Online in Afrika

Pierre Lucante15.05.2011Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Neue Kommunikationstechnologien können zum Motor für wirtschaftliche Entwicklung werden. Wir müssen private Innovationen und Projekte vor Ort unterstützen und den Behörden dabei helfen, einen fairen Wettbewerb in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Das Credo dabei: lokale Stabilität statt globaler Transferzahlungen.

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Im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts zeigte sich immer deutlicher, welche positiven und bedeutenden Auswirkungen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), vor allem durch die schnelle Verbreitung von Mobiltelefonen, auf die wirtschaftliche Entwicklung auch in Entwicklungsländern haben können. Bis auf einige erfolgreiche Ansätze handelt es sich allerdings bisher bei vielen IKT-Projekten in Entwicklungsländern um Einzelmaßnahmen mit geringer Reichweite. Die Wirkungen dieser Maßnahmen sind daher meist sehr begrenzt, die Projekte bleiben isoliert und schaffen es nicht, systematische, breitenwirksame Ansätze hervorzubringen.

Innovationsmotor Privatwirtschaft

Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) im IKT-Bereich trägt dazu bei, diese Beschränkungen zu überwinden. Hierbei setzt sie den Schwerpunkt auf die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Engagement. Unternehmen haben höhere wirtschaftliche Anreize, den individuellen Anforderungen entsprechende Technologien anzubieten, da ein Produkt nur erfolgreich sein kann, wenn es eben diese Anforderungen und die Bedürfnisse der Käufer erfüllt. So können einerseits z.B. deutsche Unternehmen ihr technisches Know-how in EZ-Maßnahmen einbringen und so zur Erreichung von Entwicklungszielen beitragen. Andererseits fördert die EZ auch die Wettbewerbsfähigkeit nationaler IKT-Unternehmen. Lokal eingebettet und mit guter Kenntnis der lokalen Märkte haben ortsansässige Unternehmen das tiefgehendste und umfassendste Wissen über die Wünsche ihrer Kunden. Eine Stärkung des privatwirtschaftlichen IT-Sektors in den jeweiligen Ländern kann so lokale Innovationen und die Entwicklung von eigenen IKT-Lösungen vorantreiben.

Um das ganze Potenzial der IKT für alle Bevölkerungsschichten nutzbar zu machen, muss neben den förderlichen Rahmenbedingungen auch ein zweiter Aspekt, der den Markt oft begrenzt, berücksichtigt werden: Unzureichende Telekommunikationsinfrastruktur, vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten, verhindert häufig einen umfassenden Einsatz von IKT in Entwicklungsländern. Obwohl der Telekom-Sektor in den Entwicklungsländern innerhalb der vergangenen Jahre enorm gewachsen ist, bleibt ein erschwinglicher Zugang zu zeitgemäßen Telekommunikationsdiensten (oder vielmehr der Mangel daran) – insbesondere in Hinblick auf Breitband-Internet – eine der größten Hürden für die Umsetzung von IKT-Projekten.

Entwicklung für alle

Eine Lösung bieten politische und regulatorische Eingriffe, die einen geeigneten Rahmen schaffen und Netzbetreibern Investitionsanreize geben. Damit kann auch die Versorgung abgelegener und ländlicher Gebiete mit IKT-Diensten sichergestellt werden. Zwei Punkte sind dafür entscheidend: Die Stärkung der örtlichen Regulierungsbehörden sowie die Förderung einer geeigneten Rahmen- und Wettbewerbspolitik. Mit der Entwicklung von angepassten innovativen Produkten lokaler IT-Sektoren, welche explizit die Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung bedienen, wird die wirtschaftliche Entwicklung auch der breiten Masse zugute kommen. Die Entwicklungszusammenarbeit kann durch die Förderung von fairen, innovations- und investitionsfreundlichen rechtlichen Rahmenbedingungen eine Grundlage für einen aufstrebenden, auf die lokalen Bedürfnisse ausgerichteten IT-Sektor schaffen. Ein stabiler IT-Sektor und eine angemessen regulierte Telekommunikationsbranche können einen Teil dazu beitragen, die wirtschaftliche Entwicklung im jeweiligen Land eigenständig und aus eigener Kraft weiter voranzutreiben.

__Der Beitrag wurde gemeinsam verfasst von Pierre Lucante, Thorsten Scherf, Anja Kiefer und Benjamin Barutzki__

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