CSU-Matadore bemĂŒhen sich um gemĂ€ĂŸigte Sprache

von Peter Hausmann19.08.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Alle CSU-Matadore bemĂŒhen sich jetzt wieder einer gemĂ€ĂŸigten Sprache, so Peter Hausmann. Nachdem sich die Menschen von den rĂŒden verbalen Rempeleien in der Diskussion um die Asylpolitik abgestoßen fĂŒhlten. Doch einfach wird es fĂŒr die CSU nicht. Die Meinungsumfrager sagen der einst unumstritten herrschenden Partei nur noch Stimmanteile unter 40 Prozent voraus.

Das Fehlen von Stil und Charakter attestierte Horst Seehofer seinen Kritikern – vor allem jenen aus seiner eigenen Partei – in der aktuellen Diskussion um Kurs und Ziel der CSU. Einmal ganz abgesehen von der Frage, welche Qualifikation ihn als „Wettkampfrichter“ ĂŒber Stil- und Charakterfragen befĂ€higt, war es dennoch interessant sein Interview in der Augsburger Allgemeinen Zeitung zu lesen.

RĂŒckte er doch mit seinem Hinweis die ersten Kulissen fĂŒr den Showdown im Oktober auf die BĂŒhne, dass er es war, der die CSU vor fĂŒnf Jahren in der Landtagswahl mit einem Ergebnis ĂŒber 47 Prozent zur absoluten Mehrheit der Mandate gefĂŒhrt hatte. Nach dem Motto: Jetzt liegt es an Markus Söder mit dem Pfund zu wuchern, dass er mĂŒhsam erworben hatte.

Das lĂ€sst Schlimmes fĂŒr die Zeit ab dem 14. Oktober um 18.30 Uhr erahnen. Wenn die CSU in den ersten Hochrechnungen in den Prozentbereichen verharren sollte, die derzeit von der Demoskopie prognostiziert werden. Die Meinungsumfrager sagen der einst unumstritten herrschenden Partei nur noch Stimmanteile unter 40 Prozent voraus. „Eine Delle“ sei das, trösten sich die WahlkĂ€mpfer.

Immerhin hĂ€tten 55 Prozent der bayerischen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler noch nicht entschieden, bei welcher Partei sie ihr Kreuz machen werden, wenn sie denn zur Wahl gehen. Ist dieser Punkt ein echter Hoffnungswert? Die Antwort darauf ist nicht einfach. NatĂŒrlich mĂŒssen die WahlkĂ€mpfer Zuversicht haben und ausstrahlen. Als jemand, der als Chef des Bundespresseamts vier Jahre lang die Meinungsumfragen der Bundesregierung betreute, habe ich die alte Demoskopenweisheit gelernt: „The trend is your friend!“ Übersetzt bedeutet das: Es wird nicht einfach der Prozentrutsche zu entkommen.

Immerhin bemĂŒhen sich alle CSU-Matadore jetzt wieder einer gemĂ€ĂŸigten Sprache. Nachdem sich die Menschen von den rĂŒden verbalen Rempeleien in der Diskussion um die Asylpolitik abgestoßen fĂŒhlten. Dass Wörter Waffen sind, wusste man schon als es den Begriff des Framing noch nicht gab. Denken wir nur an den fĂŒrchterlichen rassistischen Begriff „ethnische SĂ€uberung“, der in den Tagen und Monaten des Balkankrieges Einzug in unsere Medienwelt hielt. Er wurde weitgehend ohne kritische Betrachtung in den Nachrichten verwendet, obwohl es verantwortungsvoll gewesen wĂ€re zu fragen, wer denn da von welchem Schmutz gereinigt werden mĂŒsse.

Dagegen nehmen sich Bezeichnungen wie „AsylbetrĂŒger“, „Asylhonorar“ und „Anti-Abschiebeindustrie“ beinahe harmlos aus. Aber auch beim oft benannten „Asyltouristen“ frage ich mich, wie komfortabel die Sonnendecks der Boote ausgestattet sind, mit denen Menschen die Flucht nach Europa wagen und ob es sich bei den toten Körpern der FlĂŒchtlinge, die an den StrĂ€nden des Mittelmeeres angespĂŒlt werden, etwa um „gestrandete Asyltouristen“ handelt. Ich weiß, das schmerzt und ist keineswegs lustig. Aber es entspringt meiner Wut ĂŒber die abgrundtiefe Gedankenlosigkeit mancher Diskutanten.

Auch der intellektuelle Fehlgriff eine „konservative Revolution“ zu fordern wie der momentan verstummte CSU-Landesgruppenvorsitzende Dobrindt, gehört in diese Kategorie. War es schlicht Nichtwissen? Oswald Spengler hatte diesen Kampfbegriff gegen die junge Weimarer Demokratie mitgeprĂ€gt. Der Geschichtsphilosoph war ĂŒberzeugter Antidemokrat und befĂŒrwortete einen CĂ€sarismus a la Mussolini. So wie es in seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“ nachzulesen ist. Dass sich Adolf Hitler selbst „als konservativster RevolutionĂ€r“ bezeichnete, sei nur am Rande erwĂ€hnt.

Eine Selbstverpflichtung aller Demokraten, sich nicht die Worte und Begriffe radikaler KrĂ€fte aufdrĂ€ngen zu lassen und sorgsam mit unserer Sprache umzugehen, wĂ€re begrĂŒĂŸenswert. Das wĂŒrde auch ein StĂŒck weit auf dem Weg zur eigentlichen Kernaufgabe von Politik helfen. Das bedeutet in Zeiten des Umbruchs, in denen die Menschen sorgen- und angstvoll in die Zukunft blicken, Ängste zu nehmen und Perspektiven aufzuzeigen. Es macht keinen Sinn jemandem, der sich im dunklem Keller fĂŒrchtet, zu sagen, dass es noch dunklere Ecken gibt. Man muss ihm sagen, wo der Lichtschalter ist.

Quelle: “Hausmannskost”:https://www.peter-hausmann.net/show-down-am-14-oktober-um-18-30-uhr/

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