Niemand darf verloren gehen

von Peter Neher26.12.2010Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Wirtschaft

Der Generationenvertrag ist brüchig, aber noch nicht gekündigt. Demografie und Schuldenlast zermürben ihn, deshalb gilt es, das Armutsrisiko schon heute durch Zugang zu Bildung zu minimieren. Die Rezepte sind bekannt, nun bedarf es politischen Willens.

Eine Kündigung des Generationenvertrags liegt bislang nicht vor. Nach wie vor stehen Generationen füreinander ein – in der Rentenversicherung, der Krankenversicherung und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Doch der Generationenvertrag ist instabil geworden. Zum einen aufgrund der demografischen Entwicklung. So müssen z. B. immer weniger Jüngere die Renten der Älteren erarbeiten. Das Lebensalter steigt, damit auch die Pflegebedürftigkeit. Die Vorsorge, die bislang in Deutschland für die Pflege der alten Menschen geleistet wird, reicht für den künftigen Ressourcenbedarf nicht aus. Der Generationenvertrag ist aber auch deshalb brüchig, weil zu viele Schulden auf die kommenden Generationen abgeschoben werden. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte wird daher die künftigen Generationen in ihrer Handlungsfreiheit deutlich einschränken.

Recht auf Bildung

Wenn es die jetzige Generation zulässt, dass circa acht Prozent der Schulabgänger(innen) eines Schuljahrs die Schule in Deutschland ohne Abschluss verlassen und damit ein hohes Risiko haben, langfristig arm und arbeitslos zu sein, verstoßen sie gegen den Generationenvertrag. Denn hier und heute ist die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass jedes Kind Chancen auf eine umfassende Bildung und einen Schul- und Berufsabschluss hat. Denn keiner kann nichts. Es darf niemand verloren gehen. Wir wissen längst, wie die Rezepte aussehen. Aber wir tun uns sehr schwer damit und verharren nach wie vor in Konzept- und Zuständigkeitsstreitigkeiten. Wir brauchen wirksame Strategien und den wirklichen Willen, Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Da nehme ich uns – die Kirche und ihre Caritas – nicht aus. Wir müssen uns auch selbst fragen, was wir für bessere Bildungschancen und die Befähigung von benachteiligten Kindern beispielsweise mit unseren kirchlichen Schulen leisten. Einsatz für den Generationenvertrag heißt aber auch für die Caritas, im sozialpolitischen Engagement hartnäckig zu bleiben. Auch wenn es manche nicht gern hören wollen, werden wir den Finger in die Wunde legen und uns für eine offene Debatte über die Zukunft unseres Gesundheitswesens einsetzen, wo auch Tabuthemen wie eine notwendige Prioritätensetzung bei knappen Ressourcen angesprochen werden. Genauso stark engagieren wir uns für eine längst notwendige nachhaltige Reform der Pflegeversicherung.

Solidarität bedeutet Verantwortung

Der Staat hat teilweise die Tendenz, soziale Aufgaben an das ehrenamtliche Engagement abzuschieben bzw. es zu vereinnahmen. Dies widerspricht der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des Ehrenamts. Solidarität und Subsidiarität heißen, dass jeder seine Verantwortung wahrzunehmen hat – auch der Staat! Ein Beitrag für den Generationenvertrag leisten wir durch unsere Caritas-Kampagne Experten fürs Leben – eine Initiative für selbstbestimmte Teilhabe für Menschen im Alter.(Link)

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