Freiwillige vor

von Peter Tauber16.02.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der Wegfall des Zivildienstes muss durch Freiwilligenarbeit kompensiert werden. Davon profitieren alle Seiten: die Pflegesysteme genauso wie die jungen Menschen, die sich engagieren. „Tu etwas für dein Land!“ muss zum allgemeinen Credo werden.

Wer schlecht über die junge Generation spricht, der kennt offensichtlich keine jungen Menschen. Fast jedes Mal, wenn ich junge Leute treffe, bin ich beeindruckt, wie kritisch, wie sachlich und offen sie sich für die Welt um sie herum und für ihre eigene Zukunft interessieren. Sie sind nicht naiv, aber optimistisch. Sie haben klare Erwartungen und Ziele. Und sie sind bereit, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, wenn sie das Gefühl haben, dass es sich auch für sie persönlich lohnt. Dieser Anspruch ist nur legitim. Und es zeigt sich eben, dass diese junge Generation, die mit ihrem kritischen und unaufgeregten Blick auf Deutschland und die Welt viel eher als die moralinsauren 68er einen Beitrag für eine gute Zukunft Deutschlands leisten wird, viel besser ist als ihr Ruf.

Das Erlernen von Verantwortung

Wahr ist aber auch, dass man das Übernehmen von Verantwortung erst lernen muss. Nicht jeder erkennt, dass er mit seinen Fähigkeiten und Ideen gebraucht wird. Bisher gab es im Wehr- und Zivildienst für junge Männer und im FSJ für beide Geschlechter die Möglichkeit dazu. Nun fällt die Wehrpflicht und mit ihr auch ein Symbol, dass eine Demokratie von ihren Bürgern mehr einfordern muss, als nur Steuern zu zahlen und wählen zu gehen. Wer von jungen Menschen fordert, jetzt und später Verantwortung für unser Land zu übernehmen, der muss a) ihnen die Gelegenheit dazu geben und b) ihnen aufzeigen, worin für sie persönlich der Mehrwert für diese Einsatzbereitschaft besteht. Die Gelegenheit bekommen junge Leute künftig nicht nur im klassischen Freiwilligen Sozialen Jahr, sondern auch im neuen Bundesfreiwilligendienst. Erstmals wird der Bund alle Plätze fördern und die bestehende Deckelung aufheben. Wir nehmen so viel Geld wie noch nie in die Hand – weit über 300 Millionen Euro –, um die Freiwilligendienste zu finanzieren. Das ist das Signal an die junge Generation, dass sie aufgefordert ist, Verantwortung zu übernehmen. Parallel wird darüber diskutiert, was zu tun ist, damit die jungen Männer und Frauen auch persönlich von ihrem Dienst profitieren. Das Stichwort lautet „Anerkennungskultur“. Die Universitäten, die Wirtschaftsverbände, die Bundesländer – alle sind aufgefordert, sich zu überlegen, wie man das freiwillige Dienen für unsere Gesellschaft honorieren kann. Naheliegend ist beispielsweise die Anrechnung zusätzlicher Wartesemester für Freiwillige, aber auch die Verkürzung der Ausbildungsdauer, wenn sie später in dem Berufsfeld bleiben wollen, in dem sie sich freiwillig engagiert haben. Es wird noch viel Arbeit auf Träger und die Politik zukommen, die von Freiwilligen erbrachten Leistungen anzuerkennen und zu zertifizieren. Die größte Aufgabe wird es sein, hier eine auf den jeweiligen Einsatzbereich abgestimmte, passgenaue und individuelle Bescheinigung der Leistungen zu entwickeln. Es wird zusätzlich darauf ankommen, genau herauszufinden, was für potenzielle Freiwillige selbst wichtig ist.

Eine Kultur des freiwilligen Dienstes

Doch damit ist es nicht getan. Schon heute sagen mir Unternehmer und Handwerker, dass sie die Erfahrung machen, dass Freiwillige und junge Männer, die Wehr- oder Zivildienst geleistet haben, ein deutlich erkennbares Mehr an sozialer Kompetenz und Reife gegenüber ihren ungedienten Altersgenossen mitbringen. Erst wenn wir daraus eine Kultur entwickelt haben, in der Arbeitgeber bei der Einstellung das freiwillige Dienen honorieren, können wir davon sprechen, dass junge Leute die Gewissheit haben, dass sich ihr Einsatz lohnt. Dann hat die Aufforderung „Tu was für Dein Land. Tu was für Dich“ Sinn.

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