welche Autos gebaut werden sollen.

So funktioniert Marktwirtschaft, Herr Özdemir

Verstehen wir in Deutschland noch, was Marktwirtschaft heißt? Merkel wollte bis 2020 eine Million Elektroautos, dafür gab es kräftige Subventionen. Letztes Jahr haben trotz dieser Zuschüsse aus der Staatskasse nur 25.502 Deutsche ein Elektroauto gekauft, dieses Jahr bislang 34.022. Selbst Merkel musste inzwischen einsehen, dass ihr Planziel von 1 Million Elektroautos bis 2020 nicht aufgeht. Macht nichts, Frau Merkel! Ulbricht und Honecker haben ihr Planziel, die Bundesrepublik wirtschaftlich einzuholen und zu überholen auch 40 Jahre lang immer wieder verfehlt.

Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Die Verbraucher haben entschieden, was sie wollen. Und wenn sie künftig irgendwann Elektroautos wollen, dann werden sie das wieder entscheiden. Und hoffentlich nicht die grüne Zukunftskommission unter Leitung von Merkel und Özdemir, die Planziele für die Unternehmen festlegt.

Kürzlich erschienen, überall besprochen und “beachtet”:http://zitelmann-autobiografie.de/

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