Schwere Wiedergeburt

von Rainer Nahrendorf23.02.2013Wirtschaft

Mindestlöhne, Abnahme prekärer Beschäftigung, Kräftemessen in Tarifkonflikten: Die Gewerkschaften sind so mächtig wie lange nicht mehr. Ver.di und Co. müssen sich trotzdem dringend selbst reformieren, sonst gilt für sie eine Boxerregel.

Der Skandal bei Amazon, Hungerlöhne im Niedriglohnsektor, Missbrauch von Werkverträgen – die Chronique scandaleuse belebt alte Ausbeuterklischees, schreit geradezu nach einer Gegenmacht, einer Schutzmacht der Lohnabhängigen, die kapitalistischen Auswüchsen ein Ende macht. Die Gewerkschaft Ver.di lässt an einigen Flughäfen ihre Muskeln spielen. Sie will das private Sicherheitspersonal aus dem Niedriglohnsektor herausholen. Die zweitgrößte DGB-Gewerkschaft ist kampferprobt. So schnell wird es nicht wieder ein bisschen Frieden geben.

Endlich nicht mehr in der Defensive

Das Kräftemessen ist der Auftakt zu härteren Tarifkonflikten. Schließlich werden nach den Fachkräften bald Arbeitskräfte generell knapp. Das kostet. Billigjobs sind Auslaufjobs. Mindestlöhne, neben den tariflichen auch staatliche, wird es noch in diesem Jahr in immer größerer Zahl geben. Der Slogan „Sozial ist, was Arbeit schafft“, zieht nicht mehr. Nur gute Arbeit ist gefragt. Möglichst so gute wie bei Daimler, wo die Beschäftigten für 2011 eine Ergebnisbeteiligung von 4.100 Euro erhielten.

Der Arbeitsmarkt wird zum „Verkäufermarkt“. Weil es schon jetzt vielerorts an qualifiziertem Nachwuchs mangelt, wird die Übernahme von Auszubildenden zum Selbstläufer,

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