Jung, spontan, hilft

Peter Tauber7.02.2012Gesellschaft & Kultur, Politik

Die Kritik war vorherzusehen. Rund ein Jahr nach Einführung des Bundesfreiwilligendienstes können wir aber eine positive Bilanz ziehen. Viele Tausend Menschen, die meisten noch sehr jung, setzen sich freiwillig für Deutschland ein.

Es war klar, dass die Opposition meckert. Es war vorauszusehen, dass Sozialverbände und Träger ihre Sorgen artikulieren. Und natürlich gab es die grundsätzlichen Unkenrufe, dass man in Deutschland nie im Leben 70.000 Menschen finden würde, die ein Jahr ihres Lebens in den Dienst der Gesellschaft stellen und einen Freiwilligendienst – entweder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder im FSJ – leisten. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht und dem damit verbundenen Ende des Zivildienstes haben manche gar schreckliche Zustände in Pflege- und Behinderteneinrichtungen heraufbeschworen. Die gute Nachricht ist: Alle Meckerer sind widerlegt und die vielen Sorgen konnten trotz des schnellen Ausbaus der Freiwilligendienste weitgehend zerstreut werden.

Freiwillig mitmachen

Die christlich-liberale Koalition hat die Mittel für das FSJ auf über 90 Millionen Euro vervierfacht. Die Förderpauschale stieg von 70 Euro auf 200 Euro. Parallel dazu haben wir mit dem Bundesfreiwilligendienst eine zweite Säule geschaffen, denn aufgrund der eigentlichen Kompetenz der Länder im Bereich des FSJ, bei dem der Bund lediglich die Bildungsarbeit fördert, konnten die durch den Wegfall frei werdenden Mittel des Zivildienstes nicht in das FSJ übertragen werden. Heute zeigt sich, dass die Entscheidung, diese Mittel nicht dem Finanzminister zur Haushaltskonsolidierung zu überlassen, richtig war. Wichtig war uns dabei, dass es für den Freiwilligen nahezu keinen Unterschied macht, in welcher der beiden Säulen er organisatorisch erfasst ist. Sowohl im BFD als auch im FSJ gibt es 25 Bildungstage für die Freiwilligen. Einen weiteren Unterschied gibt es allerdings: Den BFD können auch Menschen, die älter als 27 Jahre sind, absolvieren, während das FSJ als klassischer Jugendfreiwilligendienst nur jungen Menschen offen steht. Derzeit sind mehr als 20 Prozent der Freiwilligen im BFD älter als 27 Jahre. Das zeigt, dass diese Öffnung Sinn hat. In der kurzen Zeit seit Schaffung des BFD haben wir bereits 30.000 Freiwillige. Man rechnet damit, dass spätestens Ende Februar alle 35.000 Plätze besetzt sind. Eine weitere neue Regelung ist mir persönlich sehr wichtig. Die Freiwilligendienste stehen auch Menschen offen, die von Hartz IV leben. Bisher durften diese von dem gezahlten Taschengeld, das jeder Freiwillige bekommt, nur 60 Euro behalten. Es ist kein gutes Signal an diese Menschen, wenn man ihren freiwilligen Dienst dann nicht entsprechend würdigt. Darum haben wir den Freibetrag entsprechenden Regelungen angepasst, die für andere Bereiche gelten. So verbleiben künftig 175 Euro zusätzlich zum Hartz-IV-Regelsatz beim Freiwilligen. Für Langzeitarbeitslose kann der Freiwilligendienst eine Chance sein, neue Tätigkeitsfelder zu entdecken und sich zu qualifizieren – und so vielleicht auch einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Und es ist gut, dass viele Langzeitarbeitslose diese Chance für sich erkennen und sich freiwillig engagieren.

Es gibt gute Nachrichten

Zählt man die mehr als 40.000 jungen Menschen im FSJ, die 35.000 Freiwilligen im BFD sowie die jungen Leute in den Freiwilligendiensten im Ausland und die freiwillig Wehrdienstleistenden zusammen, dann sind mehr als 100.000 Menschen – und oft junge Menschen – bereit, sich für unser Land zu engagieren. Das ist eine so gute Nachricht, dass sich jedes Meckern eigentlich verbietet. Wir stehen mit Blick auf die Zukunft eher vor dem Problem, dass wir mehr Freiwillige als geförderte Plätze haben. Auch das hätte niemand erwartet.

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