TUIfly-„Massenerkrankung“ kostet uns alle Milliarden

von Rainer Zitelmann7.10.2016Innenpolitik, Medien

Statt zu streiken, lässt sich ein Großteil der Crewmitglieder von TUIfly einfach krankschreiben. Die Gewerkschaft bestreitet ebenso energisch wie scheinheilig eine konzertierte Aktion und findet die Massenkrankschreibungen gut. Kein Wunder, denn die Streikkassen werden dadurch geschont. Uns allen aber entstehen über sieben Milliarden Euro Schaden durch diese gefälschten Krankschreibungen.

Macht das Beispiel bald Schule? Krank schreiben lassen anstatt zu streiken? Das Beispiel zeigt, wie unverantwortlich viele Ärzte mit der Krankschreibung umgehen. In diesem Fall ist ja sonnenklar, dass ein Großteil der „Patienten“ gar nicht krank ist. Haben die Ärzte das nicht erkannt? Oder schreiben sie allzu oft großzügig krank, weil sie befürchten, ansonsten einen Patienten zu verlieren? „Wenn ich es nicht mache, macht es ja der Kollege“, meinen sicher manche Ärzte.

Eine solche Haltung ist zwar angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Ärzte im planwirtschaftlichen Gesundheitssystem verstehbar. Dennoch: Ärzte verletzen damit eindeutig ihre Pflichten. Gefälligkeitskrankschreibungen sind illegal, aber an der Tagesordnung. Interessant wäre es, einmal zu erfahren, wie viele Wünsche nach Krankschreibung ohne Weiteres erfüllt werden, auch wenn der Arzt sich ziemlich sicher ist, dass es sich nicht um eine echte Krankheit handelt. Und interessant wäre es, mal herauszufinden, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden ist, der dadurch jedes Jahr entsteht.

Naturgemäß sind zuverlässige Zahlen kaum zu ermitteln. In Ländern wie Deutschland, so das Ergebnis einer Studie aus Norwegen, könnten sieben Prozent der Fehltage Ergebnis von Gefälligkeits-Krankschreibungen sein. Legt man diese Zahl zugrunde, dann entsteht jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden durch Gefälligkeits-Krankschreibungen in Deutschland in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Nach all den Medienberichten über die plötzliche „Massenerkrankung“ bei TUIfly hätten die Ärzte bei TUIfly-Crewmitgliedern besonders genau hinschauen müssen, ob es sich denn tatsächlich um eine Krankheit handelt.

Das Beispiel wird Schule machen

TUIfly musste heute fast alle Flüge streichen. Werden Arbeitnehmer oder Ärzte für den wirtschaftlichen Schaden, der durch die illegalen Krankschreibungen entsteht, zur Rechenschaft gezogen? Oder bleibt alles ohne Konsequenzen? Ich rechne damit: Es bleibt folgenlos. Und das Beispiel wird bald Schule machen, weil es die Streikkassen der Gewerkschaften schont.

Die Gewerkschaften versichern, bei den Krankschreibungen handle es sich keineswegs um eine konzertierte Aktion. Es heißt, die Mitarbeiter seien über die Pläne zum Konzernumbau so schockiert, dass eben auf einmal so viele krank geworden seien. Will man uns denn alle für dumm verkaufen? Dazu gehören jedoch bekanntlich zwei: Einer der einen für dumm verkaufen will und einer, der sich für dumm verkaufen lässt.

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