Merkels Afrikapolitik „zwischen Idealismus und Größenwahn“

Rainer Zitelmann19.10.2016Außenpolitik, Innenpolitik

Im aktuellen SPIEGEL findet sich ein ausgezeichneter Essay von Christiane Hoffmann, den ich jedem Leser zur Lektüre empfehle. „Die Idee hinter Merkels Politik ist eine Welt ohne Wohlstandsgefälle, ein Menschheitstraum.“

Die Autorin – sie ist stellvertretende Leiterin des Berliner Hauptstadtbüros des SPIEGEL – zitiert Merkels „neues Mantra“: „Das Wohl Afrikas liegt im deutschen Interesse.“ Das klinge zwar wie Realpolitik, aber dahinter stehe ein „gigantischer Anspruch“: „Merkel will dafür sorgen, dass die Afrikaner ihre Heimat künftig deshalb nicht mehr verlassen wollen, weil es ihnen dort gut geht. Deutschland soll Afrika in blühende Landschaften verwandeln. Es ist eine grandiose Aufgabe, eine Politik zwischen Idealismus und Größenwahn.“ Merkel habe als Anspruch nicht weniger formuliert als das Deutschland „einem Kontinent mit 1,2 Milliarden Einwohnern auf die Beine helfen“ sollte.

Ihre Vision vom „Wohle Afrikas“ sei ein politischer Gestaltungsanspruch, der weit über Deutschland und Europa hinausgehe. Die Autorin ist noch gnädig mit Merkel, wenn sie formuliert, dies wirke „leicht vermessen“. „Beim Streben nach dem Guten verliert man leicht den Blick für die Grenzen der Möglichkeiten.“

Merkel fühle sich inzwischen für Afrika in der gleichen Weise zuständig wie damals die Bundesregierung für die Bürger der DDR. „Merkel“, so der SPIEGEL-Essay, „versucht von Berlin aus Politik für die ganze Welt zu machen. Deutschland ist ihr zu klein.“ Und: „Die Idee hinter Merkels globaler Flüchtlingspolitik ist eine Welt ohne Wohlstandsgefälle.“

Merkels Vorgänger im Kanzleramt hätten stets die Beschränktheit der Rolle Deutschlands in der Welt anerkannt. „Das war dem historischen Erbe des nationalsozialistischen Herrschaftsanspruchs geschuldet; es war aber auch ein Anerkennen der Realität“, konstatiert die Autorin.

Wer diesen Artikel liest und ernst nimmt, muss meiner Meinung nach zwingend zu der Konsequenz gelangen, dass Merkel jedweden Realitätsbezug verloren hat. Von der allzu nüchternen Realistin, als die sie einstmals galt, hat sie eine eigenartige Metamorphose zur politischen Utopistin mit Welterlösungsphantasien durchgemacht.

Lesen Sie auch die “beiden”:http://www.theeuropean.de/rainer-zitelmann/11381-geldstroeme-loesen-nicht-das-armutsproblem anderen “Beiträge”:http://www.theeuropean.de/rainer-zitelmann/11392-afrika-politik-jetzt-retten-wir-einen-kontinent zum gleichen Thema

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