AAA – die wirtschaftliche Komplexitätsreduktion

von Der Presseschauer24.04.2011Medien

Was geht da vor, im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten? Teile der öffentlichen Infrastruktur werden schon den Chinesen zugerechnet, eine Rating-Agentur warnt vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit und der US-Dollar droht angegriffen zu werden. Fest steht: Künftig werden wohl auch die USA ihre Finanzpolitik nachhaltig überdenken müssen.

Wenn man es selbst nicht besser weiß, dann ist der Rat von Experten gefragt. Nun gibt es viele Anleger, die es selbst eben nicht besser wissen und daher auf den Rat von Experten vertrauen. Die komplexen Marktzusammenhänge sind für den Außenstehenden gleichsam schwer zu durchschauen. Somit ist es nachvollziehbar, dass jetzt viele die Reaktionen von Standard & Poor’s, Fitch, Moody’s und Co. beobachten. Zumindest haben sie sich in den vergangenen Jahrzehnten zu Experten aufgespielt, man glaubt ihnen, man hat Angst vor ihnen. Die “Verschuldung der USA(Link)”:http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1430375/ steht auf einem Rekordniveau. Obwohl der “Haushaltsstreit in den USA(Link)”:http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-04/usa-haushalt-streit vorerst beigelegt ist, sind damit die Schuldenprobleme der USA alles andere als gelöst. Trotzdem halten die Rating-Agenturen an der “Bestnote AAA(Link)”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,758039,00.html#ref=rss fest. Zwar wird durch die Blume angedeutet, das Rating könne sich verschlechtern, wenn die Regierung sich nicht endlich am Riemen reiße. Für mich ist das völlig unverständlich. Zudem ist es fraglich, ob es ausreicht, innerhalb der nächsten zwei Jahre das Rating überprüfen zu wollen. Man mag einwenden: die Entscheidungen der Agenturen sind politisch motiviert und ich bin kein Experte. Die “Abwertung der USA(Link)”:http://www.dagongcredit.com/dagongweb/uf/USARatingReport.pdf durch eine chinesische Rating-Agentur fällt wohl auch in den Bereich „politische Motivation“. Doch was ist mit Templeton, Carmignac oder gar Pimco? Klar, das sind keine Rating-Agenturen. Aber für Investmentfonds können Staatsanleihen ein attraktives Investitionsobjekt sein. Dabei gehört es zum Geschäftsmodell, Risiken einzugehen, wenn die Aussicht auf Gewinn im Verhältnis steht. Was sagt das über das Urteil einer Rating-Agentur aus, wenn sich jetzt eine “Vielzahl von Investmentfonds(Link)”:http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:portfolio-nicht-nur-pimco-verkauft-alle-us-staatsanleihen/60041764.html von den USA abwenden?

Kommunistenjäger würden sich im Grabe umdrehen

Nun hat die Kapitalanlagegesellschaft Pimco nicht nur rund 240 Milliarden Dollar aus US-Staatsanleihen abgezogen, nein, mittlerweile “wettet sie sogar gegen die USA(Link)”:http://www.reuters.com/article/2011/04/11/us-pimco-bonds-short-idUSTRE73A2IR20110411. Von „out-Greeking the Greeks“ sprach Pimcos Fondsmanager Bill Gross und meinte damit die US-Regierung. Vertraut hier Pimco auf die Expertise der chinesischen Rating-Agentur oder sind Urteile von Rating-Agenturen für Pimco nicht entscheidend? Auch wenn man sich sonst umsieht, wird man selbst als Laie stutzig. Ausgerechnet die Chinesen sind im Besitz von etwas weniger als zehn Prozent aller US-Schuldscheine. Kommunistenjäger würden sich wohl im Grabe umdrehen – so sie schon tot sind – wenn an öffentlichen Gebäuden zu lesen ist: “„Property of The People‘s Republic of China“(Link)”:https://twitter.com/waxmuth/status/42614570816258048. Zwar hat China schon US-Staatsanleihen an Japan abgegeben, doch macht man keinen Hehl daraus, den Dollar als Leitwährung infrage zu stellen. Man könnte es krasser formulieren: “die Chinesen haben dem Dollar den Kampf angesagt(Link)”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748730,00.html#ref=rss. Oder bluffen sie nur, um eine bessere Verhandlungsposition zu bekommen? Schließlich ist die chinesisch-amerikanische Wirtschaftsbeziehung so eng miteinander verzahnt, dass die Chinesen nicht so leicht aus der Nummer rauskommen. “Nichtsdestotrotz investieren sie mittlerweile kräftig in Europa(Link)”:http://www.heise.de/tp/artikel/33/33917/1.html.

Das Glück vieler in den Händen weniger

“„Wenn Japan allerdings als zweitgrößter Gläubiger der USA US-Staatsanleihen in großem Stil abgeben müsste, um den Wiederaufbau zu finanzieren, könnte dies zu höheren Zinslasten für die USA führen“(Link)”:http://www.boerse-frankfurt.de/DE/index.aspx?pageID=44&NewsID=5670 (Klaus Stopp, Baader Bank AG). Somit sind die USA von zwei Gläubigern abhängig, denen sie ungefähr 2 Billionen Dollar schulden, die auf längere Sicht diese “Investitionen umstrukturieren(Link)”:http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-04/china-inflation?page=all wollen oder “müssen(Link)”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,758696,00.html#ref=rss. Dabei sind die “Schuldenprobleme der USA(Link)”:http://www.theeuropean.de/mark-t-fliegauf/6426-amerikas-kreditwuerdigkeit nicht erst seit gestern bekannt. Und wenn es schon eine gewisse Expertenhörigkeit gegenüber den Einschätzungen von Rating-Agenturen gibt, warum lassen wir dann eine Handvoll US-Rating-Agenturen über die Bonität und damit über das Wohl von Staaten entscheiden?

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