Vergesst die Städte nicht!

von Philipp Mißfelder14.11.2012Innenpolitik

Grüne Hochburgen gehören heute zu jeder Großstadt. Die Union muss Anstrengungen unternehmen, die bürgerlichen Stadtteile für sich zu gewinnen.

Traditionell sind CDU und CSU im ländlichen Raum besonders stark. Hier, wo erfolgreiche mittelständische Unternehmen, die in ihren Bereichen oft zur Weltspitze zählen, aber auch viele familiär geprägte Landwirtschaftsbetriebe das wirtschaftliche Rückgrat bilden und Hunderttausenden Menschen sichere Arbeitsplätze bieten, schlägt das Herz der Union.

Wenn im kommenden Jahr um den Ausgang der Bundestagswahl gekämpft wird, kommt es für Christdemokraten und Christsoziale darauf an, in ihren Hochburgen Ergebnisse über 50 Prozent zu erzielen, um ein schwächeres Abschneiden in anderen Regionen aufzufangen. Nur dann wird es uns gelingen, die christlich-liberale Regierungskoalition, für die in Oppositionszeiten lange gestritten und mit der in Vergangenheit und Gegenwart sehr erfolgreich Politik gestaltet wurde, auch in Zukunft fortzusetzen.

Urbane Politik unterscheidet sich nicht von Politik in den ländlichen Räumen

Unsere Stammwähler, aber auch jene Unentschlossene, die fest im bürgerlichen Lager verankert sind, erwarten im Zuge dessen zu Recht, dass Union und FDP nicht dem Zeitgeist hinterherrennen, sondern pragmatische Lösungen anbieten, um Arbeitsplätze zu sichern, die Qualität der Bildung zu verbessern, Infrastruktur gerade auch im Hinblick auf schnelle Internetverbindungen auszubauen und die sozialen Sicherungssysteme demografiefest zu reformieren.

Zweifellos dürfen CDU und CSU bei dieser Anstrengung den Wahlkampf in den großen Städten nicht vernachlässigen. Vielmehr wünschen sich junge Familien, die in Berlin, Hamburg, München oder Köln eine neue Heimat gefunden haben, die gleiche programmatische Standfestigkeit, die die Stärke der Unionsparteien auch auf dem Land immer ausgezeichnet hat.

Urbane Politik unterscheidet sich folglich nicht von der Politik für die ländlichen Räume. Berufstätige Eltern wollen auch in der Metropole sicher sein, dass ihre Kinder in der Kindertagesstätte oder der Schule gut aufgehoben sind, sie wollen abends ins Theater oder ins Kino gehen können, ohne Angst vor Überfällen, um ihr Auto oder ihre Wohnung haben zu müssen. Sie wollen, dass Flughäfen zu dem Zeitpunkt öffnen, der zugesagt war, sie sind offen für neue Bauprojekte und wollen sich an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Moderne Großstadtpolitik ist nicht rot-grün

Sie wollen keine innerstädtischen Brachflächen, sondern Ideen und Plätze für die digitale Wirtschaft von morgen. Sie wollen eine Mittelstandspolitik, die internationale Unternehmen und Touristen nicht vergrault, sondern sie mit offenen Armen empfängt. Sie wollen sich ihre Lebens- und Erziehungsmodelle nicht vom Staat vorschreiben, sondern durch staatliche Rahmenbedingungen ermöglichen lassen.

Moderne Großstadtpolitik ist nicht rot-grün, sie ist bürgerlich und bietet damit für die Unionsparteien große Chancen. Sicher, CDU und CSU werden nicht alle Menschen in Frankfurt und Stuttgart zurückgewinnen können, die sie zuletzt nicht mehr für sich begeistern konnten – dafür hat sich ein vermeintlich grünes Lebensgefühl in manchen Stadtteilen zu tief verankert.

Linke Hochburgen in Kauf nehmen

Wenn wir mit Überzeugung zu unseren Wertvorstellungen stehen, müssen wir eben in Kauf nehmen, in einschlägig linken Gegenden manchmal lediglich 15 Prozent zu holen. Dies lässt sich aber nur dann verschmerzen, wenn gleichzeitig in bürgerlichen Stadtteilen über 40 Prozent oder im ländlichen Raum 65 Prozent erreicht werden. Bürgerinnen und Bürger honorieren Parteien in der Stadt wie auf dem Land, die sie sich ihrem Leben nicht anbiedern, sondern es verstehen – sie honorieren Politik, die ihnen keine Ideologie vorgibt, sondern Probleme löst. Genau das war und ist die Stärke der Union.

Wenn sie es dann noch schafft, bürgerliche Themen mit authentischen Personen zu verknüpfen, die die Menschen im urbanen und im stadtfernen Umfeld gleichermaßen ansprechen, ist die Mehrheitsfähigkeit des bürgerlichen Lagers sichergestellt.

Die populären CDU-Bürgermeister Ole von Beust in Hamburg, Eva Lohse in Ludwigshafen, Petra Roth in Frankfurt, und Fritz Schramma in Köln, aber auch erfolgreiche Kommunalpolitiker wie Helma Orosz in Dresden, Patrick Burghardt in Rüsselsheim, Thomas Hunsteger-Petermann in Hamm oder Marcel Philipp in Aachen belegen, dass die Union auch in den Metropolen in der Lage ist, Wahlen für sich zu entscheiden!

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