Von den unzufriedensten Kunden kann man das meiste lernen. Bill Gates

Zeigt uns euer Geld

Euphorie führt zur Blase. Die Vorstellung, dass dieses Mal alles anders kommt, ist der wohl teuerste Irrglaube an der Börse. Der aktuelle Hype um Unternehmen wie Foursquare und LinkedIn zeigt, dass wohl erst die Erfahrung eines Crashes eine Rückkehr in die Realiät einleiten wird.

Ende der 90er-Jahre konnte man an der Börse alles kaufen, wo Internet draufstand. Das schnelle Geld war garantiert. Aktien aus Börsengängen kamen zu Mondpreisen auf den Markt und verdoppelten sich oft schon am Ausgabetag. Börsianer träumten damals davon, „einmal im Leben“ eine Aktie wie EM.TV der Gebrüder Haffa zu kaufen.

Zur Erinnerung: Die EM.TV-Aktie legte in der Spitze von umgerechnet 0,36 Euro Ausgabepreis auf 120 Euro zu. Das Ende von EM.TV: Die Gebrüder Haffa wurden „wegen unrichtiger Darstellung ihrer Unternehmensverhältnisse“ zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Der damalige Aktienindex Neuer Markt, in dem die Internetpapiere notierten, stieg von etwa 500 Punkten innerhalb von 3 Jahren auf 9.694 Punkte.

Wer nicht mitmachte, wurde belächelt

Damals wurde man als Börsianer belächelt, wenn man nicht mitmachte. Und immerhin war es schwierig, etwa 3 Jahre gegen den Strom zu schwimmen. Das bittere Ende der Mitläufer ist bekannt: Vom März 2000 bis zum Oktober 2002 pulverisierte sich der Neue Markt. Er verlor rund 97 Prozent seines Wertes, viele Aktien waren ein Totalausfall. Nur einige wenige überlebten. Und es zeigte sich, dass nur ganz wenige Börsianer zu den Gewinnern gehörten. Denn die meisten, die auf diesen Zug aufsprangen, waren gierig und blieben bis zum bitteren Ende dabei.

Und nun also LinkedIn, Twitter, Xing, Skype, Facebook und Co. Heute wird argumentiert, sie nützten die vollen Möglichkeiten des Web 2.0. Damals nutzten die Unternehmen die vollen Möglichkeiten des Web 1.0 aus. Ist Web 2.0 ein Qualitätsmerkmal? Wer sagt, dass es nicht erst bei Web 5.0 zum Durchbruch kommt?

Man sagt uns, diese Revolution im Internet sei größer als die Ende der 90er-Jahre. Ich sehe das genau andersherum: Die grundsätzlichen Neuerungen gab es Ende der 90er-Jahre. Wenn man ein Stück zurückgehen will, war die grundsätzliche Revolution der Informationsaustausch über Telefon mit Akustik-Koppler in entsprechenden „Mailboxen“ der 80er-Jahre.

Show me the money

Der US-Investor hat eine simple Weisheit: „Show me the money“. Amazon, ein weltweiter Marktführer, kann diese schlüssig beantworten. In den 90er-Jahren konnten das nur wenige Unternehmen, die anderen hatten nur eine Fantasie. So geht es heute LinkedIn, Twitter, Xing, Skype, Facebook. LinkedIn macht rund $250 Millionen Jahresumsatz. Die Börsenbewertung liegt bei $8 Milliarden. Der weltweit erfolgreich agierende Konzern Amazon kommt „gerade mal“ auf eine Marktkapitalisierung von etwas über $90 Milliarden, also elfmal so viel. Amazon hat aber alleine im letzten Quartal 2010 einen Gewinn gemacht, der fast doppelt so hoch ist wie der von LinkedIn.

Show me the money: Bei Amazon folgt ein klares Ja, bei LinkedIn ein ebenso klares Nein.

Realistisch betrachtet sieht es so aus: Der Ausgabekurs der Aktien für LinkedIn wurde zweimal erhöht. Er lag am oberen Ende der Preisspanne und war das, was Banker dem Papier maximal zutrauten. Sie werden dabei nicht zimperlich vorgegangen sein. Trotzdem legte die Aktie sofort von $45 auf über $120 zu.

Der Grund: Zocker, Gier und Euphorie ließen die Anleger wieder blind zugreifen. Es stand ja (wie Ende der 90er-Jahre) „Internet“ drauf. Es gibt nur wenige Regeln, die an der Börse sicher sind. Eine davon: Euphorie führt zum Crash. Der Kreis schließt sich.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Timo Leimbach, Carlota Perez, Daniel Glasner.

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