Der Euro wird eine Schwachwährung

Rainer Zitelmann17.12.2016Europa, Politik, Wirtschaft

Schon bei Beginn der Euro-Rettung habe ich die These vertreten, entweder werde der Euro dauerhaft nicht bestehen oder er werde zu einer Schwachwährung. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Die Zinsentscheidungen der Fed und der EZB haben gezeigt, dass die Fed kann, was die EZB nicht kann – Zinsen anheben.

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Der Unterschied zwischen den USA und Europa ist ganz einfach: Die Fed kann, wie sie jetzt bewiesen hat, die Zinsen anheben, ohne dass sofort eine massive negative Marktreaktion erfolgt. Die EZB kann das nicht. Im Gegenteil. Ihre Politik wird immer verrückter. Damit sie weiter im großen Stil Anleihen der Südländer kaufen kann, wurden jetzt abermals die Regeln geändert: Die EZB darf jetzt auch Anleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr sowie Papiere kaufen, deren Rendite unter dem Einlagenzins von 0,4 Prozent liegt. Darüber hinaus kauft sie schon seit einiger Zeit im großen Stil Unternehmensanleihen, so dass die Preise hier auch völlig verzerrt sind. Langfristig wird sich zeigen: Wer den Markt austricksen will, wird verlieren. Der Markt ist dauerhaft ehrlicher und stärker als Zentralbanken und die Politik.

Zinssenkungen im Euroraum – Einbahnstraße

Die Renditen für spanische, französische und italienische Anleihen sind durch die Käufe der EZB künstlich auf ein viel zu niedriges Niveau gesenkt worden, das nicht einmal mehr annähernd die tatsächlichen Risiken reflektiert. Würde die EZB – so wie es die Fed jetzt getan hat – die Zinsen anheben, dann würden die Renditen der Anleihen dieser Länder in die Höhe schnellen und diese Länder wären nicht mehr in der Lage, sich zu refinanzieren. Die Politik der Zinssenkung durch die EZB ist daher, wie ich immer wieder geschrieben habe, eine Einbahnstraße. Zumindest für die nächsten Jahre.

Der Euro wird nicht sein oder er wird schwach sein

Bereits im Oktober 2012 überschrieb ich meine Finanzkolumne zur Zukunft der europäischen Währung: „Der Euro wird nicht sein oder er wird schwach sein.“ Als ich das schrieb, stand der Euro bei 1,31. Nach der jüngsten Entscheidung der Fed sank er zeitweise unter die Marke von 1,04. Das heißt: Der Euro ist, seitdem ich diese Prognose wagte, um über 20 Prozent gefallen. Wer meiner Empfehlung, die ich schon vor Jahren gegeben habe, nämlich einen erheblichen Teil des Vermögens im US-Dollar anzulegen, gefolgt ist, wird es also nicht bereut haben.

Ratschläge der Vergangenheit

In den vergangenen 10 – 15 Jahren habe ich in meinen Finanzkolumnen drei Ratschläge gegeben:

1. Wohnimmobilien in Berlin kaufen.

2. Einen Teil des Vermögens im Dollar anlegen.

3. Gold kaufen

Die Wohnimmobilienpreise in Berlin haben sich teilweise vervielfacht, weil die Multiplikatoren und die Mieten gleichzeitig gestiegen sind.
Der Dollar ist erheblich gestiegen – dies spiegelt auch die Schwäche des Euro wider.

Und das Gold? In den Jahren 2003 und 2004 war der Goldpreis stagniert oder ganz leicht gefallen, auf etwa 320 Euro für die Unze. Damals kaufte ich Gold und empfahl das auch. Heute liegt der Goldpreis in Euro mehr als drei Mal höher als damals (über 1000 Euro) – trotz einiger Aufs und Abs in den vergangenen Jahren. Wer in Euro rechnet, profitiert beim Gold auch vom steigenden Dollar.

Wie lautet meine Strategie heute?

– Ich behalte meine Berliner Immobilien, soweit sie noch nicht aus der Spekulationsfrist heraus sind – die anderen habe ich überwiegend verkauft.

– Ich behalte mein Gold – als Versicherung gegen einen Finanzcrash.

– Ich bleibe dabei, mehr als ein Drittel des Vermögens im Dollar anzulegen.

– Ansonsten habe ich Geld geparkt – in kurz laufenden (!!) deutschen und amerikanischen Staatsanleihen. Als richtig herausgestellt hat es sich dabei, auch inflationsindexierte Anleihen zu kaufen, denn schon der geringe Anstieg der Inflation hat dazu geführt, dass diese besser rentieren als normale Anleihen.

Das Klügste ist, zu warten, bis negative Marktereignisse wieder die Gelegenheit für Investments geben. Wann das sein wird, weiß niemand. Der private Anleger muss nicht ständig irgendetwas tun. Nichts zu tun ist manchmal das beste Rezept.

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