Projekt Verantwortung

von Peter Neher21.02.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der typische Zivildienstjob schafft eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Für Patienten, Arbeitgeber und den Zivi selbst. Auch wenn viele nun den Staat in der Pflicht sehen, freiwilliges Engagement zu fördern, dürfen wir nicht vergessen, dass das eigentlich eine Aufgabe der Zivilgesellschaft ist.

Das Ende des Zivildienstes kam plötzlich, wenn auch nicht überraschend. Mit dem Wegfall des Zivildienstes in seiner bisherigen Form bricht das soziale System nicht zusammen, auch wenn das manche behaupten. Denn die sozialen Einrichtungen konnten schon seit Jahren nicht mehr alle Plätze besetzen. Durch Haushaltsvorgaben wurde die Zahl der Zivildienstleistenden gesenkt und die Einsatzdauer wurde zuletzt auf sechs Monate reduziert. Viele Träger haben deshalb schon lange damit begonnen, zusätzliche Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) zu schaffen, das ehrenamtliche Engagement noch aktiver zu fördern und zusätzliche Sozialpraktika anzubieten. Es wurden auch Minijobs und dort, wo es machbar war, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen.

Win-win-Situation

Der Zivildienst war über 50 Jahre ein Erfolgsmodell. Vor allem ist er ein sozialer Lernort. Die Dienste und Einrichtungen der Caritas bieten seit jeher soziale Lernorte für junge Menschen an, sei es für Absolventen von Sozialpraktika, für Teilnehmer eines FSJ oder für Zivildienstleistende. Für alle gilt gleichermaßen: Sie machen während ihres Einsatzes prägende Lebenserfahrungen. Sie setzen sich mit sozialen Aufgaben und Berufen auseinander. Die Erfahrungen zeigen, dass viele auf diese Weise eine stabile berufliche Orientierung gefunden haben – und wichtige Impulse für ihre persönliche Entwicklung bekamen. So mancher hat durch den Zivildienst erstmals überhaupt soziale Berufe kennengelernt und sich durch diese Erfahrung selbst für einen solchen beruflichen Weg entschieden. Auch für die Einrichtungen ist das Engagement der jungen Menschen ein Gewinn. Sie können besondere Angebote machen, welche die Lebensqualität der Nutzer, Patienten oder Bewohner verbessern. Der frische Wind, den die jungen Leute mitbringen, ist eine wertvolle Bereicherung im Alltag der Einrichtungen. Eine typische Win-win-Situation! Als Ersatz für den Wegfall des Zivildienstes wurde nun der neue Bundesfreiwilligendienst geschaffen. Lieber wäre es uns gewesen, wenn die Mittel für den wegfallenden Zivildienst in die bewährten und erfolgreichen Jugendfreiwilligendienste FSJ und FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) eingegangen wären. Dies ist jedoch aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich. Die Caritas wird deshalb in Zukunft auch Plätze für den Bundesfreiwilligendienst anbieten. Ein neuer Bundesfreiwilligendienst darf die bewährten und erfolgreichen Jugendfreiwilligendienste jedoch nicht gefährden oder verdrängen.

Optimale Rahmenbedingungen

Der Alltag in vielen Caritaseinrichtungen zeigt, dass sich viele Menschen – ob jung oder alt – freiwillig engagieren wollen. Der Bundesfreiwilligendienst wird eine Möglichkeit unter vielen dafür sein. Es ist die Aufgabe des Staates, optimale Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement zu schaffen. Die Förderung der Bereitschaft zum Engagement, die Gewinnung und Begleitung von Freiwilligen sowie die Ausgestaltung der Angebote ist jedoch eine originäre Aufgabe der Zivilgesellschaft und ihrer Akteure. Die Steuerung der Freiwilligenarbeit muss deshalb auch künftig in der Hand von unabhängigen Trägern liegen. Denn die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit des freiwilligen Engagements ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft. Eine nationale Engagementstrategie der Bundesregierung ist durchaus positiv zu bewerten. Sie muss aber so angelegt sein, dass sie das freiwillige Engagement respektiert und in seiner Vielfalt fördert und nicht gefährdet.

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