Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen. Heiner Geißler

Mehr Mut wagen

Seit Jahrzehnten ist der Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ein Netzwerkinstrument von mächtigen Großverlagen. Doch nun wird ein neuer Präsident gewählt und zwei unkonventionelle Kandidaten treten an. Der katholische Kirchenblattverleger Rudolf Thiemann und der Querdenker-Verleger Bulo. Schon dessen Programm ist eine kleine Revolution für den Verband.

1. Weniger Medienmanager, mehr Magazinmacher!

Den Mut fördern, Controller wieder gegen Blattmacher auszutauschen. Temporäre Manager werden nie die gleiche Leidenschaft und Verantwortung empfinden wie Gründer und Macher selbst. Die Branche braucht mehr Verantwortung – ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft gegenüber. Dabei nicht vergessen, dass auch von Kleinen Großes kommt. Also: stärkere Einbindung der vielen kleinen Verlage ins Agenda-Setting, die Abstimmungen und die Lobby-Arbeit. Schon mit der Unterstützung von spannenden Schülerzeitungs- und Universitäts-Projekten sollten wir den Nachwuchs ans Zeitschriftenmachen heranführen. Lesen war, ist und bleibt ein wichtiger Prozess des Menschseins.

2. Publishing is everything and everything is publishing!

Das Publizieren sucht sich immer neue Wege. Alle jedoch mit dem gleichen Ziel: Gute Geschichten! Die Branche braucht mehr Content-Produzenten, Story-Teller und Fantasten an Bord. Wir müssen in diesem Zusammenhang Print und Online noch näher zusammenbringen. Nicht nur mittels Großraumbüros, sondern vor allem in der Wertschätzung der digitalen Leistungen. Und: Wer nur der erhofften Klicks bzw. ein paar lausigen Cents wegen dabei seine Inhalte an ein geschlossenes proprietäres System wie etwa Facebook verschleudert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er vom Leser/Nutzer nicht mehr direkt gebraucht wird. Das Vertrauen in die eigenen Marken verdient eine Renaissance!

3. Türen öffnen!

Transparentere Abstimmungsprozesse und Strategien in der VDZ-Führung sind unerlässlich. Keine Hinterzimmer-Politik mehr und kein Zuschachern von Posten. Kandidaturen von Klein(st)verlegern sollten die erwünschte Regel und nicht die irritierende Ausnahme sein. Egal, wer den Verband führt: Er darf niemandem sein Hinterteil hinhalten – auch nicht der Politik. Wir als Medien ermöglichen die Demokratie. Diesem Selbstbewusstsein aber auch dieser Verpflichtung sollten wir immer gewahr sein. Und mit dieser Überzeugung nach vorn schauen, verhandeln und arbeiten.

4. Trans-Tellerand-Teamwork!

Mehr Kontakt mit anderen, nicht druckenden Verbänden wie etwa dem VPRT, dem ADC oder dem BVDW, um spannende Kooperationen und Ergänzungen ins Leben zu rufen! Außerdem mehr Offenheit für Anregungen von außerhalb des Verbands – egal ob von Kreativen, Diven oder Unternehmern. So können alle voneinander lernen, ihre Netzwerke erweitern und mehr Spaß haben. Außerdem lässt sich so die Zukunft für bestehende Verlage und den Nachwuchs ökonomisch besser absichern.

5. Cooler Campaigning!

Wenn die Welt der Magazine wieder zu ihrer ursprünglichen Kraft gefunden hat, lasst uns mutigere Gattungsmarketing-Kampagnen fahren! Wir müssen lernen, provokanter, bunter, selbstbewusster, lauter, aufrüttelnder für dieses wunderbare Medium zu trommeln.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Sören Bauer , Martin Lohmann.

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