Es können Brücken gebaut werden zwischen Müsli-Essern, Wertkonservativen und Brioni-Trägern. Peter Müller

So lächerlich macht sich Merkel

Eine lächerliche Inszenierung: Merkel lässt jetzt jeden Tag ihre Fans in der Union Bittgesänge anstimmen: „Tu es noch einmal! Erkläre endlich, dass du wieder unsere Kanzlerkandidatin wirst.“

Vorgestern ereilte uns die wichtige Meldung, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, habe erklärt: „Wenn Angela Merkel bereit ist, erneut als Bundeskanzlerin zu kandidieren, hat sie meine volle Unterstützung.“ Ob nun der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber oder der ansonsten in Deutschland weithin unbekannte CSU-Vize Manfred Weber: Alle posaunen es lautstark heraus, Merkel solle noch einmal antreten. Die Kanzlerin dachte, es sei geschickt, wegen des Streits mit der CSU zuerst einige CSU-Politiker vorzuschicken.

Und nun, als Krönung des Ganzen, erreichte uns gestern die wichtige Meldung, die Thüringer CDU bereite für den nächsten Bundesparteitag einen Antrag mit einem Appell an Merkel vor, erneut für das Amt der Parteivorsitzenden anzutreten. Und Merkels CDU-Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern, der der Kanzlerin gerade erst eine vernichtende und demütigende Wahlschlappe auf dem zweiten Platz hinter der AfD zu verdanken hat, rief Merkel demonstrativ zu einer erneuten Kandidatur auf.

Damit will Merkel zeigen: Ob nun die bayerische CSU, die sonst kein gutes Haar an ihr gelassen hat oder der eigene Landesverband, der ihrer Flüchtlingspolitik die verheerende Wahlschlappe (19 Prozent) zu verdanken hat: Alle rufen verzweifelt nach „Angie“ und flehen sie geradezu an, ihre Kandidatur zu erklären.

Wer an Spontaneität glaubt, ist naiv

Wer hier an Spontaneität glaubt, ist ebenso naiv wie der, der die Inszenierung auf dem letzten Bundesparteitag der Union nicht als solche durchschaut hat, auf dem Merkel mit stehenden, neun Minuten langen Ovationen gefeiert wurde – so wie Erich Honecker in seiner Endzeit.

Mag sein, dass es für die Union keine Alternative zu Merkel gibt. Leider ist Wolfgang Bosbach schwer krank und total frustriert abgetreten. Er könnte nicht nur der AfD Wähler abspenstig machen und für die Union zurückgewinnen. Vor allem würde er eine sehr viel bessere Politik für Deutschland machen.

Dass Merkel „alternativlos“ ist, dafür hat sie selbst gesorgt, indem sie in ihrer Regierungszeit erstens alle fähigen Politiker (wie etwa Friedrich Merz) weggebissen hat und zweitens eifersüchtig darauf bedacht war, dass sich keiner profiliert, der ihr irgendwann mal gefährlich werden könnte. Frei nach dem Motto: Unter Blinden ist der Einäugige König.

Merkel hat sich selbst „alternativlos“ gemacht

Und so ist es „alternativlos“, dass Merkel wieder für die Union antritt. Es scheint so, als seien weder Deutschland noch die Union von Merkel kuriert. Obwohl sie eindeutig der schlechteste Bundeskanzler in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist. Obwohl sie inzwischen jedweden Realitätsbezug verloren hat. Und obwohl sie in der Energiepolitik, in der Eurorettungspolitik und in der Flüchtlingskrise gezeigt hat, dass sie kein Verhältnis zum Rechtsstaat hat: Die meisten Deutschen wollen, dass Merkel weiter Kanzlerin bleibt. Und ihr ist es fast egal, mit wem sie regiert, solange sie nur an der Macht bleibt – ob nun mit der SPD oder mit den Grünen. Merkels Rezept für die Union hat sie erst vor wenigen Tagen verraten: Man solle die Blockflöten herausholen und in den Ortsverbänden wieder Kirchenlieder singen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dokumentation - Texte im Original, Herbert Ammon, The European Redaktion.

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