Seehofer - mächtig wie nie

von Peter Frey15.09.2013Innenpolitik

Horst Seehofer, der Kümmer-König und ironische Spötter, schreibt CSU-Geschichte. Wo es nach der Ära Stoiber nach unten ging, fügt der Horst „Mia san mia“ und CSU wieder ganz eng zusammen. Für den Bund hat das Konsequenzen.

Dank Seehofers mitfühlendem Populismus zeigt die CSU in Bayern neue Stärke. Seine Stimmen muss sich Merkel auch am nächsten Sonntag sichern. Nicht nur bei der Maut wird Seehofer ihr jetzt zusetzen. In Berlin ist der große Unberechenbare der deutschen Politik jetzt mächtig wie nie.

Für die SPD ist der Abend eine Enttäuschung. Zwei Jahre hat Ude gekämpft und die Christsozialen doch nicht vom Thron gestürzt. Rückenwind durch oder für Steinbrück ist nicht zu erkennen. An diesem Wochenende haben Sozialdemokraten mehr als ein Stinkefinger-Foto wegzustecken.

Dramatischer Tag für die FDP

Auch die Grünen können aus Bayern keinen Honig saugen. Sie hatten keine realistische Machtperspektive, das Bündnis mit den Freien Wählern passte nicht. Im Freistaat büßten sie schon einmal vorab für Steuerpläne und Veggie-Day. Trittin und Co. muss langsam klar werden, dass sie auf die falschen Themen gesetzt haben.

Dramatisch ist der Tag für die FDP. Drei Prozent – ein hoch gefährliches Ergebnis. Die Liberalen wurden von Seehofer mehr wegignoriert als weggebissen. Für sie geht es jetzt um mehr als die Regierungsbeteiligung – es geht ums Ganze, um die Frage, ob die Wähler der Partei noch was zutrauen.

Zwei Botschaften an Merkel

Die Parteiführung setzt jetzt auf einen Mitleidseffekt. Sie braucht ihn geradezu. Das weckt bei der Union Erinnerungen an Niedersachsen und das Ende einer Koalition.

Ein weiteres Risiko ist die AfD. Sie ist in Bayern gar nicht angetreten und dennoch die große Unbekannte in der letzten Woche vor der Wahl. Nach Bayern könnte sie verunsicherte, eurokritische FDP-Wähler locken und so Merkels Bündnis schwächen. Seit heute Abend ist die CSU so stark wie lange nicht. Für Angela Merkel hat dieser Wahltag zwei Botschaften: Ohne Seehofer geht es nicht. Und: Schwarz-Gelb ist in Gefahr.

_Der Text ist Teil einer Kooperation mit “heute.de”:http://www.heute.de/_

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