Linke Gewalttäter: „Die unmögliche Tatsache“

Rainer Zitelmann10.07.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Es gehört zum Ritual, dass uns Politiker von SPD, Grünen und Linken so-wie linke Medien nach gewalttätigen Demonstrationen und Randale von linken Autonomen weiß machen wollen, die Täter seien „unpolitisch“ und auf keinen Fall links.

Sigmar Gabriel (SPD) erklärt am Sonntag in einem Kommentar in BILD: „Alle angeblichen politischen Motive für diese Orgie an Brutalität sind verlogen und sollen nur das Deckmäntelchen dafür sein, worum es den Tätern aus allen Teilen Europas ging: um Gewalt an sich… Mit angeblich ‚linken Motiven’ hat das alles nichts zu tun.“ Nach dieser Interpretation waren die Randalierer also keine Linksextremisten, sondern es waren jugendliche Schläger, die einfach nur Freude an der Gewaltausübung um ihrer selbst gehabt hatten, ähnlich wie vielleicht manche Hooligans bei Fußballspielen.

Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag, sagte Sonntag in der ARD: „Ich will auch gar nicht von Linksterror sprechen. Das hat mit Links nichts, aber auch gar nichts zu tun. Links steht für Gerechtigkeit und Solidarität.“ Und SPD-Kanzlerkandidat Schulz stimmt ein: „Wer das links nennt, hat nicht kapiert, was links ist“, so konnte man ihn heute im ARD-Frühstücksfernsehen hören.

Auch in der Berliner Rigaer Straße kommt es regelmäßig zu Gewaltexzessen von linken Autonomen. Innensenator Geisel (SPD) verurteilte diese Übergriffe als “sinnlos, menschenverachtend und unpolitisch”.

taz: „unpolitischer Mob“

In der linksalternativen taz wird am Sonntag spekuliert, dass die CDU Nutznie-ßerin der Randale sei, die natürlich auch als „unpolitisch“ bewertet wird: „An den politischen Beschlüssen wird es also nicht liegen, wenn Merkel wie erhofft im Wahlkampf vom G20-Treffen profitieren wird. Sondern an den massiven Krawallen am Rande des Gipfels… Denn mit ihrem Dank an die Polizisten, die in Hamburg wirklich harte Tage erlebt haben, und der Ankündigung, jene Menschen finanziell zu entschädigen, deren Autos angezündet oder Läden geplün-dert wurden, dürfte Merkel viel Sympathiepunkte gesammelt haben – auch bei jenen, die sowohl den Gipfel als auch den Polizeieinsatz eigentlich kritisch sehen. Dieser ‚Erfolg’, der die inhaltliche Leere überdeckt, geht allein auf das Konto des unpolitischen, kriminellen Mobs, der auf Hamburgs Straßen wütete.“

„Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“

Warum legen linke Politiker und Medien so viel Wert darauf, zu erklären, dass die Randalierer „unpolitisch“ und jedenfalls nicht „links“ seien? Weil „links“ nun einmal „gut“ ist, und deshalb kann und darf es keine linken Gewalttäter geben. Wenn „links“ automatisch für Humanität, Menschenliebe, Fortschritt und ganz allgemein für alle guten und edlen Absichten steht, dann kann natürlich gewalttätige Randale niemals „links“ sein.

In der Logik gleicht dies dem, was Christian Morgenstern Palmström in seinem schönen Gedicht „Die unmögliche Tatsache“ folgern lässt:

Und er kommt zu dem Ergebnis:
‚Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil’, so schließt er messerscharf,
‚nicht sein kann, was nicht sein darf.’

Genau dieser Logik folgte beispielsweise ein Artikel in der taz im August 2012 nach gewaltsamen Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel. Als Beleg dafür, dass es sich nicht um Linke handeln könne, wird die Beobachtung einer Anwohnerin angeführt wird, die Randalierer hätten „soviel Hass im Gesicht ge-habt“. Auch die Tatsache, dass sie linke Parolen gerufen hätten, spräche nicht dafür, dass es sich um linke Autonome handle. Wörtlich hieß es in dem taz-Artikel:

„Ab 23:30 Uhr begannen schwarz gekleidete Vermummte – junge Erwachsene und ältere Frauen – Feuer auf der Straße vor der Roten Flora zu legen. Sie ver-suchten auch, einen Baum direkt an der Flora anzuzünden. ‚Die hatten soviel Hass im Gesicht, das waren keine Linken’, sagt eine Anwohnerin…. Auch wenn linke Parolen gerufen wurden, ging es den allermeisten um den Gewaltexzess, nicht um Politik. Vielen stand blanker Hass ins Gesicht geschrieben.“ So weit die taz.

Faschistisch?

Nicht nur in linken Medien, auch in der bürgerlichen Presse werden die Gewalt-täter als „Faschisten“ bezeichnet, obwohl diese sich als Kommunisten oder A-narchisten verstehen. Auch dahinter verbirgt sich die Meinung, extreme Gewalt könne bzw. müsse stets „rechts“ sein. Nein. Gewalttäter gab es in der Ge-schichte im gleichen Maße von rechts und von links. Oder waren Stalin, Mao und Pol Pot, die Abermillionen Menschen umbringen ließen, in Wahrheit auch „unpolitische“ Gewalttäter oder aber „Faschisten“? Nein, sie waren nicht unpoli-tisch und sie waren auch keine Faschisten, sondern sie waren Kommunisten, linke Diktatoren. Gewalt ist in totalitären Ideologien schon angelegt – egal ob diese links oder rechts sind.

“Wie ich selbst vom Maoisten zum FDP-Anhänger wurde, lesen Sie in meinem soeben erschienenen Buch”:http://www.zitelmann-autobiografie.de

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