Es ist nicht einmal klar, dass wir überhaupt einen freien Willen haben. David Eagleman

Garant für Vielfalt

Wer sich eine pädagogisch wertvolle Schulbildung für seine Kinder wünscht, tut gut daran, sie auf eine Privatschule zu schicken.

Die Leistung eines Bildungssystems hängt maßgeblich von der Vielfältigkeit seiner Wege und Möglichkeiten ab. Je differenzierter das Bildungswesen auf die unterschiedlichen Neigungen, Interessen und Bedarfslagen von Schülern eingeht, desto größer sein Erfolg. Dazu müssen Schüler und Eltern echte Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen pädagogischen Konzepten und schulischen Organisationsformen haben. Sie müssen das Bildungsangebot auswählen können, welches ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse erfüllt. Häufig gehen freie Schulen aus bürgerschaftlichen Engagements von Eltern oder einzelnen Personen hervor.

Deutschland hat Nachholbedarf

Laut Grundgesetz hat der Staat in Deutschland kein Bildungsmonopol. Gemäß Artikel 7 muss das Recht zur Errichtung von privaten Schulen gewährleistet werden. Ein regulierender Eingriff würde die grundgesetzlich garantierte Freiheit einschränken. Das Grundgesetz verlangt außerdem, dass eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert werden darf. Freie Schulen müssen allgemeinzugänglich sein, denn die gesellschaftliche Durchmischung der Schülerschaft ist entscheidend für den pädagogischen Erfolg. Für die allgemeine Zugänglichkeit zu freien Schulen in Hinblick auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern sorgen unter anderem Stipendienprogramme, gesetzliche Vorgaben zur Schulgeldhöhe und nach Einkommen gestaffelte Schulgelder.

Schulen in freier Trägerschaft sichern die Vielfalt im Bildungssystem und das Grundrecht auf Wahlfreiheit von Schülern und Eltern. Sie tragen damit zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bei. Seit Jahren wächst ihre Zahl, trotz bürokratischer Widerstände. Im zurückliegenden Schuljahr 2013/14 gab es laut amtlicher Statistik insgesamt 5.692 Schulen in freier Trägerschaft. Das ist ein Zuwachs von 4,1 Prozent in den letzten drei Jahren. Damit sind 10,7 Prozent aller allgemeinbildenden und 24,5 Prozent aller berufsbildenden Schulen in Deutschland in freier Trägerschaft. Auch die Zahl der Schüler an freien Schulen hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Von den rund 10,9 Millionen Schülern in Deutschland besucht etwa jeder Elfte eine freie Bildungseinrichtung.

Diese Zahlen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland bei der Privatschülerquote im internationalen Vergleich einen hinteren Platz belegt. Im OECD-Durchschnitt besuchen rund 14 Prozent aller Schüler eine allgemeinbildende freie Schule. In Spanien beispielsweise liegt der Anteil der Privatschüler an der Gesamtschülerzahl bei rund 32 Prozent, in Frankreich bei 18 Prozent, in Österreich bei 12 und in Dänemark bei 11 Prozent. Es besteht also Nachholbedarf – aber nicht nur im internationalen Vergleich.

Privatschulen sind zeitgemäß

Zunehmend mehr Eltern wünschen sich eine individuellere schulische Betreuung ihrer Kinder und wenden sich freien Schulen zu. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage (April 2015) würden 27 Prozent der Eltern in Deutschland ihr Kind lieber auf eine freie als auf eine staatliche Schule schicken. Die höchste Zustimmung (37 Prozent) erhalten private Schulen von Eltern mit einem Hauptschulabschluss. Hier zeigt sich, dass sich gerade diejenigen, die selbst nur über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen, vermehrt alternative Schulformen, eine bessere pädagogische Förderung und einen Bildungsaufstieg für ihre Kinder wünschen. Die Ergebnisse belegen, dass Privatschulen den Ruf als Einrichtungen für privilegierte Schichten da zu sein längst abgelegt haben.

Schüler und Eltern fühlen sich besonders von den spezifischen pädagogischen Konzepten, betreuten Nachmittagsangeboten, individuellen Fördermöglichkeiten sowie der motivierenden Lernatmosphäre an freien Schulen angesprochen. Durch ihre effiziente und selbstverantwortete Arbeitsweise können freie Schulen unbürokratisch eigene Ideen verwirklichen und schnell auf sich wandelnde gesellschaftliche Anforderungen reagieren. Beispielsweise hat die digitale Bildung längst Einzug in freie Schulen gehalten. Ihre Innovationskraft zeigt sich unter anderem darin, dass eine Reihe neuer Unterrichtsmethoden, Ausbildungsberufe und Weiterbildungsangebote an staatlichen Schulen von freien Schulen stammen.

Wettbewerb um die bessere Schule

Diese Innovationskraft der freien Schulen und der dadurch in Gang gesetzte Wettbewerb um die besten pädagogischen Konzepte sind zentrale Faktoren für die qualitative Fortentwicklung des Bildungswesens. Problematisch wird es, wenn der Wettbewerb einseitig verzerrt wird. In einigen Bundesländern werden die Rahmenbedingungen von freien Schulen durch Politik und Verwaltung verschlechtert. Dies geschieht zum Beispiel durch Kürzung der Finanzhilfen oder Vorgaben zur Klassengröße. Solche Entwicklungen gehen langfristig immer zu Lasten der Schüler, denn die Vielfalt unterschiedlicher Bildungsangebote wird geringer; und weniger Vielfalt bedeutet weniger Bildungschancen.

In einem so von der Bildung seiner Bürger abhängigen Land wie Deutschland kommt der Qualität und Vielfältigkeit des Bildungssystems eine Schlüsselfunktion für Wachstum und gesellschaftliche Teilhabe zu. Gerade das freie Schulwesen ist ein Garant für Vielfalt und trägt maßgeblich zur Qualitätsentwicklung des gesamten Bildungswesens bei. Dies ist aber nur möglich, wenn unabhängig von der Trägerschaft vergleichbare finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen im Bildungswesen gesichert bleiben. Diese Aufgabe obliegt in besonderem Maße dem Staat. Kommt er ihr nach, ist dies zum Wohle aller Schüler und es ist auch ein Zeichen der Anerkennung für das bildungspolitische Engagement seiner Bürger.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Manfred Weiß, Xaver Jung, Ernst Dieter Rossmann.

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