Eine zarte Seele ist Voraussetzung für erfolgreiche Politik. Anton Hofreiter

Angst? Wut und Abscheu!

ANGST – dieses Wort prangt heute in riesigen Buchstaben auf der BILD-Zeitung. Meine Empfindung ist anders: Trauer, aber auch Wut. Und Abscheu.

Dass ich keine Angst habe vor einem Terroranschlag, liegt wohl daran, dass ich gar nicht dazu neige, mich vor Dingen zu ängstigen, die statistisch gesehen extrem unwahrscheinlich sind. Dazu gehören Flugzeugabstürze ebenso wie Terroranschläge. Studien zeigen, so Gerd Gigerenzer, der sich wissenschaftlich mit Risikowahrnehmung befasst hat, „dass viele Menschen fürchten, was sie wahrscheinlich nie verletzen oder töten wird, während sie fröhlich gefährlichen Verhaltensweisen frönen“. Oft werden Risiken als enorm hoch eingeschätzt, wenn Medien groß über sie berichten. Andere, alltägliche Risiken, die ungleich höher sind, werden dagegen erheblich unterschätzt. Das Risiko, einen Unfall zu erleiden, wenn man beim Autofahren telefoniert oder Whatsapp-Nachrichten schreibt, ist vermutlich mehrere Tausend Mal höher als das Risiko, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen.

Alle therapieren?

Was empfinde ich nach Terroranschlägen? Zuerst Trauer. Und Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen. Aber auch eine Wut, die immer größer wird. Gestern in der Talkshow bei Maybrit Illner räsonierte eine Psychologin wortgewandt über die schlimmen und traumatisierenden Gewalterfahrungen, die diese Terroristen in ihrer Kindheit und ihren Heimatländern erlebt haben. Sie will alle psychotherapeutisch behandeln. Dafür müsse viel mehr Geld her. Arbeitsbeschaffung für sie und ihre Kollegen.

Was kriminelle Fanatiker dazu bringt, auf eine Familie mit einer Axt einzuschlagen oder Menschen auf einem Weihnachtsmarkt mit einem LKW zu überfahren, will ich nicht verstehen. Als ich heute hörte, dass der mutmaßliche Täter von Berlin jemand war, den man als „Gefährder“ bereits kannte, war ich empört. Können wir es uns erlauben, 550 „Gefährder“ in Deutschland frei herumlaufen zu lassen? Oder Tausende Sicherheitsleute abzustellen, um ihnen auf Schritt und Tritt zu folgen – was dann offenbar doch nicht gelingt? Das sind Gedanken, die mir in den Kopf kommen. Und ich gebe zu: Ich kann die Fotos der Terroristen nicht mehr sehen. Ich empfinde weder Angst noch kommt mir der Gedanke, man müsse sie alle therapieren. Ich empfinde Wut und Abscheu.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Verdienen Manager zu viel?

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