Diejenigen die entscheiden sind nicht gewählt, und diejenigen die gewählt werden haben nichts zu entscheiden. Horst Seehofer

Schachzüge der Politik

Wettbewerb schafft Exzellenz. Fünf Jahre nach dem Beginn der Exzellenzinitiative sind erste positive Entwicklungen klar erkennbar, die deutsche Uni-Landschaft profitiert nachhaltig. Fünf Zeichen des Erfolges.

Wenig hat die deutsche Universitätslandschaft der vergangenen 40 Jahre so verändert wie die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Jetzt, nach fünf Jahren der ersten und unmittelbar vor der zweiten Runde, werden die Effekte deutlich sichtbar. Was hat sich so positiv verändert, dass wir sie schon jetzt als gelungen beurteilen können?

Fünf Zeichen des Erfolges

1. Stimmung: Erfolg verbindet. Die Exzellenzinitiative hat in den Erfolgsuniversitäten eine Binnenstimmung von Loyalität und Wettbewerbsbewusstsein erzeugt. Aber auch Universitäten, wo sich der Erfolg nicht sofort einstellte, nutzen ihre Kräfte, um sich mit ihrem eigenen Umfeld für die Zukunft zu ertüchtigen. Es geht ein frischer Wind durch das Land!

2. Ressourcen: Mit der Exzellenzinitiative ist viel Geld in die deutschen Universitäten geflossen, gezielt in die Förderung von Spitzenwissenschaftlern in besonderen Schwerpunkten der Universitäten. Und es ist Geld für besondere Nachwuchsprogramme. Zum ersten Mal können wir viel versprechende, große Themen und Programme wieder auf Jahre anlegen. Langfristigkeit, Berechenbarkeit, Strategie und Schwerpunktbildung – hier hat die Exzellenzinitiative segensreich gewirkt. Auch die universitäre Lehre profitiert von davon: Alleine an der TU München haben wir 30 Professorinnen und Professoren im Rahmen der Exzellenz-Forschungscluster neu berufen.

3. Strategie: Wie nie zuvor zwingt die Exzellenzinitiative die Universitäten, sich Klarheit über ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Ressourcensteuerung zu verschaffen. Das setzt interne Kritikfähigkeit, Entscheidungswege und starke Umsetzungskräfte voraus – Eigenschaften, die an deutschen Universitäten vorher wenig bekannt waren. Das schafft neue Gemeinsamkeit und Identitätsbildung. Die Universitäten sind handlungsfähig geworden.

4. Effekte: Vorteilhaft erweist sich das im deutschen System neue Format der Graduate Schools für die strukturierte Doktorandenausbildung. Als Trumpf kann die traditionelle Forschungsstärke ausgespielt werden, nunmehr ergänzt um überfachliche Qualifizierungsprogramme und internationale Akzente. Die themengebundene Vernetzung exzellenter Forscherinnen und Forscher erzeugt ebenfalls starke Mehrwerte (sogenannte Exzellenzcluster). In ihren Zukunftskonzepten (Institutional Strategy) haben sich einzelne Universitäten im Ganzen – quer über die Vielfalt ihrer Fächer, Fakultäten und Verwaltungen – auf strategische Gesamtziele verständigt und operationalisieren diese mit geeigneten Maßnahmen.

5. Sichtbarkeit: Deutschland ist eine führende Wissenschafts- und Techniknation. Dennoch sind auch ihre besten Universitäten von dem internationalen Spitzenplatz noch ein Stück entfernt. Die wenigen, die auf den Weltranglisten auftauchen, nützen dem ganzen System, weil sie sein Potenzial erkennen lassen. Deshalb muss man den Höhenflug Einzelner fördern. International haben die Sichtbarkeit unserer Wissenschaftler und unserer Wissenschaft erheblich zugenommen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass dieser kluge Schachzug deutscher Politik aufmerksame Nachahmer rund um den Globus findet.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sebastian Döring, Thorsten Bultmann, Michael Hartmann.

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