Nirgendwo sieht man so viele Menschen, die öffentlich in Trainingsanzügen rumschlurfen wie in Berlin. Thilo Sarrazin

Opium ohne Nebenwirkungen

Reutlingens Bürgermeister wechselt von der Politik in die Schlagermusik. Er erklärt, warum diese Musik so eine Anziehungskraft ausstrahlt.

Ich interessiere mich für meine Mitmenschen. Das tat und tue ich (noch) als Politiker und das Wohl und Glück meines Lebensumfeldes liegt mir als Musiker ganz besonders am Herzen. Und hier sind wir meines Erachtens schon am Punkt:

Musik ist die Sprache des Herzens und volkstümliche (Schlager-)Musik ist die Sprache des Volkes. Wir Menschen brauchen zum Glücklichsein gute Gefühle und das Miteinander. Jeder von uns fühlt sich nicht gerne schlecht und ist nicht gerne allein oder gar alleingelassen. „Ein Lied kann eine Brücke sein“, sang Joy Fleming. Ja, Musik kann eine Brücke sein, eine Brücke aus der Einsamkeit und aus der Traurigkeit. Musik ist für mich ein Medium, ein Hilfsmittel für ein glücklicheres Leben!

Volkstümliche Musik ist authentisch

Und warum gerade volkstümliche Musik und Schlager?
Jede positive Musik, also Musik, die gute Gefühle in mir auslöst, hilft mir persönlich über schwierige Zeiten hinweg oder macht mich in glücklichen Zeiten noch glücklicher. Im Gegensatz zur sogenannten ernsten Musik hat Unterhaltungsmusik den großen Zusatznutzen, dass sie unterhält, also einen Dialog ermöglicht. Bei gelungener Unterhaltungsmusik ist der Zuhörer zum einen gefühlsmäßig berührt und zum zweiten steht er in einem ebensolchen Dialog mit dem Musiker und idealerweise sogar noch mit weiteren Konzertbesuchern. Unterhaltungsmusik wie bspw. volkstümlicher Schlager verbindet Menschenherzen und Menschen. Man fühlt sich zusammengehörig und ist nicht allein. Das ist doch fantastisch!

Ich hatte das Glück, in einer sehr musikalischen und obendrein mit sechs Geschwistern ziemlich großen Familie aufzuwachsen. Ich war nie allein! Und beim gemeinsamen Musizieren spürte ich bereits als kleiner Bub eine tiefe innere Zufriedenheit. Wenn ich mit meiner Musik und meinem Gesang dann noch Zuhörern glückliche Stunden bereiten konnten, war mein junges Musikantenherz überglücklich. Das gute Gefühl wird in der Musik meines Erachtens maßgeblich über eingängige Melodien und berührenden, authentischen Gesang produziert. Das gibt es eben gerade in der volkstümlichen Musik und beim Schlager. Es ist also kein Zufall, dass ich mich zu diesem Genre besonders hingezogen fühle.

Und so wie es mir geht, geht es offensichtlich auch vielen Menschen. Dabei ist und bleibt es meines Erachtens weniger eine Frage des Musikgeschmacks als vielmehr eine Frage der Einstellung und des Bewusstseins. Gerade volkstümlicher Schlager zeugt von einer bestimmten Lebenseinstellung. Will ich glücklich sein? Will ich dem Miteinander frönen? Wenn ja, dann ist diese Musik, sofern gut gemacht und authentisch, ein ideales Medium, das glücklich macht und verbindet. Darin liegt für mich das Geheimnis der Beliebtheit dieser Musikrichtung.

„Böse Menschen kennen keine Lieder“

Dieses Geheimnis oder dieses Erfolgsrezept leitet mich als Musikschaffender und Musiker. Und das war übrigens auch mein persönliches Erfolgsgeheimnis als Politiker. Alles, was ich mache, mache ich gerne und mit Leidenschaft. Und ich möchte mit meinem Tun Gutes bezwecken und meine Mitmenschen zumindest ein klein wenig glücklicher machen. Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht, kann hier viel bewirken. Ungekünstelte, positive Musik ist eine Heilquelle für geschundene Seelen oder Menschen, die das Glück des Lebens suchen. Das insbesondere der volkstümlichen Musik zugeschriebene „Heile Welt“-Klischee trifft meines Erachtens voll und ganz zu.

Seit Jahrhunderten finden Menschen in der positiven und geselligen – also Brücken bauenden Musik – ein Glücksrezept. Die heilende Wirkung optimistischer und tröstlicher, kurzum positiver Musik ist Realität. Das geflügelte Wort von Johann Gottfried Seume, „Böse Menschen kennen keine Lieder“, meint dasselbe, nur eben negativ ausgedrückt. Man könnte auch sagen: Volkstümliche Musik ist Opium fürs Volk. Ja, nur dass diese „Droge“ keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen erzeugt.

Ich habe mich ganz bewusst und unbeirrt für genau diesen Weg und dieses Lebensmotto entschieden: Ich möchte andere glücklich machen, gemeinsam mit anderen und selbst glücklich sein. Der Sinn des Lebens ist bekanntlich Glück! Deshalb stehe ich für gute Unterhaltung und empfehle den Menschen weiterhin diese besondere Glücksquelle. Sie tun gut daran.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Christian Pfarr, Ingo Grabowsky.

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